Opernhaus Stuttgart mit Theater-Terrassen Mehr Theater vor dem Theater!

Nicht mehr nur zu Festen: Gastro vor der Oper Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Stuttgart hat eine Attraktion mehr: schöner essen und trinken vor dem Opernhaus. Zu echten Theater-Terrassen wird das Angebot erst mit realem Theater vor dem Theater, schreibt Nikolai B. Forstbauer.

Den Lacher zur Eröffnung der in den vergangenen Wochen viel diskutierten Theater-Terrassen zwischen Opernhaus und Eckensee lieferte Baden-Württembergs Kunststaatssekretär Arne Braun lieber gleich selbst. „Wenn ihr das nicht mal hinbekommt, wie wollt ihr dann die Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung der Staatstheater am Standort hinkriegen?“, ist er mehr als einmal gefragt worden.

 

Die Häme des Scheiterns ist abgewendet – die Theater-Terrassen sind Realität, laden ein. Die Umkehrung, dass damit auch die Sanierung und Erweiterung klappen werden, ist unzulässig. Und doch kann das Aufatmen helfen, kann das Erlebnis helfen, kann die positive Stimmung helfen.

Spielball verkehrspolitischer Interessen

Übermut aber ist fehl am Platz. Theater-Terrassen – das ist noch vor allem ein Versprechen. Auf „eine Oase der Entspannung und der Genüsse“. Das Mobiliar sieht gut aus, Gastronom Alexander Scholz spielt die allseits gezogene Karte, dass draußen das neue Drinnen ist, souverän aus. Scholz hat seinen Job gemacht. Gut gemacht. Und die Staatstheater? Ihr Projekt, das Staatstheaterareal nicht nur zu Aufführungen zu einem öffentlichen Ort zu machen, ist zum Spielball verkehrspolitischer Interessen geworden. Und noch ist nicht ausgemacht, dass die Nutzerinnen und Nutzer der Hauptradroute 1 das immer schon gültige Schild der Schrittgeschwindigkeit nun beachten.

Ging es für die Staatstheater bisher darum, die Theater-Terrassen überhaupt starten zu können, muss nun die Qualität von Oper, Ballett und Schauspiel spürbar werden: das kluge Spiel. Ja, Stuttgart hat eine Attraktion mehr – wenn die Staatstheater diese Bühne nutzen. Wenn das Draußen wirklich das neue Drinnen ist, können wir uns auf Theaterüberraschungen ganz eigener Art freuen. Klein, fein, schnell. Viel Theater um wenig Terrassen – das darf nur der erste Eindruck sein. Vorhang auf also für begeisterndes Spiel und damit weiteren Rückenwind auf dem unfassbar weiten Weg zu Sanierung und Erweiterung der Staatstheater Stuttgart.

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