Opernsanierung in Stuttgart In der Zwickmühle

Von Thomas Braun 

Das Große Haus braucht mehr Platz. Die Erweiterung muss aber mit Augenmaß geschehen, fordert StZ-Redakteur Thomas Braun.

Rund um die Oper ist wenig Platz: Das erschwert die anstehenden Sanierungsarbeiten zusätzlich. Foto: Achim Zweygarth
Rund um die Oper ist wenig Platz: Das erschwert die anstehenden Sanierungsarbeiten zusätzlich. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Kein Zweifel: die Stuttgarter Oper und das Stuttgarter Ballett genügen künstlerisch und musikalisch höchsten Ansprüchen. Das kann man von den Rahmenbedingungen der Spielstätte allerdings nicht behaupten. Im alten Littmann-Bau herrscht drangvolle Enge, und auch die Logistik der Aufführungen wird durch eine Bühnentechnik aus dem vorigen Jahrhundert und Platzmangel erheblich erschwert. Insofern führt kein Weg daran vorbei, das Große Haus gründlich zu sanieren und teilweise zu erweitern.

Höhe der Baukosten muss realistisch ermittelt werden

Dabei dürfen Stadt und Land Maß und Mitte nicht aus den Augen verlieren. Auch für die Hochkultur stehen Steuermittel nicht unbegrenzt zur Verfügung; zudem steht das Projekt in Konkurrenz zu eher profanen, aber nicht weniger notwendigen Vorhaben wie die Sanierung von Straßen, Infrastruktur, Energiewende und Wohnungsbau. Bleibt zu hoffen, dass die Träger aus dem Desaster bei der Hamburger Elbphilharmonie die richtigen Schlüsse ziehen: Realistische Ermittlung von Baukosten und Risikopuffer, externe Kontrolle und ein Verbot, das einmal fixierte Raumprogramm im Nachhinein aufzublähen.

Und gerade, weil an Stuttgarts grüner Lunge schon die Bahn großflächig herum schnippelt, darf nicht auch noch zeitgleich der restliche Schlossgarten zugepflastert werden. Naherholungsflächen im Talkessel sind ohnehin rar und das Stadtklima zu sensibel, als dass man leichtfertig jede noch zur Verfügung stehende Fläche mit Neu- und Anbauten versehen könnte – vom Denkmalschutz einmal ganz abgesehen.

Suche nach Ausweichquartier darf keine Tabus kennen

Ein fünfstöckiges Opernprovisorium an Stelle des Eckensees mutet abenteuerlich an und würde dem Schlossgarten zwischen Neuem Schloss und Schillerstraße auf Jahre sein Flair nehmen. Noch problematischer erscheinen freilich andere vom Land ins Auge gefasste Flächen im Park wie der Bereich zwischen dem Königin-Katharina-Stift und dem Hotel am Schlossgarten. Für ein Interimsquartier dort müssten – wie auf der anderen Straßenseite für den Tiefbahnhof – erneut Dutzende alter Bäume gefällt werden. Das dürfte vor allem den Wählern der grünen Regierungspartei nicht gefallen. Um den Schlossgarten zu schonen, sind unkonventionelle Ideen gefragt: Betonierte Standorte wie der Ehrenhof des Neuen Schlosses oder der Wasen sollten nicht von vorn herein tabu sein.

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