Opernsanierung in Stuttgart Stadträte haben Angst vor Kostenexplosion

Von Thomas Braun 

Die Oper ist sanierungsbedürftig – und zugleich ein wichtiger kultureller Standortfaktor für Stuttgart. Doch die Renovierung und Erweiterung kostet viele Millionen. Die Ratsfraktionen drängen daher auf eine möglichst exakte Kostenermittlungen.

Das Kulissengebäude der Staatstheater aus den 60er-Jahren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Kulissengebäude der Staatstheater aus den 60er-Jahren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Vor der richtungsweisenden Sitzung des Verwaltungsrats der Staatstheater am 14. November haben sich die Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat grundsätzlich zur notwendigen Sanierung und Erweiterung der Staatsoper bekannt. Fraktionsübergreifendes Unbehagen gibt es allerdings über Höhe der Investitionen, die sich Stadt und Land als Träger der Staatstheater hälftig teilen. Bisher gibt es allerdings noch keine gesicherten Kostenermittlung. Ein vom Staatstheater beauftragter Gutachter schätzte den Finanzierungsbedarf vor zwei Jahren auf rund 350 Millionen Euro, andere Experten gehen aber von weit höheren Summen aus. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz stellte eines klar: Eine Kostenexplosion wie bei der Sanierung der Schauspielbühne oder dem Neubau der John-Cranko-Ballettschule werde man nicht hinnehmen: „Das wäre ein No-Go.“

An Bekenntnissen zur Oper und Glückwünschen zur jüngsten Auszeichnung als Oper des Jahres ließen es die Stadträte im Technischen Ausschuss am Dienstag dennoch nicht fehlen. Dass der marode Littmann-Bau von 1912 räumlich und vor allem technisch längst nicht mehr zeitgemäß ist, daran hatten zuvor sowohl der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, als auch OB Fritz Kuhn (Grüne) keinen Zweifel gelassen. Der Bau müsse saniert werden, um das internationale Ansehen Stuttgarts als Kulturstandort nicht zu gefährden, so Kuhn. Hendriks schilderte dem Gremium anhand diverser Beispiele, unter welchen nachgerade archaisch anmutenden Bedingungen derzeit dort inszeniert und musiziert wird.

Böhm-Pavillon könnte überbaut oder abgerissen werden

Um den ermittelten Flächenbedarf von rund 13 000 Quadratmetern unterzubringen, soll zunächst einmal das Kulissengebäude vergrößert werden. Allerdings muss dies laut Baubürgermeister Peter Pätzold „stadtverträglich“ geschehen. Statt unverhältnismäßig aufzustocken ist eine Verlängerung in Richtung Schillerstraße die bevorzugte Variante. Dem steht bislang die Turnhalle des Königin-Katharina-Stifts im Weg. Sie müsste zunächst abgerissen und auf der Nordwestseite der Schule neu gebaut werden, um den Schulbetrieb während der Zeit der Opernsanierung nicht zu stören. Klar ist auch, dass die Fassade des Littmann-Baus in Richtung Landtag aufgeweitet wird, um Platz für eine Kreuzbühne zu schaffen, die es ermöglicht, mehrere Bühnenbilder gleichzeitig parat zu haben. Offen ist noch, was mit dem sogenannten Böhm-Pavillon passiert, der zwischen Verwaltungsgebäude und Spielstätte liegt. Es gibt Versionen für eine Überbauung, aber auch für einen Abriss, um dort künftig Platz für ein verbessertes gastronomisches Angebot für die Operngäste zu schaffen.

Im November sollen zudem mögliche Standorte für eine Interimsspielstätte während der sanierungsbedingten Schließzeit von fünf Jahren vorgestellt werden. Der Eckensee, vom Gutachter als Ersatzstandort auserkoren, ist „aufgrund der öffentlichen Resonanz“ (OB Kuhn) vom Tisch. SPD-Fraktionschef Chef Martin Körner plädierte erneut für eine Ersatzspielstätte, die nach Abschluss der Opernsanierung anderweitig genutzt werden könnte. Ihm schwebt dabei ein Areal zwischen dem Planetarium und der Schillerstraße als Ausweichquartier vor.

Die von der Fraktion SÖS/Linke-Plus angestoßene Debatte darüber, ob es sich Stuttgart leisten könne, Millionen in die Hochkultur zu stecken, die für Menschen mit geringem Einkommen kaum erschwinglich sei, konterte OB Kuhn umgehend: „Es gehen nicht nur Leute mit Klunkern in die Oper.“

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