Optikkonzern legt Bilanz vor Zeiss will durch Zukäufe wachsen

Den Bereich Medizintechnik will Zeiss durch Übernahmen stärken. Das Bild zeigt ein Okular, das in diesem Bereich eingesetzt wird Foto: dpa
Den Bereich Medizintechnik will Zeiss durch Übernahmen stärken. Das Bild zeigt ein Okular, das in diesem Bereich eingesetzt wird Foto: dpa

Der Optikkonzern aus Oberkochen blickt auf das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte zurück. Große Hoffnungen liegen im Geschäft mit der Halbleitertechnik, das im zweiten Halbjahr geradezu geboomt hat.

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)

Stuttgart - Michael Kaschke ist sichtlich zufrieden. „Das abgelaufene Geschäftsjahr war das bisher erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte“, sagt der Vorstandschef der Carl Zeiss AG bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart. Umsatz und Ergebnis seien auf Rekordniveau, alle Geschäftsbereiche hätten dabei zum starken Wachstum beigetragen – auch die Halbleitertechnik. Das Stiftungsunternehmen fertigt Lithografie-Optik für die Anlagen mit denen Computerchips produziert werden; ein Großteil der weltweit produzierten Mikrochips werden mit der Technologie aus Oberkochen hergestellt. Dabei bietet Zeiss seine Technologie nicht breit am Markt an; einziger Kunde ist vielmehr ASML, ein niederländischer Ausrüster von Chipfabriken.

Das Halbleitergeschäft ist traditionell volatil, wie die Zahlen von Zeiss zeigen. Noch im ersten Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres liefen die Geschäfte schlecht; der Zeiss-Umsatz lag um 13 Prozent unter dem des Vorjahrs. Die Belebung kam im zweiten Halbjahr, erläutert Kaschke. Und die sei so stark gewesen, dass der Bereich im gesamten Geschäftsjahr ein Umsatzplus von neun Prozent auf 972 Millionen Euro verbuchen konnte. Grund für den unerwarteten Aufschwung waren die plötzlich anziehenden Chippreise – woraufhin die Chiphersteller investiert hätten, erläutert der Zeiss-Chef die Zusammenhänge. Nachgefragt worden sei vor allem klassische Technologie, sagt Kaschke.

Neue EUV-Technologie geht 2018 in Serie

Aber auch für die Zukunftstechnologie EUV (Extreme ultraviolett Lithografie) habe es positive Impulse gegeben, fügt er hinzu. Wegen technischer Probleme ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen bei EUV gekommen. Nun sind die ersten Anlagen – der Preis für eine Anlage liegt im dreistelligen Millionenbereich – ausgeliefert; mit der Serienfertigung wird 2018 gerechnet. Dann soll auch die Erweiterung des Halbleitertechnik-Werkes am Stammsitz Oberkochen abgeschlossen sein. 60 Millionen Euro investiert Zeiss in den Ausbau.

Kaschke nannte die engere Partnerschaft mit ASML einen „bedeutsamen Schritt für die Weiterentwicklung der EUV-Technologie“. Vor kurzem hat der weltweit führende Ausrüster der Chipfabriken einen Minderheitsanteil von 24,9 Prozent an der Zeiss-Halbleitertochter SMT übernommen. Eine Milliarde Euro fließt Zeiss damit zu. Darüber hinaus hat ASML Investitionen von 760 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung sowie für Anlagen und Ausrüstungen bei SMT zugesagt; Geld, das „nach Ost-Württemberg fließt“, so Kaschke.

Gute finanzielle Lage

Der Kaufpreis von einer Milliarde Euro hat die finanzielle Lage von Zeiss noch verbessert – und den Spielraum für Akquisitionen erhöht. „Wir sind in Gesprächen“, so Kaschke. Wann mit einem Abschluss zu rechnen ist, sagte er nicht. Stattdessen nannte er drei Bereiche, die interessant für Akquisitionen wären: die Medizintechnik sowie Unternehmen, die sich mit Industrie 4.0 sowie digitalen Technologien beschäftigen. Wie Zeiss bereits jetzt von diesen Entwicklungen profitiert, erläuterte Kaschke am 3-D-Druck. Bei diesem Verfahren werden selbst komplizierteste Produkte schichtweise aufgebaut. Die Qualität des Materials werde dabei mit der Röntgenmikroskopie von Zeiss geprüft.

Das Oberkochener Unternehmen, dass sich als Technologieführer in seinen Geschäftsfeldern sieht – neben der Halbleitertechnik ist dies unter anderem die Medizintechnik, Augenoptik, Mikroskopie und Planetarien –, und das auch Themen der künstlichen Intelligenz behandelt, ist bei dem soeben ins Leben gerufen Landesprojekt Cyber Valley nicht mit von der Partie. Zeiss kümmere sich schon eine Weile um das Thema künstliche Intelligenz – und kooperiere mit den Hochschulen Aalen und Schwäbisch Gmünd und habe einen Studiengang ins Leben gerufen. Auch im indischen Bangalore unterhalte das Unternehmen ein Softwarezentrum. Kaschke will aber nicht ausschließen, dass man sich doch noch in Stuttgart engagiere.

Zuversichtlich für das laufende Jahr

Nach dem Rekordjahr 2015/16 ist Kaschke auch für das Geschäftsjahr 2016/17 – es begann am 1. Oktober – zuversichtlich. Er stützt seinen Optimismus auf den Auftragseingang, der erstmals die Marke von fünf Milliarden Euro überschritten hat. Impulse erwartet er aus den USA. Trotz nachlassender Dynamik sei auch in den Schwellenländern mit Zuwachs zu rechnen. Der Optikkonzern, der knapp 90 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt, geht von einem leichten Wachstum aus. Zukäufe seien dabei nicht berücksichtigt. Die Marge soll auf vergleichbaren Niveau bleiben. Zuletzt lag das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Verhältnis zum Umsatz bei 13 Prozent.

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