Orange Day Gemeinsam gegen Gewalttaten an Frauen

In der Landeshauptstadt Stuttgart erstrahlte auch 2020 manches Gebäude in Orange wie hier der Landtag. Foto:  
In der Landeshauptstadt Stuttgart erstrahlte auch 2020 manches Gebäude in Orange wie hier der Landtag. Foto:  

Gebäude auf der ganzen Welt erstrahlen am 25. November in orangefarbenem Licht. Auch Stuttgart, Filderstadt und die Naturfreunde Degerloch beteiligen sich an der Aktion.

Esslingen: Veronika Andreas (va)
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Degerloch - Am 25. November, dem internationalen Tag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt an Frauen und Mädchen, erstrahlen weltweit markante Gebäude in Orange. Die Farbe Orange gilt als Sinnbild für Licht und Wärme. Sie steht für eine positive Zukunft und für die Hoffnung auf ein gewaltfreies Leben. Dass das leider nicht für jede Frau Normalität ist, zeigen diese Zahlen: Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner.

Im Jahr 2019 wurden laut einer Statistik des Bundeskriminalamts 114 903 Frauen Opfer von Gewalt durch ihren (Ex-) Partner. In über 300 Fällen handelte es sich um Mord und Totschlag. Und diese Zahlen steigen: Rund alle 25 Stunden kommt es zu einer versuchten Tötung. Insbesondere Frauen und Mädchen mit Behinderungen erleben häufig viele Formen von Gewalt. Betroffen sind jedoch alle Frauen, unabhängig von Schichten und Milieus.

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Ein symbolisches Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Die Naturfreunde Stuttgart beteiligen sich zum ersten Mal am Orange Day. Die Stadtteilgruppe Degerloch ist durch das Frauennetzwerk der Naturfreunde auf die Aktion aufmerksam geworden und hat sich spontan dazu entschlossen, das Thema im Naturfreundehaus Am Roßhau sichtbar zu machen. Dieses Haus habe sich besonders angeboten, da es ehrenamtlich geführt werde und Sitzungsort verschiedener Vereine und Parteien sei, erklärt Klaus-Jürgen Ledebur, Vorstand der Naturfreunde Stuttgart. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, ob auch symbolische Aktionen dazu beitragen können, Themen wie Gewalt gegen Frauen an die Öffentlichkeit zu tragen“, beschreibt der Naturfreund die Absicht hinter der Aktion.

Da sich die Naturfreunde nicht auf sanften Tourismus, Umwelt und Kultur beschränkten, sondern auch den sozialen Kontext sehen würden, stünden Themen wie Menschenwürde, Frauenrechte und körperliche Unversehrtheit gleichwertig daneben, betont Ledebur. „Wie könnten wir bei unserem neuen Jahresthema ,Menschenrecht – Gesundheit‘ ernst genommen werden, wenn wir dabei nicht gleichzeitig auch an die körperliche und seelische Situation vieler Frauen denken würden“, sagt Ledebur. Hierfür wird der Verein am Naturfreundehaus Am Roßhau eine besondere Fahne hissen, verrät Andrea Blum-Seuberth von der Stadtteilgruppe Degerloch. „Wir freuen uns schon auf die Reaktionen“, so Ledebur.

Fahnen wehen auch in der Landeshauptstadt

Auch in Filderstadt werden im Bereich der S-Bahnstation Flaggen gegen Gewalt an Frauen gehisst. „Wir hatten für dieses Jahr viele Gewalt-Präventionskurse an verschiedenen Schulen geplant gehabt, die wir nun coronabedingt alle absagen mussten“, erklärt die Filderstädter Gleichstellungsbeauftragte Susanne Omran. In den Jahren zuvor hätte die Stadt an diesem Tag immer ein umfangreiches Programm angeboten, das in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Pandemie nicht stattfinden kann.

Ebenfalls beteiligt sich die Abteilung für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern der Stadt Stuttgart am Orange Day. An der Ecke Königsstraße und Bolzstraße sollen Fahnen mit der Aufschrift „frei leben – ohne Gewalt“ hängen. Ab 17 Uhr leuchten markante Gebäude wie die Staatsgalerie, das Haus der Geschichte und die Stiftskirche in Orange. Für die Landeshauptstadt Stuttgart hat der Schutz vor häuslicher Gewalt bereits seit 20 Jahren einen besonderen Stellenwert. Erst kürzlich hat die Stuttgarter Ordnungspartnerschaft gegen häusliche Gewalt (STOP) ihr Jubiläum gefeiert.

STOP ist ein Zusammenschluss von Institutionen und Beratungsstellen aus dem polizeilich-juristischen und psychosozialen Bereich. Unter der Federführung der Abteilung für individuelle Chancengleichheit arbeiten sie daran, die Prävention bei häuslicher Gewalt zu verbessern. Ziel ist die Verhinderung häuslicher Gewalt sowie die zeitnahe Beratung und Hilfestellung für Opfer und Täter.

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist ein bundesweites Beratungsangebot und erreichbar unter der Nummer 08000 116 016.




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