Organtransplantation Skandalöse Wartezeiten

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Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist zu niedrig. Täglich sterben deshalb drei Patienten. Gesundheitsminister Bahr möchte dies ändern.

Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist. Foto: dpa 4 Bilder
Bei einer Operation wird einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist. Foto: dpa

Berlin - In Deutschland warten mehr als 12.000 Patienten auf ein lebensrettendes Organ: auf eine Niere, eine Leber, ein Herz. Viele von ihnen warten jedoch vergeblich, das lebensrettende Organ kommt zu spät oder gar nicht. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sterben in deutschen Kliniken jeden Tag drei Menschen, weil es nicht genügend Organspender gibt. Obwohl fast 75 Prozent der Deutschen bei Umfragen einer Organspende zustimmen würden, besitzen nur 25 Prozent einen Organspendeausweis.

Angesichts dieses gravierenden Mangels an Spenderorganen sollen alle Krankenkassen die Versicherten künftig nach ihrer Bereitschaft zur Organspende befragen, fordert daher Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Eine gesetzliche Regelung soll bis zum kommenden Frühjahr unter Dach und Fach sein.

Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums sollen die Krankenkassen dazu verpflichtet werden, ihre Mitglieder bei der bevorstehenden Ausgabe der neuen elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende zu informieren und sie zu einer Erklärung über die Spendenbereitschaft aufzufordern. Die Privatkassen, die sich an der Ausgabe der Gesundheitskarte nicht beteiligen, sollen ihre Versicherten ebenfalls befragen.

Grundsätzliche Zustimmung bei den Kassen

Die Antwort der Versicherten soll bei dieser sogenannten Entscheidungslösung danach in einem Organspendeausweis dokumentiert werden, den die Kassen ausgeben sollen. Die Versicherten können dabei einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass sie sich zunächst noch nicht entscheiden möchten.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen fanden die Überlegungen Bahrs grundsätzliche Zustimmung. Man werde die rund 70 Millionen Versicherten wie gewünscht über die Möglichkeiten der Organspende informieren, zum Beispiel auch über Mitgliederzeitschriften, sagte der Sprecher des Kassen-Spitzenverbandes, Florian Lanz.

Bis jetzt gilt in Deutschland nach dem Transplantationsgesetz die erweiterte Zustimmungslösung. Danach muss man sich aktiv dafür entscheiden, seine Organe nach einem etwaigen Hirntod zu spenden. Diese Bereitschaft wird in einem Spenderausweis dokumentiert. Doch noch ist diese Bereitschaft zu gering, daher plädieren Experten seit Jahren dafür, dass die Bevölkerung informiert, aufgeklärt und vor allem für die Lage der Betroffenen sensibilisiert werden. Derzeit fühlt sich die Hälfte der Deutschen nicht ausreichend informiert über das Thema, wie eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gezeigt hat.

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