Orgelsanierung in Riedenberg Handgemachte Maßarbeit

Die Pfarrerin Elisabeth Jooß und Orgelbauer Reinhard Metzger  bewundern die frisch sanierte Orgel. Die deutlichste Veränderung wird wohl der neue, lautere Klang in den Kirchenraum hinein sein. Weitere Eindrücke von der Sanierung gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: Fritzsche 7 Bilder
Die Pfarrerin Elisabeth Jooß und Orgelbauer Reinhard Metzger bewundern die frisch sanierte Orgel. Die deutlichste Veränderung wird wohl der neue, lautere Klang in den Kirchenraum hinein sein. Weitere Eindrücke von der Sanierung gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: Fritzsche

Seit Januar ist die Orgel der evangelischen Emmauskirche in Riedenberg saniert worden. Jetzt ist sie fertig – pünktlich zur Einweihung Anfang Juni. Die Arbeiten seien nichts von der Stange, sagt der Orgelbauer Reinhard Metzger.

Filderzeitung: Rebecca Anna Fritzsche (fri)

Riedenberg - Bald wird es laut in der Emmauskirche – und das im besten Sinn des Wortes. Die Orgel der evangelischen Kirche ist seit Januar saniert worden. Vorrangig deshalb, weil die Orgelklänge früher nicht weit genug in die Kirche hineingetragen worden sind. „Das gibt es jetzt nicht mehr“, sagt die Pfarrerin Elisabeth Jooß, „dass die Orgel spielt und die Leute es gar nicht mitbekommen.“ Stattdessen soll die Kirchenmusik einen ihr gebührenden Status im Gottesdienst einnehmen, nicht nur reine Liedbegleitung sein, so Jooß.

Der Innenraum der Kirche ist denkmalgeschützt

Die einfachste Lösung wäre gewesen, die Brüstung der Empore zu durchbrechen, um den Orgelklängen den Weg in den Kirchenraum zu erleichtern. „Das geht aber wegen der Statik nicht“, erklärt die Pfarrerin, denn die Brüstung ist aus Beton und ein tragendes Element. Stattdessen ist die Orgel umgebaut, erweitert und verschoben worden, berichtet Reinhard Metzger, Orgelbauer von der Firma Mühleisen aus Leonberg, die die Arbeiten ausgeführt hat.

Denn der Innenraum der Emmauskirche ist denkmalgeschützt. „Es sollte alles so erhalten bleiben, wie es ist“, so Metzger. Das bedeutet: Die neue Orgel sieht aus wie die alte Orgel. Lediglich den Kennern wird auffallen: Die Orgelanlage ist um einen Meter nach vorne geschoben worden, um hinten Platz für die Erweiterungen zu schaffen: „Vorher hatte die Orgel 19 Register, jetzt hat sie 26“, sagt Metzger. 1486 Pfeifen hat sie nun, 281 sind neu dazugekommen. Die vorne liegenden Pfeifen sind außerdem weiter auseinander gebaut worden, damit der Klang der hinteren Pfeifen besser hervorschallen kann.

Wie es bei solchen Baustellen öfters geschieht, haben sich im Laufe der Arbeiten noch weitere Problemstellen ergeben: Beispielsweise hat sich beim Abbau der Orgel herausgestellt, dass der darunter verlegte Estrich Blasen warf. Also musste ein neuer Boden her. Eine Tür musste versetzt werden, in einer Wand waren Baurisse, die bereinigt werden mussten, außerdem hat ein Teil der Anlage einen Unterbau bekommen, damit man darauf gehen kann: Eines der hinteren Fenster dient nämlich als zweiter Notausgang.

Pfarrer und Organist können besser kommunizieren

„Nichts ist von der Stange“, so fasst Metzger die Arbeiten zusammen: Die neuen Register seien kompliziert einzubauen gewesen, mit einer teilweise neuen Unterkonstruktion, weitere Holzgitter zur Abdeckung sind speziell angefertigt worden, die genauso aussehen mussten wie die bisherigen. Ganz wichtig: „Von der Orgelbank herunter kann man jetzt den Altar sehen“, sagt Elisabeth Jooß. Die Kommunikation zwischen Pfarrer und Organist sei damit um ein Vielfaches verbessert worden.

Auch die Kirchengemeinde hat sich eingebracht: Eine große Summe des Endbetrags ist über Spenden hereingekommen, und auch beim Ausbau und späteren Wiedereinbau haben sich ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde betätigt. Für einige war das etwas ganz Besonderes: „Ein paar waren als kleine Jungen beim Einbau der Orgel 1955 dabei“, erzählt Pfarrerin Elisabeth Jooß und lobt ihre Gemeinde: „Die Spendenbereitschaft und das Engagement waren sehr groß.“ Rund 230 000 Euro fallen für die gesamten Arbeiten an. Für die Sanierung der Orgel muss die evangelische Gemeinde Riedenberg selbst aufkommen, die Landeskirche gibt lediglich einen Zuschuss zu den Arbeiten im Bestand der Kirche, also etwa den Rissen in der Wand. Selbst der Orgelbauer Reinhard Metzger bewundert das: „Das hat ja auch einen ideellen Wert für die Gemeinheit.“ Und, so sagt Metzger, im Orgelbau seien 50 Jahre „noch keine Zeit“.

Einweihung:

Am Sonntag, 5. Juni, wird die Orgel der Emmauskirche, Schemppstraße 49, bei einem Festgottesdienst eingeweiht.




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