Orte auf dem Stuttgarter Frühlingsfest Die U11 ist der Sonderzug der Emotionen

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Menschen, denen der Sinn nach Plaisir steht, reisen mit der U11 in ein Eldorado der Kurzweile, der Promille, der Zerstreuung – kurz: zum Wasen.

Die Linie U11 ist der Zug ins geistige Nirgendwo. Foto: Martin Stollberg
Die Linie U11 ist der Zug ins geistige Nirgendwo. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Der schönste Zug der Welt ist eindeutig die U(07)11 in Stuttgart. Die Sonderlinie fährt die größte Spielwiese der Stadt, den Neckarpark, an, dieses knuffige Tollhaus mit Wasen, diversen kleineren Hallen und einem hübschen Stadion, das nach einem schwäbischen Autobauer benannt ist. Menschen, denen der Sinn nach Plaisir steht, reisen mit der U11 in ein Eldorado der Kurzweile, der Promille, der Zerstreuung. Die U11 ist der Sonderzug der Emotionen.

Die eindeutig spannendste Variante einer Reise mit der U11 ist der Wasenexpress zurück in die Innenstadt. Die Meisterprüfung: die letzte Bahn zurück von Bierzelt und Co., verbunden mit dem Wunsch, den stilvollen Aperitif, den man soeben im Neckarpark in einem der Zelte auf dem Volksfest genossen hat, auf vier bis sieben Biere in der Stuttgarter Innenstadt zu verlängern.

Zug ins geistige Nirgendwo

Die wild zusammengewürfelten Mitreisenden haben neben Dirndl und Lederhose in diesem Fall eine weitere Gemeinsamkeit: einen durchschnittlichen Promillewert von mindestens 1,1. Der Zug ins geistige Nirgendwo schwankt bedrohlich. Ist das hier wirklich die U11, oder sitzen wir immer noch im Transformer? Die größte Kunst besteht darin, die eigene Schräglage und die der anderen nicht durch unschönen Anschauungsunterricht in vertikaler Verdauung unnötig zu verkomplizieren. Das gelingt nicht immer. So eine Wasenfahrt ist aber halt auch nichts für Weicheier.

Fahrzeiten: Die Stadtbahnlinie U11 fährt während des Volksfestes in regelmäßiger Taktung ab Stuttgart Hauptbahnhof direkt zum NeckarPark. Die Fahrzeit beträgt 20 Minuten.

Text und Foto stammen aus dem Buch „55 ½ Orte, die man auf dem Wasen gesehen haben muss“, von StZ-Titelautor Ingmar Volkmann und Fotograf Martin Stollberg. Das im Emons-Verlag erschienene Buch versammelt Orte abseits der großen Bierzelte und führt den Leser in unbekannte Wasen-Ecken.