Ortsdurchfahrt Spiegelberg Mega-Baustelle in kleinster Gemeinde

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Die Spiegelberger Ortsdurchfahrt wird jetzt für fast zwei Millionen Euro aufgehübscht. Die Gemeinde, in der Bauplätze zurzeit schnell weg gehen, soll in bisschen sicherer werden – und (noch) schöner.

Spiegelberg soll (noch) schöner werden. Foto: Gottfried Stoppel
Spiegelberg soll (noch) schöner werden. Foto: Gottfried Stoppel

Spiegelberg - Ein paar Anwohner sprechen mit Blick auf die Ortsdurchfahrt Spiegelberg von einer regelrechten Rennstrecke. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber viele Autofahrer sind auf der nahezu geraden, fast einen Kilometer langen Strecke in der Tat zu schnell unterwegs.

Die Raserei mitten im Flecken soll mit dem Umbau der Durchfahrtstraße beendet werden. Die Bauarbeiter rücken laut einer Auskunft des Spiegelberger Bürgermeisters Uwe Bossert in der kommenden Woche an. Die Mega-Baustelle in der kleinsten Kommune des Landkreises wird alles in allem fast zwei Millionen Euro verschlingen, 600 000 Euro trägt die Gemeinde, den Rest das Land. Der Schultes sagt, es dürfe sich um die größte Investitionssumme handeln, die die Kommune jemals verbaut habe.

Auch während des Lockdowns immer Klopapier

Und es geht längst nicht nur um die Eindämmung der Raserei im Flecken. Der Ortskern werde „nachhaltig“ aufgewertet, sagt Bossert. Das Areal vor dem kleinen Lebensmittelgeschäft und das Gelände gleich neben dem Rathaus würden zu kleinen Plätzen umgestaltet, auf denen sich die Mensch wohlfühlten. Die neue Ortsdurchfahrt, auf der künftig teilweise Tempo 30 gilt, werde insbesondere für Radfahrer und für Fußgänger sicherer, so Bossert. Verkehrsinseln würden angelegt, Gehwege abschnittsweise verbreitert.

Die vier Bushaltestellen werden barrierefrei, und in der Nähe des Pflegeheims wird ein Zebrastreifen angelegt. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis April kommenden Jahres. Lastwagen werden um den Ort herumgeleitet. Alle anderen Verkehrsteilnehmer sollen aber nahezu jeden Tag durch den Ort fahren können.

In den nächsten Monaten dürfte in Spiegelberg wegen der Großbaustelle so viel los sein wie sonst nur selten. Die Gesamtgemeinde mit ihren vielen Teilorten und Weilern hat knapp 2150 Einwohner, im Hauptort Spiegelberg leben nur rund 1100 Menschen.

Dafür, so Bossert, habe Spiegelberg einiges zu bieten. Unter anderen das Lebensmittelgeschäft am der Durchfahrtstraße, das selbst während des Corona-Lockdowns im April „immer auch Klopapier“ im Angebot gehabt habe, erzählt der Schultes mit einem Augenzwinkern. Damals war WC-Papier wegen Hamsterkäufen in riesigen Supermärkten und Discountern oft vergriffen. Bossert zählt auf: Im Hauptort gibt es eine Grundschule und einen Kindergarten, Filialen der Volksbank und der Sparkasse sowie seit einiger Zeit eine große Nachfrage nach Bauplätzen sowie „kaum Leerstände“. Die landesweit erste Ohne-Arzt-Praxis in Spiegelberg indes werde geschlossen, so der Bürgermeister. Man habe – wohl auch wegen der Pandemie – vergeblich auf Patienten gewartet. Der Schultes sagt, er bemühe sich nach wie vor um die Niederlassung eines Allgemeinmediziners, ist aber offenkundig nicht übermäßig zuversichtlich.

Ohne-Arzt-Praxis ist auch wegen Corona wohl am Ende

Im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt werden auch Leitungen für schnelles Internet verlegt. Breitband, sagt Bossert, sei heute so wichtig wie vor 100 Jahren die Wasserleitungen. Wenn alles nach Plan läuft, dann seien auch die Gebäude in vielen Teilorten 2024 an das blitzschnelle Netz angeschlossen, in jenem Jahr also, in dem Bosserts dritte Amtszeit endet. Die Frage, ob er nochmals antritt, mag er (noch) nicht beantworten.




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