Ortskernsanierung in Echterdingen Alte Schätze bewahren und neue heben

Von Thomas Krämer 

Der Technische Ausschuss hat der Sanierung der historischen Mitte von Echterdingen zugestimmt. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung könnte die Voruntersuchung endgültig beschlossen werden.

Der schöne Schein trügt, die Stadtverwaltung hat vielerlei Defizite in Echterdingens Ortsmitte identifiziert, die angegangen werden sollen. Foto: Archiv Thomas Krämer
Der schöne Schein trügt, die Stadtverwaltung hat vielerlei Defizite in Echterdingens Ortsmitte identifiziert, die angegangen werden sollen. Foto: Archiv Thomas Krämer

Echterdingen - Augenfällige städtebauliche Defizite nördlich und südlich des Rathauses in Echterdingen; mangelnde Instandhaltung, Leerstand oder Unternutzung einiger ehemaliger landwirtschaftlicher Hofstellen; vermutlich Baufälligkeit besonders in rückliegenden Bereichen. So wurde in der Vorlage der Stadtverwaltung für den Technischen Ausschuss am Dienstag die Situation im Zentrum des Ortes beurteilt. Auch die Straßenräume würden ein unbefriedigendes Bild abgeben, die Verbindung zwischen Bernhäuser Straße und S-Bahnhof sei zu schmal und unattraktiv.

Dieses wenig schöne Bild soll durch das Sanierungsgebiet „Historische Mitte Echterdingen“ aufpoliert, der Ortskern „aufgewertet und saniert werden“, so Baubürgermeisterin Eva Noller. Oder, wie Planungsamtsleiter Philipp Schwarz es schon fast poetisch ausdrückte: „Wir wollen mit der Sanierung Schätze bewahren und hoffentlich neue Schätze heben.“ Mehrheitlich hat das Gremium grünes Licht für die vorbereitenden Untersuchungen durch die beiden Büros Steg Stadtentwicklung sowie Cityplan gegeben und damit dem Gemeinderat für seine Sitzung am kommenden Dienstag den Weg gewiesen.

Anwohner und Eigentümer sollen befragt werden

Die Kosten für die Voruntersuchungen betragen 45 000 Euro und werden zu 60 Prozent von Bund und Land übernommen. Von den Planern sollen dann – ein positiver Beschluss des Gesamtgremiums vorausgesetzt – die städtebaulichen und wirtschaftlichen, aber auch sozialen und ökologischen Mängel im Gebiet untersucht und wesentliche Defizite aufgezeigt werden. Außerdem sollen Anwohner und Eigentümer befragt und die Öffentlichkeit bei einer Veranstaltung informiert werden. Die Aufgabe der Planer ist dann, aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen einen Rahmenplan als Basis für die zukünftige Sanierung zu entwickeln und durch ein Maßnahmen- und Finanzierungskonzept zu ergänzen. Immerhin hat das Land bereits 1,8 Millionen Euro als erste Tranche einer Förderung zugesagt. Über die genauen Ziele werde dann der Gemeinderat entscheiden, so Noller.

FDP-Stadtrat spricht sich gegen Rathaus-Sanierung aus

Trotz der mehrheitlichen Zustimmung scheint es bei einigen Stadträten ein wenig zu grummeln. „Es gibt zwei historische Mitten“, korrigierte der Fraktionschef der Freien Wähler, Hans Huber, den Begriff der „Historischen Mitte“ und wies auf das geplante Sanierungsgebiet rund um die Kirche, aber auch auf das Areal an der Obergasse hin. Für Wolfgang Haug (FDP), der sich bei der Abstimmung am Ende als einziger Stadtrat enthielt, liegt die „Problematik im Umgriff.“ Man habe zwei Ortsmitten, um die man sich kümmern müsse. „Ansonsten opfern wir wissentlich Gebäude“, so Haug. Dem Gedanken, das 1968 gebaute neue Rathaus für 3,6 Millionen Euro zu sanieren, erteilte er eine Absage. „Ohne mich, das Gebäude muss weg.“

Sowohl Grünen-Fraktionschefin Ingrid Grischtschenko als auch Erich Klauser sind die Wegebeziehungen wichtig, die in dem Gebiet verbessert werden sollen. Der SPD-Fraktionssprecher bezeichnet das 12,3 Hektar umfassende Sanierungsgebiet jedoch schon jetzt als zu groß. „Bei anderen großen Arealen haben wir in der Vergangenheit wenig erreicht“, so Klauser. Den Einwurf von Claudia Moosmann (Freunde der Filderpiraten), dass es auch in Leinfelden leer stehende Höfe und in Musberg die alte Ritterscheune gebe, beantwortete die Baubürgermeisterin mit einer Absage. „Wir würden gerne in vielen Orten sanieren“, so Noller. Das sei jedoch eine Frage der Kapazitäten, da ein solches Projekt begleitet werden müsse. Außerdem habe man in Leinfelden bereits ein Sanierungsgebiet – das Areal „Westlich Max-Lang-Straße“.