Ortskernsanierung in Kemnat Die Großbaustelle sorgt für Ärger

Die Engstelle an der Schule bereitet Christiane Brüning, Hartwig Riedel und Ottmar Mayer (von links) große Sorgen. Sie wünschen sich in den Spitzenzeiten Schülerlotsen. Foto: Ines Rudel

Dass der Verkehr wegen der Großbaustelle auf der Heumadener Straße in Kemnat über Wohnstraßen gelenkt wird, ärgert Anwohner. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet.

Sehnsüchtig hatten die Bürgerinnen und Bürger das Großprojekt erwartet. Nun sorgt die Umgestaltung der Heumadener Straße in Kemnat für Ärger. Nicht nur die Geschäfte an der Ortsdurchfahrt leiden unter der Straßensperrung. Weil der Bus- und der Schwerlastverkehr an der Pfingstweideschule vorbei über Wohnstraßen geleitet wird, ist die Situation angespannt. Kinder und Eltern sind wegen des Verkehrs auf dem Weg besorgt. Um Autofahrer zu warnen, haben die Kinder Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht, Schule!“ gemalt.

 

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. „Wir Anwohner wünschen uns, dass unsere Probleme gehört werden und dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit uns nach Lösungen sucht“, sagt Professor Hartwig Riedel. „Ich halte die Verkehrssicherheit auf der Panoramastraße für nicht gewährleistet.“ Der Schwerlastverkehr und die Busse „belasten uns erheblich“. Vor allem aber ist er wegen des Verkehrs an der Schule besorgt. Das sieht auch die Rektorin Christiane Brüning so. „Zumindest am Schulbeginn könnten Schülerlotsen helfen, kritische Situationen zu vermeiden.“ Da die Pfingstweideschule eine reine Grundschule ist, habe sie keine älteren Schüler, die das übernehmen könnten. Auch die vielfach berufstätigen Eltern könne sie da nicht täglich einspannen. Da wünscht sich Brüning Unterstützung von der Stadt. Dass die Kinder mit Buntstiften Schilder gemalt haben, zeigt ihr, „wie besorgt sie sind“. Da findet die Rektorin ein offizielles Schild erforderlich, das auf die Schule aufmerksam macht. Bei Schulbeginn werde die Situation durch vermehrte „Elterntaxis“verschärft, die jetzt aus Sorge um die Sicherheit lieber mit dem Auto kommen.

Stadt sieht Vorrang bei „sorgfältiger Verkehrserziehung“

Was die Schülerlotsen angeht, sieht die Stadt nur bedingt Spielraum. Diese könnten eine wirksame Maßnahme auf Schulwegen sein“, sagt Tanja Eisbrenner, die Pressesprecherin der Stadt. „Wir haben angeboten, dass die Verkehrswacht die Ausbildung und Anleitung der Schülerlotsen übernehmen kann.“ Dennoch bleibe die sorgfältige Verkehrserziehung der Kinder vorrangig, damit sie sich sicher im Verkehr bewegen können. Der Zebrastreifen sei ordnungsgemäß beschildert; die gemalten Schilder dulde man.

Eine Hauptbelastung für die Anwohner der Panoramastraße sei der Lastwagenverkehr, sagt Riedel, „sowohl der durchfahrende als auch der Ziel-und Quellverkehr des Gewerbegebiets Kemnat.“ Neben Erschütterungen der Häuser seien scheppernde Ladungen belastend, sagt Ottmar Mayer. Aus Sicht der Initiative wäre zu prüfen, ob die Anzahl der Busverkehre nicht dadurch halbiert werden könnte, dass man die Linie 130 nicht die Umleitung fahren ließe, sondern über die Heumadener Straße wie bisher, sagt Riedel. Das ist nur bedingt möglich und hängt vom Baufortschritt ab.

Um ihre Situation zu verbessern, fordert die Initiative unter anderem, dass die Hinweistafeln an der überörtlichen Umleitung geändert werden. Anstelle von „Durchfahrt in Kemnat erschwert“ müsste es heißen „LKW-Durchfahrt in Kemnat gesperrt“. Aus ihrer Sicht könnte das Gewerbegebiet in Kemnat auf Hauptstraßen von Norden her angefahren werden.

Das sieht die Stadtverwaltung anders. „Uns ist bewusst, dass die Umleitung und der damit verbundene Schwerlastverkehr für die Anwohnerinnen und Anwohner eine große Belastung darstellen“, erläutert Eisbrenner. Da habe man alle Alternativen sorgfältig geprüft. „Aufgrund gesetzlicher Vorgaben und anderer Faktoren, wie parallelen Baustellen, war das die beste Lösung.“ Da bittet sie um Verständnis. „Nach Abschluss der Bauarbeiten wird sich der Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr, wieder auf die Heumadener Straße verlagern.“ Wegen der Sperrung der Scharnhauser Straße ab heute bis voraussichtlich Ende Februar 2025 oder der Brückensanierung auf der Mittleren Filderlinie ab August bis 2025 habe es keine andere Möglichkeit gegeben.

Anwohner fordern Polizeikontrollen

Außerdem fordern die Anwohner, dass das Tempo mit 30 Stundenkilometern auf der Umleitungsstrecke „immer wieder mobil überwacht wird.“ Eine mobile Messanlage mit Farbanzeige steht bereits. Außerdem hat die Stadt Pflanztröge aufgestellt. Davon fordert die Initiative mehr. Der Verkehr auf der Panorama, der Rosen- und Ob-der-Wette-Straße müsse „schwerpunktmäßig und öfter von der Polizei überprüft werden“.

Hürden für das Großprojekt

Stadtentwicklung
 Mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung ist die Ortskernsanierung in Kemnat vorbereitet worden. Nun läuft das Herzstück des Großprojekts, die Sanierung der Heumadener Straße, seit diesem Frühjahr. Die Umleitungsstrecke sorgt bei den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder für Ärger. Inzwischen hat sich eine Initiative gegründet, die den Dialog mit der Stadtverwaltung Ostfilderns suchen will. Auch im Gemeinderat sorgt das Thema immer wieder für Gesprächsstoff. In der letzten Sitzung hatte Markus Dinkelacker (Freie Wähler) kritisiert, dass viele Erleichterungen für die Anwohner nur schrittweise umgesetzt würden.

Information
 Mit Sanierungszeitungen haben die Stadtentwicklungsgesellschaft und die Stadt Ostfildern umfassend über die Ortskernsanierung informiert. Die letzte Ausgabe ist im Januar 2024 erschienen. Die Informationen können digital auf der Seite der Stadtentwicklungsgesellschaft abgerufen werden – https://seg-ostfildern.de

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