Oskar-Beck-Kolumne Die hohe Schule der Entschuldigung

Von Oskar Beck 

Von Tiger Woods bis Arjen Robben: der Trend geht zum Sorry. Der moderne Sportstar bereut sofort jede Sauerei, hat Oskar Beck festgestellt.      

Erst aufregen, um schnell wieder züruckzurudern: Bayern München-Start Arjen Robben. Foto: dapd 3 Bilder
Erst aufregen, um schnell wieder züruckzurudern: Bayern München-Start Arjen Robben. Foto: dapd

Stuttgart - Drei identische Vorkommnisse im großen Sport der jüngeren Zeit lassen uns nicht ruhen, sondern zwingen uns zu dem kniffligen Quiz: Was haben Tiger Woods (Golf), Allen Iverson (Basketball) und Arjen Robben (Fußball) gemein? Antwort: sie sind Weltklasse. Im Entschuldigen.

"Ich entschuldige mich", sagt Tiger Woods, seit er denken kann. Vergangenes Jahr hat er sich bei Gott und der Welt und so mancher Bardame, Pornokönigin und Prostituierten dafür entschuldigt, dass er sie mit seiner Frau betrogen hat - und neulich hat er schon wieder überzeugend gezeigt, wie man einen Fehltritt anständig bedauert.

Als ihm das Einlochen, seine einstige Schokoladenseite, beim Golfen in Dubai jäh missglückte, spuckte er vor Wut so abscheulich ins Gras, dass Ewen Murray, der Kommentator von "Sky Sports", sich halbwegs übergab und von einer der hässlichsten Szenen sprach, die der Sport je gesehen habe - worauf der Tiger via Twitter sofort in sich ging: "Ich entschuldige mich."

Erst ausrasten, um sich schnell zu entschuldigen

Oder dieser Tage in Atlanta. Da stoppte ein Sheriff den Basketballaltstar Iverson wegen rüpelhaften Verhaltens seines Lamborghinis im Verkehr. "Weißt du nicht, wer ich bin?", schäumte das Idol, als der Polizist seinen nicht zugelassenen Flitzer auch noch abschleppen ließ, und brüllte: "Nimm ihn ruhig mit, ich hab davon noch zehn andere!" Ein Wort gab das andere, doch umso herzzerreißender fiel später das Happy End aus. "Sorry", säuselte Iverson.

Der vorläufige Höhepunkt ist allerdings Arjen Robben. Mit dem Ausdruck der höchsten Reue hat sich der Bayern-Star nach dem Schlusspfiff letzten Samstag bei Verein, Fans und Mitspielern mit ungezählten Sorrys entschuldigt, aber vor allem gegenüber Schiedsrichter Kircher - noch ehe bei dem die Beleidigung ("Vollpfosten!") richtig angekommen war, nahm Robben seinen grässlichen Verbaljargon schon wieder zurück, und um ein Haar hätte er noch eine Ehrenerklärung für den Beleidigten nachgereicht, verknüpft mit einem Gruß an die Gattin.

Dieses mustergültige Verhalten gilt unter Sündern als letzter Schrei: Wem die Sicherungen durchbrennen, der tut mit möglichst blutrotem Kopf auf der Stelle Buße und schämt sich untröstlich.

Nicht nur Robben stört den Münchner Frieden

Der Trend geht zum Sorry. Jeden Tag wird irgendwo und irgendwie um Vergebung gefleht und das Wort Entschuldigung auf Anraten guter Freunde und geistesgegenwärtiger Anwälte so zweckdienlich rund um die Uhr eingesetzt, dass im Internet inzwischen schon eine Sorry-Software heruntergeladen werden kann, die im Rahmen des "aktiven Beschwerdemanagements" unbezahlbare Dienste leistet; die perfekte Entschuldigung ist garantiert.

Robbens Rundumdribbling in puncto Reue lässt fast vermuten, dass sich auch der FC Bayern dieser zeitgemäßen Software bedient - in ihrer hektischen, von hohen Emotionen geprägten Saison wären die Münchner gut beraten, wenn sie sich für den internen Hausgebrauch zumindest ein Plakat malen lassen würden, auf dem Entschuldigung steht. Das könnte dann jeder vor sich hertragen, der es gerade braucht, nicht nur Robben, sondern warum nicht auch Uli Hoeneß - immerhin hat der mit seinem präsidialen Ausraster, pardon: deftigen TV-Auftritt gegen den Trainer van Gaal den Münchner Familienfrieden schon früh in der Saison in die Luft gejagt.