Oskar-Beck-Kolumne Interview mit Oliver Bierhoff komplett verboten

Von Oskar Beck 

Das Gespräch wurde zur Veröffentlichung von Seiten des DFB nicht freigegeben. Dabei war der DFB-Medienchef Harald Stenger früher selbst Länderspieljournalist, ehe er die Front wechselte. Genauso gut, lästern böse Zungen, hätte er auch auf Friseur umsatteln können - so, wie die Interviews beim Autorisieren inzwischen frisiert werden, schlimmstenfalls mit der Heckenschere.

Bierhoffs Antworten hat die Öffentlichkeit jedenfalls nie zu lesen bekommen, und als Begründung, schrieb die "Zeit", habe der Pressesprecher gesagt: "Das ist nicht der Bierhoff, wie er sonst rüberkommt."

"Es gilt das gestrichene Wort."

Das reine Rüberkommen ist für viele das A und O und der tiefere Sinn des modernen Interviews, und wir Romantiker heulen verschärft in unseren Notizblock und trauern den Zeiten nach, als Kaiser Franz und Uns Uwe noch eigenhändig die Torlatten auf den Platz getragen, die Seitenlinien mit Sägmehl gestreut und den Ball noch selbst aufgepumpt haben. Genauso naturbelassen war damals noch der Journalismus, man hat sein Interview in das Nachkriegsmodell der Reiseschreibmaschine Olympia getippt und, falls man eine Münze parat hatte, geschwind aus einer öffentlichen Telefonzelle vor dem Stadion in die Heimatredaktion durchdiktiert - und das Allerschönste: es galt das gesprochene Wort.

Heute? Am schönsten hat es der alte "Kicker"-Chef und geschätzte Kollege Wolfgang Uhrig gesagt, der auch noch einer von gestern ist: "Es gilt das gestrichene Wort."