Oskar-Beck-Kolumne Es gilt das gestrichene Wort

Von Oskar Beck 

Zum modernen Fußball gesellt sich oft eine neue Interviewmode – sie werden zensiert, pardon: autorisiert. Wie reagieren Journalisten darauf?

Podolskis Interview war nach Freigabe etwa 60 Zeilen kürzer. Foto: dapd 2 Bilder
Podolskis Interview war nach Freigabe etwa 60 Zeilen kürzer. Foto: dapd

Stuttgart - Als Prinz Philipp einmal auf Staatsbesuch in Afrika war, sagte er angesichts des wilden Medienauftriebs schier angewidert zu einem Tropenarzt: "Sie haben Ihre Moskitos, ich habe die Presse." Schlimmer sind nur noch die Fußballer dran. Als Franz Beckenbauer, gleichfalls in Afrika, letztes Jahr die geballte Pressemeute im deutschen WM-Quartier erblickte, schwach geschätzt mindestens 250 Griffelspitzer, starrte er fassungslos in die Runde und stöhnte: "Wie die Welt sich verändert hat." In des Kaisers glorreichen Liberozeiten waren die Journalisten zu den Pressekonferenzen manchmal noch zu fünft eingetrudelt. Nein, früher war nicht alles besser. Aber anders. Vor allem die Interviews.

In den 70ern, die Beckenbauer meint, war so ein Frage- und-Antwort-Spiel noch ein Kinderspiel. Beispielsweise anno 78, bei der WM in Argentinien, wo wir Journalisten mit den Kickern unter einem Dach hausten, in einer Golfanlage, und wenn der Schreiberling B. vom Schalker Schützenkönig Klaus Fischer spätabends nach dem Sonnenuntergang noch rasch etwas wissen musste, schlich er in Pantoffeln und im Pyjama geschwind hinüber zu dessen Flachdachbungalow, klopfte an die Tür, und Fischer sagte: "Was, auch noch wach? Hereinspaziert!" Aber vor allem durfte man das, was er dann sagte, auch noch schreiben.

Heute Zensur bei Interviews

Wenn früher ein Fußballer im Interview kein Blatt vor den Mund nahm, war das wunderbar, aber heute ist es so ziemlich das Schlimmste, was einem Journalisten passieren kann. Denn im modernen Fußball nimmt so ein Spielerinterview nicht mehr den direkten Weg in die Zeitung, sondern muss der Presseabteilung des betreffenden Clubs oder Verbandes erst einmal zur Zensur, pardon: zur Autorisierung, vorgelegt werden - und was als genehmigt schließlich zurückkommt, ist mitunter hemmungslos geändert, glattgeschliffen und geschönt.

So ein Interview geht sozusagen den Weg aller schmutzigen Wäsche - es wird geschleudert, bis es aus der Waschmaschine blütenweiß wieder rauskommt.