Oskar-Beck-Kolumne Stoff aus der Albtraumfabrik Hollywood

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Die Amerikaner können sich so gut wie alles vorstellen seit jenem 11. September, und erst recht Footballfans, die zu oft im Kino waren: In „The Sum of all Fears“, der Verfilmung eines Katastrophenromans von Tom Clancy, wird das Superbowl-Stadion in Baltimore zum Ziel einer atomaren Attacke – und im alten Superbowl-Thriller „Black Sunday“ rettet Robert Shaw im letzten Moment 80 000 Fans im Stadion in Miami vor Terroristen. Sie kommen mit einem Goodyear-Reklamezeppelin aus der Luft.

Das ist zwar nur der Stoff aus der Albtraumfabrik Hollywood, doch die Summe aller Ängste vor einem schwarzen Sonntag genügt den Amerikanern, um auf alles gefasst zu sein. Auch auf eine Cyberattacke: Computerhacker könnten die Infrastruktur im Stadion und die Kontrollsysteme für das Spiel lahmlegen, und was ein Blackout bedeutet, zeigte ein zufälliger Stromausfall beim letztjährigen Finale in New Orleans – 34 Minuten Unterbrechung. Hacker, so sagt der FBI-Mann Stephen Jones, „müssen sich durch keine Armee von Sicherheitsleuten kämpfen, sondern nur durch Firewalls“.

700 Polizisten und 3000 Mann Security rund ums Stadion

Die Armee steht trotzdem Gewehr bei Fuß. Rund ums Stadion wachen 700 Polizisten und 3000 Mann Security, an Land, zu Wasser und in der Luft. Schiffe patrouillieren, Hubschrauber kreisen, und mit den Wärmekameras, die sie an Bord haben, lassen sich sogar dunkle Gestalten aufspüren, die sich mit Tarnanzügen in der stadionnahen Marschlandschaft in den Meadowlands verstecken. Jedes Auto, das auf den Parkplatz einbiegt, wird von einem Num-merntafel-Scanner erfasst, und kein Hotdoglieferant oder Bier-Lkw kommt ans Stadion, ohne nach Waffen, Dynamit oder einer verstrahlten „Dirty Bomb“ durchsucht zu werden – schon seit Tagen prüfen Messgeräte in puncto Radioaktivität penibel die Luft über New York.

Das erweckt alles andere als den Eindruck, als seien wichtige Schutzmaßnahmen vergessen worden, und auch der FBI-Spezialagent Scott Nawrocki schläft gut vor dem großen Spiel, er hat sich zur Freude aller Amerikaner mit dem beruhigenden Satz geäußert: „Was wir machen, ist eine 24-Stunden-Überwachung.“

Die Kanzlerin Angela Merkel wird an der Stelle kurz zucken, aber dann ein Auge zudrücken: In dem Fall geht es um den Superbowl – und dann auch noch in New York.

Unsere Empfehlung für Sie