Oskar-Beck-Kolumne Wie gut schient Ana das Knie von Schweini?

Traumpaar des Sports: Ana Ivanovic und Bastian Schweinsteiger Foto: Getty
Traumpaar des Sports: Ana Ivanovic und Bastian Schweinsteiger Foto: Getty

Alle fragen sich: Wird Bastian Schweinsteiger rechtzeitig zur Fußball-EM fit wieder fit? Unser Kolumnist Oskar Beck meint: Beim Tennis in Miami hatte er zumindest alles, was er braucht – Sonne, Wärme und Liebe.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Miami - Der Fortschritt lässt die große, weite Welt immer kleiner werden. Sie ist jetzt schon so zusammengeschrumpft, dass man beim Tennisturnier in Key Biscayne mit dem Computer auf dem Schoß auf der Pressetribüne sitzt, im ARD-Livestream das 4:1 gegen Italien sieht – und den Moderator Opdenhövel hört, wie er seinen Experten Mehmet Scholl fragt: Wer spielt bei der EM im Mittelfeld neben Toni Kroos?

„Schweinsteiger“, verriet ihm Scholli.

Sofort habe ich mir auf der Tennistribüne in der Bucht von Miami den Kopf verrenkt, denn es wird gemunkelt, dass Bastian Schweinsteiger immer noch da ist. Als ich ihn das letzte Mal sah, saß er auf Nebenplatz 1, das war letzten Samstag. Deutschland verlor gerade gegen England, und fast zeitgleich feuerte der DFB-Kapitän auf einer Stahlrohrtribüne seine Freundin an: Ana Ivanovic quälte sich vor 300 Zuschauern gegen die Schweizerin Timea Baczincsky. „Gut so, Ana!“, schrie Schweini. Aber auch Ana verlor.

Die Schildmütze hilft nicht nur gegen die Sonne

Schwere Tage für unseren Weltmeister. Er trug eine grauenhafte Schiene am rechten Knie und eine Baseballmütze der New York Yankees – erstens gegen den Sonnenbrand und zweitens, um nicht unnötig viel Aufsehen zu erregen. Drei Meter weiter saß Paul Zimmer. Er ist im Tennis der virtuoseste Deutsche seit Boris Becker und Steffi Graf, als bester Fotograf dieses Sports hat er deren Heldentaten für die Nachwelt lückenlos festgehalten, und normalerweise drückt er hemmungslos auf den Auslöser, sobald ein verheißungsvoller Schnappschuss winkt. Aber nicht am Samstag. „Bring mich um“, sagte Paul, „aber in diesem Zustand fotografiere ich ihn nicht.“

Sogar wir Journalisten haben gelegentlich ein Herz für Geschundene, und auch ich habe den DFB-Kapitän in Frieden gelassen, denn jede Frage hätte den Tatbestand eines Anschlags auf seine Intimsphäre erfüllt. Da verletzt sich einer, flüchtet vor seinem Unglück zur Freundin ans andere Ende der Welt – und vermutlich die letzten, mit denen er dort konfrontiert werden möchte, sind neugierige Griffelspitzer oder Fotografen, die sein Knie ablichten oder das Elend seiner Freundin, die die Beste der Welt war und inzwischen gegen eine Schweizerin verliert, die keine Sau kennt.

Pech im Spiel, Glück in der Liebe

Was hätte man Schweini und Ana fragen können: Wie es ist, sich beschissen zu fühlen? Pech im Spiel, Glück in der Liebe? 5:7, 4:6 hat Ivanovic verloren, und sie hat ihre Siebensachen und Schweini gepackt, und dann waren sie weg und haben in Miami heimlich Ostern gefeiert, frei nach Galater, Kapitel 6, Vers 2: Einer trage des anderen Last.

Dass ein Traumpaar abtaucht, ist selten. So ein Rückzug von der großen Bühne gilt in der Medienwelt als geschäftsschädigende Todsünde, es mindert den Marktwert. Promipaare haben sich gefälligst zu zeigen. Viele haben vorgemacht, wie es geht, der Boxheld Max Schmeling mit dem Ufa-Kinostar Anny Ondra, der US-Baseballgott Joe DiMaggio mit der Leinwandgöttin Marilyn Monroe, Tenniscrack John McEnroe mit der Hollywoodschönen Tatum O’Neal und Andre Agassi nicht nur mit Brooke Shields, sondern inzwischen auch noch mit Steffi Graf. Irgendwann hieß es: Wer ist das glamouröseste Paar der Welt: a) Victoria und David Beckham, b) Piqué und Shakira oder c) Lindsay Vonn und Tiger Woods? Bis sich d) als richtig entpuppte: Ana und Schweini.

Plötzlich geht das Traumpaar an Krücken

Als seine Rechtsanwältin vor einem Jahr rechtskräftig verkündete, dass zwischen beiden eine „gefestigte Paarbeziehung“ bestehe, machten die Paparazzi weltweit Überstunden und knipsten die Verliebten händchenhaltend in New York und den Weltmeister fortan auf den Tribünen in Paris bis Wimbledon. Das schönste Gesicht im Tennis liebte den WM-Helden und Weltstar der Weltmarke Manchester United. Doch plötzlich geht das Traumpaar an Krücken. Reißaus hat Schweini genommen – Fluchtpunkt Miami.

Normalerweise können sich Promis dort nicht verstecken, sogar Sabine Lisicki blieb nicht unfotografiert, als sie sich dieser Tage im Leopardenbikini mit Lilly Becker am Meer traf, um ihre Trennung vom TV-Heini Oliver Pocher wegzuschwemmen. Hundertschaften aus der Glamour-und-Glitter-Welt sind jeden Tag fett gedruckt auf der Klatschseite des „Miami Herald“ aufgelistet. Nur Ana und Schweini nicht. Kein Wort. Von keinem Foto wird erzählt, auf dem sie ihm am Strand von South Beach den Waschbrettbauch graulte – und sie waren offensichtlich nicht einmal im Nobelrestaurant Macaluso’s, wo sich die Reichen und Berühmten gerne Fleischbälle nach Art des Hauses einverleiben, flankiert von den Krabben „Sinatra“.

Als einst Franz Beckenbauer erkannt blieb

Inkognito in Miami, das schafft ein Promi eigentlich nur, wenn er sich ins Zeugenschutzprogramm des FBI begibt. Wobei: selbst ungetarnt werden bayrische Fußballstars in Amerika nicht unbedingt erkannt – als Bernhard Langer einmal bei den Golf-Masters in Augusta zur Siegerehrung schritt, fragte ein US-Fernsehreporter seinen Co-Kommentator: „Wer ist der Kerl neben ihm?“ – „Ein Freund oder ein Sponsor“, tippte der andere. Der Kerl war aber Franz Beckenbauer, woraus sich ergibt: Wenn in Key Biscayne ein Versehrter mit einer Schiene am Knie auf der Tribüne sitzt und neben ihm eine Serbin, halten ihn die Amerikaner für einen Veteranen aus dem Balkankrieg. Unbehelligt kann der DFB-Kapitän also in Florida sein Knie in der Sonne baumeln lassen, Ana prüft, ob die Schiene sitzt – und Mehmet Scholl ist sich deshalb sicher: Schweini wird bei der EM der Sechser von Jogi.

Und falls es mit dem Knie doch nichts mehr wird?

Auch dann wäre Miami der richtige Platz, und wenn Schweini schlau ist, hat er sich noch schnell mit David Beckham getroffen. Der ist alle paar Tage in der Stadt, weil er für die US-Liga einen Club aufbauen will, für den der zündende Name „Miami Vice“ im Gespräch ist, und Beckham will Zlatan Ibrahimovic als Zugpferd verpflichten. Warum nicht auch Schweinsteiger? Für den US-Fußball wäre er ein Highlight, mit oder ohne Knie – und mit seiner Freundin in der Traumpaar-Tabelle Miamis knapp hinter den Beckhams mindestens auf Augenhöhe mit dem Glamourduett Kournikova/Iglesias. Sicherheitshalber müsste er dann allerdings seine Ana vor Ibra verstecken.

Unsere Empfehlung für Sie