Oskar-Beck-Kolumne Wie lange hält Hundt den VfB an der Leine?

Ist ein Tag für Hundt nur rund, wenn er morgens als deutscher Arbeitgeberpräsident aufwacht und abends als VfB-Aufsichtsratschef wieder schlafen geht? Foto: dpa
Ist ein Tag für Hundt nur rund, wenn er morgens als deutscher Arbeitgeberpräsident aufwacht und abends als VfB-Aufsichtsratschef wieder schlafen geht? Foto: dpa

Macht Macht süchtig? Ist ein Tag für Dieter Hundt nur rund, wenn er morgens als deutscher Arbeitgeberpräsident aufwacht und abends als VfB-Aufsichtsratschef schlafen geht? Diese Fragen stellt sich Kolumnist Oskar Beck.

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Stuttgart - Wie hingenagelt, so klebt Pat McQuaid mit seinen zwei Backen im Sattel. Der Ire hat seine fassungslosen Feinde mit der Nachricht erschüttert, dass er für eine weitere Amtszeit als Präsident des Weltradlerverbands kandidiert – und das ohne Rücksicht auf alle bösen Zungen, die munkeln, der Ire sei mit Lance Armstrong früher so verkungelt gewesen, dass er für den gedopten Ami notfalls selbst ins Röhrchen gepinkelt, mindestens aber die A- und B-Probe vertauscht hätte. Ist es die Wahrheit? Wir wissen nur, dass McQuaids Wahrheit eine ganz andere ist, denn seine neuerliche Bewerbung hat er mit den kühnen Worten begründet: „Ich will den Radsport weiterentwickeln und sicherstellen, dass er seine Rolle als Vorreiter im Kampf gegen Doping fortsetzen kann.“

So ähnlich sieht auch Sepp Blatter, der Boss des Weltfußballs, die Dinge im zähen Kampf ums Amt – an sehr guten Tagen wäre dem Schweizer zuzutrauen, dass ihm der Satz herausflutscht: „Ich will den Fußball weiterentwickeln und sicherstellen, dass er seine Rolle als Vorreiter im Kampf gegen die Korruption fortsetzen kann.“ Sepp denkt nichts anderes als Pat: Alles, was ich mir wünsche, ist ein warmes Bett, ein nettes Wort und unbegrenzte Macht.

Die Angst vor dem Entzug ist im Einzelfall spürbar

Macht. Die Geschichtsbücher wären nur halb so dick ohne dieses Wort. Um die Macht dreht sich alles. Die historischsten Gestalten waren gierig danach, womöglich war Abraham Lincoln die einzige Ausnahme, denn er hat behauptet: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“ Als erster US-Präsident ist er dann wenig später einem Mordkomplott zum Opfer gefallen – aber wenigstens in dem Fall waren es nicht die Mächtigen.

Gehört die Macht zu den Suchtkrankheiten, hängen die Betroffenen an der Nadel, brauchen sie ihren täglichen Schuss? Die Angst vor dem Entzug ist im Einzelfall spürbar – kaum einer gibt die Macht gerne ab, nicht einmal beim VfB. Der Präsident Mäuser hat es zwar mit einem Kraftakt geschafft, aber umso mehr zeigt jetzt Dieter Hundt allen, wo der Barthel den Most holt, und lässt sich mit solchen Schwüren zitieren: „Es gibt gar keine andere Überlegung, als dass ich bis 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats bleibe.“

Wer Strippen zieht, weiß, was er will

Braucht, rätseln an der Stelle viele, der Mensch so viel Macht – ist ein Tag für Hundt nur rund, wenn er morgens als deutscher Arbeitgeberpräsident aufwacht und abends als VfB-Aufsichtsratschef wieder schlafen geht? Wir Ahnungslosen, deren Gefühl von Macht sich weitgehend auf die eigene tägliche Ohnmacht beschränkt, können uns gar nicht vorstellen, wie so ein Mächtiger tickt und dass er sich notfalls sagt: Okay, es mögen ein paar Dinge in die Hose gegangen sein – aber muss man deshalb gleich die Windeln wechseln und den Hundt mit dem Bad ausschütten?

Wer Strippen zieht, tut das im Namen des Allgemeinwohls oder weil es ihm einfach danach ist, wie nach einem saftigen Steak, einem guten Wein und einer dicken Havanna. So einer weiß, was er will – und so stabil, wie Hundt gebaut ist, kann man getrost davon ausgehen, dass er zu seinem VfB-Aufsichtsrat öfter mal ungefähr sagt: „Wir sitzen alle in einem Boot, aber ich mache den Kapitän. Ihr rudert.“




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