Oskar-Schlemmer-Prozess Wem gehört der Schlemmer-Schatz?

Janine Schlemmer kämpft seit Jahrzehnten um ihren Erbanteil. Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Seit Jahrzehnten streitet die Familie des Künstlers Oskar Schlemmer ums Erbe. In Stuttgart soll es zum endgültigen Schlagabtausch kommen.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Wenn es ans Erben geht, kommt es gern mal zu Konflikten. Beim Nachlass des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer ziehen sich die Streitigkeiten allerdings schon über Jahrzehnte hin. 1987 starb Tut Schlemmer, Ehefrau und Haupterbin des Stuttgarter Künstlers. 2001 befassten sich die Gerichte erstmals mit der Frage, ob die zahlreichen Werke, die sie hinterlassen hatte, korrekt aufgeteilt wurden zwischen den beiden Erben, nämlich der Tochter Uta Jaina und der Enkelin Janine Schlemmer, der der Anteil ihrer verstorbenen Mutter Karin zusteht.

 

Janine Schlemmer argwöhnte, die Tante enthielte ihr Bilder vor. Der Nachlass, der auf zwei- bis dreitausend Werke geschätzte wurde, sei, so Janine Schlemmer, ins Ausland gebracht worden. Janine Schlemmer hat in zahlreichen Verhandlungen recht bekommen. Der Bundesgerichtshof entschied, dass ihre Tante Uta Jaina über „Umfang und Verbleib großer Teile des Nachlasses“ Auskunft zu erteilen habe.

Prozess erneut verschoben

Inzwischen ist die Tante verstorben, die Auseinandersetzungen zwischen deren Sohn Raman Schlemmer und Janine ließen sich aber auch nach einem Mediationsverfahren nicht klären. Nun soll die Angelegenheit endgültig am Stuttgarter Landgericht entschieden werden. Inzwischen sind die Schriftsätze allerdings auf viele Hundert Seiten angewachsen, so dass der Termin im Dezember kurzfristig verschoben werden musste. Nachdem auch der neue Termin vonseiten des Gerichts abgesagt werden musste, wird jetzt im Mai verhandelt werden.

Nach Aussagen des Anwalts von Janine Schlemmer geht es in dem Prozess um fast 2000 Kunstwerke. Der kleinere Teil davon befindet sich in Museen, ein weiterer lagere in der Schweiz in einem Zollfreilager.

Unklarer Verbleib der Werke

Die in München lebende Kindergärtnerin Janine Schlemmer hat bisher vergeblich die Herausgabe dieser Bestände gefordert. Nach Aussage ihres Anwalts hat Janine Schlemmer anhand des Werkkatalogs von Oskar Schlemmer ermittelt, von welchen Werken, die zum Nachlass gehören, der Verbleib unklar sei. Es stehen aber auch jene rund 60 Arbeiten zur Verhandlung, die 2008 in einem Kölner Auktionshaus versteigert werden sollten. Raman Schlemmer stoppte die Auktion damals kurzfristig. Die Werke, die bei der Zwangsversteigerung hätten verkauft werden sollen, wurden damals auf fünf bis sieben Millionen Euro geschätzt. Seither werden sie bei einem sogenannten Sequester verwahrt.

Mit Stuttgart verbunden

Der in Stuttgart geborene Oskar Schlemmer (1888 bis 1943) war in den 1920er Jahren Meister am Bauhaus in Weimar und in Dessau und zählt zu den international bekanntesten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Thema seiner Kunst war die Figur im Raum. Seine Familie war Stuttgart eng verbunden. So sind er und seine Frau Tut auf dem Waldfriedhof Stuttgart beigesetzt. Ihre Tochter Karin Schlemmer war eine erfolgreiche Schauspielerin und kam 1949 ins Ensemble des Staatstheaters Stuttgart, wo sie bis zu ihrem Tod 1981 engagiert war.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Oskar Schlemmer Prozess Stuttgart Kunst