Ost-Ukraine Politische Führung hält am Militäreinsatz fest

Von Nina Jeglinski 

Premier jjazenjuk will sein Land in die Nato führen und im Osten weiter hart gegen die Rebellen vorgehen. Aus den reihen des Militärs kommt Kritik daran auf. Derweil vergleicht Putin das ukrainische Militär mit der Wehrmacht.

Militärexperten inspizieren in Kiew Waffen, die angeblich von den pro-russischen Separatisten erbeutet wurden. Foto: dpa
Militärexperten inspizieren in Kiew Waffen, die angeblich von den pro-russischen Separatisten erbeutet wurden. Foto: dpa

Kiew - Die Lage im Südosten der Ukraine spitzt sich immer weiter zu. Russische Soldaten sind angeblich in Gebiete am Asowschen Meer vorgedrungen. Nachdem das ukrainische Fernsehen gemeldet hatte, die russischen Truppen ständen 20 Kilometer vor der Hafenstadt Meriupol, flüchteten Tausende Bewohner in Richtung Odessa.   Dort, wo die russischen Soldaten zusammen mit Separatisten auf den Widerstand der ukrainischen Streitkräfte stoßen, kommt es zu heftigen Kämpfen. Wie aus Nowoasowsk, der rund 12 000 Einwohner zählenden Stadt an der ukrainisch-russischen Grenze, werden seit Tagen schwere Zusammenstöße gemeldet.

Die Konfusion ist groß. Während der Gouverneur der Region Donezk, der Oligarch Sergej Taruta, die Bewohner Mariupols aufruft, ihre Stadt zu verteidigen, hat die Hafenverwaltung Mariupols ihre Mitarbeiter aufgefordert, die Stadt noch heute Richtung Westen zu verlassen. Im Internet tauchen Bilder auf, die eine Gruppe Zivilisten beim Ausheben von Schutzwällen zeigen soll. Fernsehaufnahmen zeigen, wie überfüllte Autos auf verstopften Straßen Richtung Odessa unterwegs sind.

Kiew verkündet das Ende der Blockfreiheit

 In Kiew hält derweil die politische Führung mit aller Macht am Militäreinsatz in der Ost-Ukraine fest. Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk hat am Freitag das Ende der Blockfreiheit erklärt und angekündigt, einen Aufnahmeantrag an die Nato zu stellen. Gleichzeitig wird die Kritik an der Strategie der so genannten Anti-Terror-Operation lauter. Der Kommandeur des Freiwilligen-Bataillons Asow, Andrej Biletski, schreibt auf Facebook: „Der Blitzkrieg ist gescheitert.“ Biletski wirft Kiew vor, die falsche Taktik gewählt zu haben. „Wir sollten ohne genügend Ausrüstung so viele Städte wie möglich in wenigen Wochen befreien. Das dabei vernichtete Material oder die Toten wurden nicht ersetzt. Zwar konnte in zahlreichen Städten die ukrainische Fahne gehisst werden, aber sichern konnten wir die Orte nicht“, klagt Biletski.

  Auch Semen Sementschenko, Anführer des größten Freiwilligen-Heeres „Donbass“, scheut klare Worte nicht: „Alle unsere Kräfte bei Illowaisk sind in den russischen Hinterhalt geraten. Ohne Verstärkung bringen sie uns alle um.“ Seit Tagen demonstrieren Angehörige der Soldaten in Kiew und fordern eine bessere Ausstattung der Truppe. Bei den Kämpfen in Illowaisk sollen lediglich 340 statt der geplanten 800 ukrainischen Soldaten gegen eine Übermacht aus Russland kämpfen.

Putin macht einen Vergleich mit der Wehrmacht

  Aus Moskau kommen indes keine versöhnlichen Töne, im Gegenteil: Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, die Ukraine habe einem zweiten Konvoi russischer Hilfslieferungen zugestimmt. Lawrow will sich bereits am Mittwoch mit seinem ukrainischen Kollegen Pawlo Klimkin einig geworden sein. Auch Präsident Wladimir Putin legte nach. Der Kremlchef verglich das Vorgehen der ukrainischen Armee mit der Belagerung von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht. „Es erinnert mich leider an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg“, sagte er am Freitag in einem Jugendlager in der Nähe von Moskau. Damals hätten deutsche Faschisten russische Städte umstellt. Die Wehrmacht belagerte Leningrad von September 1941 bis Januar 1944. Durch Hunger, Kälte und Kämpfe kamen Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen ums Leben.

Bereits in der Nacht zum Freitag hatte sich Putin direkt an die Separatisten gewandt. Er rief sie auf, einen „humanitären Korridor“ zu öffnen für den Abzug eingekesselter ukrainischer Truppen, und lobt die „wichtigen Erfolge der Landwehr“.