Osterausstellung in Filderstadt Mit diesen Formen wurden in Filderstadt Zuckerhasen hergestellt

Barbara Manz hat die Aluminiumformen, mit denen ihre Großvater und Onkel Zuckerhausen formten, der Oster-Ausstellung im Filderstadtmuseum zur Verfügung gestellt. Foto: Torsten Schöll

Die Bernhäuserin Barbara Manz zeigt in der neuen Sonderausstellung des Filderstadtmuseums einen Familienschatz besonderer Art: Formen für die Herstellung von Zuckerhasen.

Man kann es sich gut vorstellen: Wenn beim Konditor Fritz in Plattenhardt die Zuckerhasenproduktion vor Ostern heißlief, lockte der süße Duft alle Kinder im Dorf magisch an. „Sie sind dann immer an der ‚Hasenwerkstatt‘ vorbeigegangen, um Bruchstücke zu bekommen“, erinnert sich Barbara Manz.

 

Die 66-Jährige ist die Enkelin des einstigen Plattenhardter Konditormeisters Karl Fritz, der seit 1907 in der Pfarrstraße 1 sein Geschäft betrieb. Dessen Spezialität: Zuckerosterhasen, die in den besten Jahren bis in die Schweiz verkauft wurden. Damit die große Nachfrage gestillt werden konnte, halfen vor Ostern unzählige Frauen aus dem Dorf mit, wie Manz erzählt. „Eine davon hatte deshalb sogar den Namen ‚Hasen-Marie‘ bekommen.“ Die Geschichten sind in der Familie noch heute lebendig. Die Konditorei Fritz existierte bis in die 60er-Jahre, in zweiter Generation betrieben von Fritz‘ Sohn Erich, dem Onkel von Barbara Manz.

Aluminiumformen aus der Bäckerei Fritz

Die Bernhäuserin hat für die von 22. Februar an im Filderstadtmuseum gezeigte Sonderausstellung „Süßes Handwerk – Ein Osterfest für alle Sinne“ die wahrscheinlich bedeutendsten Exponate zur Verfügung gestellt: Eine Sammlung aus Aluminiumformen, mit denen ihr Großvater zu Ostern neben Hasen auch Figuren wie das Rotkäppchen oder Osterlämmer geformt hat. Wie die Leiterin des Museums in Bonlanden, Romy Heyner, betont, verkauften Hausiererinnen die Zuckerhasen der Konditorei Fritz in ihren Rückentragen bis auf die Schwäbische Alb.

Besonders eindrucksvoll sind auch zwei filigran gestaltete Zuckergusseier aus den 1950er-Jahren, die sich ebenfalls in der Familie von Barbara Manz erhalten haben. Im Innern der reich geschmückten Eier hat der Konditormeister Fritz ganze Landschaften mit dem Spritzbeutel geformt. „Die Eier haben wir seit Jahrzehnten in Watte verpackt, damit sie nicht kaputt gehen“, erzählt sie.

So wurden in der Bäckerei Fritz in Plattenhardt Mitte der 1940er Jahre Zuckerhasen gegossen. Foto: Stadtarchiv Filderstadt

Die sehenswerte Ausstellung erinnert aber nicht nur an die österliche Backtradition aus Gebildebrot, Zuckergebäck und Osterspringerle. Sie zeigt auch, wie weit das Bäckerhandwerk in den heutigen Stadtteilen Filderstadts einst verbreitet war: So gab es etwa allein in Bernhausen 1932 elf Bäckereibetriebe. Die noch heute bestehende Plattenhardter Bäckerei Kurfess sei, wie Heyner betont, die mit der längsten Familientradition in Filderstadt. Aus ihren Beständen stammen beispielsweise die dünneren Formen für Schokoladenhasen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Schokohasen verdrängten ab den 1970er-Jahren allmählich die Langohren aus braunem oder rotem Zucker.

Osterausstellung in Filderstadt: Bäcker arbeiteten früher als Lohnbäcker

Was heute kaum noch jemand weiß: Viele Bäcker arbeiteten in Filderstadt früher auch als Lohnbäcker. Sie backten in ihren Öfen die von den Dorfbewohnern selbst gemachten Teige für Brot oder Kuchen dann lediglich aus. So etwa die Bäckerei Schäffer in Sielmingen. „Der Teig wurde in gekennzeichneten Körben gebracht, damit auch jede Familie das Brot bekam, zu dem sie den Teig gemacht hatte“, erklärt Heyner. Bezahlt wurden die Bäcker oft nicht mit Geld, sondern mit Naturalien, zum Beispiel Eiern. „Auch das häusliche Backen ist Teil der Ausstellung“, so die Museumsleiterin.

Der moderne Küchenofen machte den Lohnbäcker schließlich überflüssig. Der Rundgang durch die Osterausstellung des Filderstadtmuseums ist deshalb auch wie eine kleine Reise durch Uromas Küche. Viele der Utensilien, die dort zu entdecken sind, sind heute längst aus den Küchen verschwunden.

Die Ausstellung „Süßes Handwerk – Ein Osterfest für alle Sinne“ im Filderstadtmuseum in Bonlanden, Klingenstraße 19, ist bis zum 19. April zu sehen. Das Museum hat jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Ausstellungseröffnung mit einer Einführung in die Schau findet am Freitag, 20. Februar, in der Städtischen Galerie, Bonländer Hauptstraße 32/1, statt.

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