Der Osterbrunnen in der Bad Überkinger Ortsmitte ist ein echtes Kunstwerk und lockt Jahr für Jahr zahllose Besucher an. Ein Selbstläufer ist das Projekt, das von Helga Übele gemanagt wird, aber nicht. Dem Team um die 76-Jährige fehlt es an Nachwuchs.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Bad Überkingen - Groß und mächtig steht er da. Was Wolfgang Ambros in seinem Rustikal dem Watzmann bei Berchtesgaden zuschreibt, gilt – natürlich nur im Verhältnis – auch für den Osterbrunnen in der Bad Überkinger Ortsmitte. Gut und gerne drei Meter hoch ist das Kunstwerk, das in mühevoller Kleinarbeit über viele Wochen hinweg entstanden ist und das seit dem Palmsonntag Besucher aus nah und fern anlockt. Bis zum 19. April kann die reich geschmückte „Krone“ vor dem Bad-Hotel noch bestaunt werden.

 

Die Fäden für das mittlerweile fest zum Veranstaltungsprogramm gehörende Projekt laufen seit 17 Jahren bei Helga Übele zusammen. Weit mehr als 12 000 Eier wurden dafür im Laufe der Zeit ausgeblasen, gefärbt, bemalt, verziert und immer wieder neu gesteckt. Plastikmutationen kommen der 76-Jährigen nicht an die Zweige. „Außer mir wird von irgendjemandem mal eines untergejubelt“, erklärt sie lachend.

Die heiße Phase dauert rund vier Wochen

Für den Osterbrunnen gearbeitet wird eigentlich fast immer. Sechs Malerinnen sind am Start. Die wirklich heiße Phase dauert rund vier Wochen. Dann trifft sich das Team, wie Helga Übele sagt, „werktags außer samstags an jedem Nachmittag“. Rund zwei dutzend Leute engagieren sich ehrenamtlich. Zwei Männer sind allein dafür zuständig, im Wald nach geeignetem Grün und nach Reisig zu suchen.

Zehn Unimog-Ladungen mussten die beiden heuer anliefern, ehe es mit dem Zweige-Binden und Eier-Stecken losgehen konnte. Diese Jobs wiederum sind weitgehend Frauensache. „Mit den Eiern wollen die meisten unserer Männer nichts zu tun haben“, sagt die sogenannte Osterbrunnen-Fee. Nur ein einziger traue sich an das fragile Gut ran, fügt sie hinzu. Ein größeres Problem gibt es deshalb aber nicht. Noch reicht die personelle Besetzung aus, um immer wieder mal etwas Neues anzupacken. So wurde heuer ein Überkinger Sauerwasserkrug geschaffen. Allein für diesen brauchte es rund 1300 Eier.

Der Nachwuchs ist schwer zu motivieren

Dennoch ist das Osterbrunnen-Team händeringend auf der Suche nach weiteren Helferinnen und Helfern. Zwei Aufrufe im örtlichen Mitteilungsblatt verhallten nahezu ungehört. „Es ist sehr schwierig interessierten Nachwuchs zu gewinnen“, betont die agile Macherin, die im vergangenen Jahr von der Gemeinde für ihr bürgerschaftliches Engagement geehrt worden ist. Sie selbst werde schließlich nicht jünger, ergänzt Helga Übele, die für 2016 indes schon die nächste Idee im Kopf hat.

Um die Bedeutung des Osterbrunnens für den Tourismus in der Badgemeinde weiß derweil auch der Bürgermeister Matthias Heim, bei dem die Organisatorin mit ihren Anliegen stets offene Türen einrennt. „Dieses Projekt macht uns nicht nur stolz, es sorgt auch dafür, dass Bad Überkingen von vielen Gästen besucht wird“, sagt Heim. Man werde deshalb auch alles dafür tun, dass es langfristig weiterlaufe.