Ostern im Kreis Esslingen Auferstehung von den Toten: Ist dieser Glaube noch vermittelbar?

Ein Licht in der Nacht – das Prinzip Hoffnung: Hat die Osterbotschaft der Auferstehung noch einen Platz in einer immer mehr technologisierten Welt? Foto: IMAGO/Wassilis Aswestopoulos

Den Tod besiegen: Kann das Osterwunder in einer Welt fast ohne Wunder bestehen? Das sagen Klaus-Peter Lüdke und Monika Scafuro von den beiden großen christlichen Kirchen.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Es bleibt immer weniger Raum für Wunder. Wissenschaft, technischer Fortschritt und moderne Erfindungen durchdringen Welt und Weltall fast bis in den hintersten Winkel. Künstliche Intelligenz (KI) löst Aufgaben, für die bisher menschliches Denken erforderlich war. Ist in einer solchen Welt noch Platz für die Osterbotschaft? Vertreter beider großen christlichen Kirchen geben Erklärungen.

 

Der Tod Jesu am Kreuz und die Auferstehung von den Toten ist nach christlichem Glauben der Kernpunkt der Osterbotschaft. Der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Esslingen Klaus-Peter Lüdke sieht in dem Sieg des Lebens über den Tod und der Liebe über die Verzweiflung auch ein Symbol für Hoffnung, für Neubeginn, für Trost.

Die Auferstehung, sagt der Theologe, sei ein „Neuanfang in aussichtsloser Situation, die Versöhnung größter Gegensätze, der Kipppunkt zum Leben“. Das Wunder der Auferstehung erschiene aus rationaler Sicht zwar als menschenunmöglich. Doch diese Unmöglichkeit aus Menschensicht solle nicht ausladen, an Auferstehungsmomenten mitzuwirken: „Dass es dazu auch die Kategorie des Wunders braucht, lässt uns hoffen, dass es auch bei uns passieren kann.“

Klaus-Peter Lüdke, der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Esslingen Foto: Roberto Bulgrin

Für die Auferstehung Jesu, sagt Monika Scafuro, katholische Referentin des Dekanats Esslingen-Nürtingen, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, keine Foto- oder Videoaufnahmen, keine archäologischen Ausgrabungen: „Wir haben lediglich die verschiedenen Berichte in der Bibel, die uns von der Auferstehung Jesu erzählen. Und diesen Texten müssen wir glauben, dem Zeugnis der Menschen müssen wir vertrauen.“

„Hoffnung“ ist laut Monika Scafuro das Zauberwort zu Ostern

Es gebe verschiedene Geschichten über die Begegnung des auferstandenen Jesus mit Frauen oder seinen Jüngern. Sie hätten anderen davon erzählt, die Nachricht habe sich schnell ausgebreitet, irgendwann sei sie dann aufgeschrieben worden. Wie aber, fragt Monika Scafuro, kann heute vermittelt werden, dass ein eigentlich toter Mensch wieder lebt? Das Zauberwort laute „Hoffnung“: „Sie lässt sowohl die Menschen damals als auch heute daran glauben, dass mit dem Tod eines Menschen nicht alles vorbei ist.“ Die Hoffnung, dass Gott einen mit dem Tod nicht einfach fallen lässt, sondern dass der Tod ein Neubeginn ist.

Monika Scafuro, die Referentin des katholischen Dekanats Esslingen-Nürtingen Foto: privat

Viele Menschen könnten diese christliche Botschaft nicht mehr glauben. Doch: „Es gibt weder einen wissenschaftlichen Beweis für die christliche Auferstehungshoffnung noch einen dafür, dass mit dem Tod wirklich alles zu Ende ist. Es ist der Glaube, der uns an die Auferstehung glauben lässt.“

Ostern beantwortet auch die Frage nach dem Sinn des Lebens

Für Monika Scafuro wird mit dieser christlichen Hoffnung auch die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet: „Menschen dürfen darauf hoffen, dass es nicht allein das Leben auf der Erde gibt und ein Mensch nach seinem Tod vergessen wird, sondern dass es ein Leben danach gibt.“

Doch wie sieht dieser ferne Ort aus? Monika Scafuro spricht von verschiedenen Vorstellungen gläubiger Menschen: ein friedlicher oder ein warmer Ort, ein Leben nahe bei Gott, eine perfekte Welt. „Eines eint alle Bilder: Es ist ein guter Ort, und der auferstandene Mensch ist dort für immer, es gibt dort keine Endlichkeit. Und dort ist der Mensch Gott nahe. In welcher Form und Art und Weise auch immer.“

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