Ostfildern: Daniela Sigl stellt Pferde-Leckerlis her Isst das Pferd gesund, freut sich der Mensch

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Daniela Sigl stellt mit ihrem Start-Up-Unternehmen im Nebenerwerb gesunde Leckerlis für Pferde her. Die Besitzerin zweier Boulonnais-Wallache verwendet dafür regionale und den Tiermägen zuträgliche Produkte.

Wenn das Shetlandpony Mogli die Leckerlis von Daniela Sigl entdeckt, ist es kaum zu halten. Foto: Ines Rudel 4 Bilder
Wenn das Shetlandpony Mogli die Leckerlis von Daniela Sigl entdeckt, ist es kaum zu halten. Foto: Ines Rudel

Ostfildern - Dieser Fototermin ist so ganz nach Moglis Geschmack. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Korb, den Daniela Sigl vor der Kamera präsentiert, birgt kulinarische Köstlichkeiten, die nicht nur dem Shetlandpony an ihrer Seite, sondern auch anderen behuften Artgenossen das Wasser im Maul zusammenlaufen lassen. Die Leckerlis speziell für Pferde hat Daniela Sigel allesamt selbst kreiert und hergestellt. Seit zwei Jahren vertreibt sie die gesunden und artgerechten Pralinen für Pferde mit ihrem Start-Up-Unternehmen, dem sie den sinnigen Namen „Ross-Schmankerl“ gegeben hat.

Die ersten Versuche waren nicht vielversprechend

Zuckerwürfel als Belohnung fürs Pferd sei ein Relikt „aus dem vorigen Jahrhundert“, sagt die 36-Jährige, die ihre beiden Wallache Belot und Eclair im Reitstall Kögler in Ostfildern-Scharnhausen einquartiert hat. Die beiden stolzen Kaltblüter der seltenen französischen Rasse Boulonnais waren auch als Vorkoster im Einsatz für Daniela Sigls ersten gesunden, weil zucker- und getreidefreien sowie veganen Low-Carb-Schmankerln. Die Begeisterung habe sich damals zunächst freilich in Grenzen gehalten, erinnert sie sich und muss noch heute darüber lachen, wie angewidert Belot den vermeintlichen Leckerbissen im hohen Bogen „wieder ausgespuckt“ hat.

Für die junge Frau, die ihr Geld als Archivarin bei Daimler verdient, war das jedoch längst kein Grund aufzugeben. Zu begeistert war sie von der Idee, Pferdehappen herzustellen, die keine Zutaten wie Zuckerrübenmelasse, Trester, Palmfett, Molke oder Mehlnebenerzeugnisse enthalten. Bei konventionell hergestellten Produkten sei das meist der Fall, aber „nichts, was in ein Pferd reingehört“ und bei den Tieren die Entstehung von Karies und Übergewicht fördere. Letztlich wolle sie ihren Pferden nichts füttern, „was ich nicht auch selbst essen würde“. Sie wisse sogar von Kunden, die sich gemäß dem Motto „eins fürs Pferd, eins für mich“ selbst während der Arbeit mit dem Tier belohnen.

Ihre Kreationen enthalten Heu, Spinat, rote Bete, Fenchel und Karotten. Und mit Ingredienzien wie Blüten, Hanfsaaten sowie Sonnenblumen- und Kürbiskernen, verfeinert mit Blüten und Gewürzen, etwa mit Curry, Zimt, Kurkuma und Kümmel habe sie inzwischen den Geschmack der Rösser getroffen. Wobei auch diese – wie der Mensch – ihre Vorlieben für bestimmte Sorten hätten.

„Je knuspriger, desto besser“

In ihrem Sortiment hat die passionierte Reiterin und Kutscherin 25 davon in unterschiedlichen Geschmacksvariationen, Farben und Größen. Sie tragen kreative und gleichfalls bezeichnende Artikelnamen wie Kornröschen, Herr der Ringelblume, No Sugar No Cry, Freddy MehrCurry oder Johnny Cross – I walk the Lein. Dass die handgefertigten Kugeln, Taler und Plätzchen auch noch appetitlich aussehen, sei allenfalls den Pferdebesitzern wichtig, „den Pferden ist es egal, wie die Leckerlis aussehen“, sagt Daniela Sigl. Die fänden es in erster Linie toll, wenn’s beim Kauen kracht – „je knuspriger, desto besser“ laute deren Devise.

Ihre Ross-Schmankerl, die Daniela Sigl selbst als „absolutes Nischenprodukt“ bezeichnet, stellt die 36-Jährige zu Hause im Nebenerwerb her. Über die Resonanz sei sie „positiv überrascht“ und darin bestärkt, die zusätzliche Arbeit neben ihrem Hauptberuf in Kauf zu nehmen. Denn jedes einzelne Leckerli „geht viermal durch meine Hände“. Zurzeit sind die Schmankerl nur über das Internet oder im Reitsportgeschäft Löffler in Neuhausen zu haben. Vor Weihnachten übrigens auch als Adventskalender für Pferde. Davon, diesen in die Box zu hängen, rät Daniela Sigl allerdings ab: „Sonst sind alle 24 auf einen Schlag weg.“