Ostfildern fördert Kinder und Jugendliche Junge Menschen für Demokratie begeistern

In der Kinderaktivwerkstatt im Scharnhauser Park lassen die Jungen und Mädchen ihrer Kreativität freien Lauf. Foto: Ines Rudel

Demokratische Mitsprache, Sport und Kreativität: Die Kinder- und Jugendförderung in Ostfildern hat viele Facetten. Die Chefin Olivia von der Dellen hat alle sozialen Schichten im Blick.

Jugendliche in den sechs Stadtteilen Ostfilderns holt die Mobile Jugendarbeit der Kinder- und Jugendförderung (Kiju) ab. „Es gibt viele junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die wir mit den Angeboten in den festen Einrichtungen nicht erreichen“, sagt die Leiterin Olivia von der Dellen. Mit den jungen Leuten auf Augenhöhe zu kommunizieren, ist den Sozialpädagogen wichtig. Das ist nur ein Baustein der vernetzten Jugendarbeit für die Stadt. Das Spektrum reicht von der Werkstatt für straffällige junge Menschen bis hin zur Kinderaktivwerkstatt mit kreativen Angeboten.

 

Träger der Kinder- und Jugendarbeit ist der Kreisjugendring Esslingen (KJR). 230 Mitarbeitende an 36 Standorten betreuen Jugendhäuser und Schulen im gesamten Landkreis. Ostfildern ist mit mehr als 40 Mitarbeitenden der größte Standort. Die Stadt mit 40 000 Einwohnern hat neben dem Zentrum Zinsholz in Ruit und dem L-Quadrat viele Angebote, die auf den Bedarf in den Stadtteilen zugeschnitten sind. Im Scharnhauser Park etwa leben viele junge Familien. Da gibt es die Kinderaktivwerkstatt in der Ricarda-Huch-Straße. In den Räumen dürfen Jungen und Mädchen spielen und basteln, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Das Programm wird in einer Kinderkonferenz gemeinsam festgelegt.

Demokratische Prozesse einüben

Ein wichtiges Ziel der Kinder- und Jugendarbeit ist für von der Dellen, demokratische Prozesse einzuüben. Die Kreisrätin der Grünen aus Nürtingen findet es aber wichtig, dass Vorschläge und Ideen der Jugendlichen in der Politik auch zum Tragen kommen. „Nur dann, wenn wir die jungen Menschen an politischen Prozessen beteiligen, bleiben sie auch dran.“ Ziel müsse sein, der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.

Deshalb hat Ostfildern ein alternatives Modell zum Jugendgemeinderat entwickelt. Zwei Jugendvertreter, die von einer Vollversammlung gewählt werden, werden im Gemeinderat der Stadt gehört, wenn Themen anstehen, die sie direkt betreffen. Die „Partnerschaft für Demokratie“ mit ihrer Koordinierungsstelle am Herzog-Philipp-Platz in der Parksiedlung unterstützt die jungen Kommunalpolitiker. Olivia von der Dellen will junge Menschen für die politische Arbeit begeistern. Dass die Stadträte in Ostfildern „offen sind für die Jugendbeteiligung“, freut die Sozialarbeiterin.

Hilfen bei der Berufswahl

Dass sich immer mehr junge Menschen schwer damit tun, eine berufliche Perspektive zu finden, betrachtet die Chefin der Kinder- und Jugendförderung als ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Da bietet das Jugendbüro Ikeros niederschwellige Hilfen an. Diese offene Anlaufstelle am Herzog-Philipp-Platz in der Parksiedlung bietet individuelle Beratung an, begleitet junge Leute beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Jugendarbeit muss für Olivia von der Dellen „die Vielfalt in der Stadtgesellschaft abbilden“. In diese Richtung möchte die Geschäftsführerin die Kinder- und Jugendförderung in der Stadt weiterentwickeln. Wichtig ist ihr bei allen Angeboten die Integration von Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Familien flüchten mussten. Wie klappt das Miteinander der Kulturen in Ostfildern? „Es geht darum, Angebote zu machen, in denen die Sprachbarrieren wegfallen. Das ist zum Beispiel auf dem Trendsportfeld der Fall, das zum L-Quadrat im Scharnhauser Park gehört. Beim gemeinsamen Sport kommen sich Kinder und Jugendliche trotz möglicher Sprachbarrieren näher. Auch das Zentrum Zinsholz mit der Kulturbaracke hat diese Zielgruppe im Blick. Bei Konzerten oder anderen Veranstaltungen oder einfach beim entspannten Miteinander an der Bar kommen sich die jungen Leute ungezwungen näher. Geflüchtete mit ihren spezifischen Problemen, zum Beispiel Kriegstraumata, hat die Kinder- und Jugendförderung besonders im Blick. Da bauen die Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter Brücken.

„Alle gesellschaftlichen Gruppen wahrnehmen“

„Alle gesellschaftlichen Gruppen wahrnehmen und begleiten“ – das ist Olivia von der Dellen wichtig. Deshalb liegt ihr das Projekt „Reset Ostfildern“ besonders am Herzen. In der Werkstatt dürfen junge Leute von 14 bis 27 Jahren, die straffällig geworden sind, ihre Sozialstunden ableisten. Da lege man ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen aus prekären Lebenssituationen. „Wir begleiten sie sozialpädagogisch, zeigen ihnen Handlungsalternativen auf.“

Mit dem Jahresbudget von 144 500 Euro begleitet das Team von Reset bis zu 50 junge Menschen. In der Werkstatt arbeiten sie für soziale Projekte. Bänke für eine Geflüchteten-Unterkunft bauen sie ebenso wie Hochbeete für einen Schulgarten. „Die Erfahrung, zusammen etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft zu tun“, sei für die Teilnehmer von unschätzbarem Wert. Darin sieht von der Dellen eine sinnvolle Alternative zum Jugendstrafvollzug, sofern das möglich ist. „Gerade diese jungen Menschen dürfen wir nicht mit ihren Problemen alleine lassen.“

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