Ostfildern Für den Klimaschutz dem Wetter getrotzt

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Weit mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler haben sich am Demonstrationszug beteiligt und Christof Bolay einen sehr konkreten Forderungskatalog überreicht. Der Oberbürgermeister hat immerhin versprochen, zwei Maßnahmen gleich umzusetzen.

Drangvolle Enge auf dem Klosterhof:  Eine solche Demonstration hat Christof Bolay in seiner Amtszeit noch nicht erlebt. Foto: Horst  Rudel 5 Bilder
Drangvolle Enge auf dem Klosterhof: Eine solche Demonstration hat Christof Bolay in seiner Amtszeit noch nicht erlebt. Foto: Horst Rudel

Ostfildern - Am Morgen, so erzählt eine Lehrerin, habe die Polizei noch angerufen und gefragt, ob man wegen der schlechten Wetterprognosen den geplanten Demonstrationszug nicht doch lieber absagen wolle. Doch das ist natürlich überhaupt nicht in Frage gekommen: Am späten Freitagvormittag sind es trotz einiger heftiger Regenschauer weit mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler der beiden Ostfilderner Gymnasien und der Riegelhofrealschule gewesen, die für den Klimaschutz dem Wetter getrotzt und sich auf den Weg von ihren Schulen zum Ostfilderner Rathaus gemacht haben.

Der von den Schulleitungen und den Lehrern der drei Schulen mitgetragene Protestzug war der Höhepunkt und Abschluss von zwei Klima- und Umwelttagen des Otto-Hahn-Gymnasiums. Deren Schülersprecherin Henriette Müller überreichte dem Ostfilderner Oberbürgermeister Christof Bolay vor dem Rathaus in Nellingen einen konkret auf Ostfildern zugeschnittenen, 20 Punkte umfassenden Aktionskatalog und verband dies unter großem Beifall mit der Forderung, die einzelnen Schritte unverzüglich umzusetzen.

Viele konkrete Forderungen für Ostfildern

So soll die Stadt ausschließlich auf Ökostrom setzen und in Neubaugebieten zwingend den Einbau von Solar- und Photovoltaikanlagen anordnen. Um Energiesparprojekte zu erleichtern, soll die Stadt Förderprogramme auflegen. Nach dem Vorbild des Scharnhauser Parks soll ein Nahwärmenetz in den anderen Stadtteilen aufgebaut werden. Der Verzicht auf Baumfällungen wie auf den Einsatz von Glyphosat findet sich ebenso im Katalog wie die Idee, die Stelle einer Klima- und Umweltbeauftragten zu schaffen, um das Thema im Bewusstsein noch breiterer Bevölkerungsschichten zu verankern. Dazu soll es eine wöchentliche Rubrik „Klimatipps“ in der Stadtrundschau geben.

Ein zentrales Anliegen, das machte der große Beifall deutlich, ist den Jugendlichen die Verbesserung der öffentlichen Mobilitätsangebote. Wichtig sei ein attraktiveres, schnelleres und besseres öffentliches Nahverkehrsnetz. Der maximale Fußweg zu Haltestellen dürfe sieben Minuten nicht überschreiten. Auch solle Ostfildern ähnlich wie Esslingen ein Stadtticket einführen. Zudem müsse das Radwegenetz zügig ausgebaut werden. Es müsse dabei schneller befahrbar und sicherer als bisher werden.

Der Oberbürgermeister zollt Respekt

Christof Bolay zollte den Schülerinnen und Schülern seinen Respekt für ihre Aktion. Er hob besonders hervor, dass sie sehr konkrete Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet hätten – und sagte auch gleich die Umsetzung von zwei der Forderungen zu: Demnächst schon sollen Klimatipps in der Stadtrundschau erscheinen. Und auch die Bemühungen, dem insektensterben entgegenzuwirken, indem die Stadt Grünflächen und Ackerrandstreifen blütenreicher gestalten lässt, werde die Verwaltung intensivieren.

Bolay sagte zu, dass er den Forderungskatalog nach der Sommerpause im Gemeinderat diskutieren lassen wolle. Bolay: „Es ist sicher richtig, dass das Tempo, mit dem wir momentan an die Klimathemen herangehen, nicht ausreicht. Wir müssen da schneller werden.“

Für die Schülerinnen und Schüler ist klar, dass ihre Forderungen auf Freiwilligkeitsleistungen zielen. Der Katalog, so ihre Forderung, müsse aber so behandelt werden, als handele es sich um eine Pflichtaufgabe.