Ostfildern Gutachten zu Spielplatz-Unglück angefordert

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Die Verantwortlichkeit für den Unfall, bei dem ein Vierjähriger von einem umstürzenden Balken getroffen und schwer verletzt wurde, ist noch nicht geklärt. Dem Kind geht es inzwischen besser, es könnte aber bleibende Schäden davontragen.

Dieser morsche Holzbalken stürzte um und traf  die beiden spielenden Buben. Foto: privat/Archiv
Dieser morsche Holzbalken stürzte um und traf die beiden spielenden Buben. Foto: privat/Archiv

Ostfildern - Dem vierjährigen Buben, der am 17. Dezember bei einem Unfall auf einem Spielplatz in Ostfildern-Nellingen schwer verletzt wurde, geht es nach Informationen unserer Zeitung zwar besser. Aber noch immer leide er unter Ausfallerscheinungen, erklärt ein guter Bekannter des Vaters, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zudem könnten die Ärzte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausschließen, dass körperliche Schäden zurückblieben. Derweil ermitteln die Polizei und die Staatsanwaltschaft weiterhin, wie es zu dem tragischen Unglück durch einen umstürzenden Balken kommen konnte und wer daran möglicherweise die Schuld trägt.

Kind musste auf Intensivstation behandelt werden

Der Unfall des Kindergartenkindes am 17. Dezember hatte Entsetzen in Ostfildern ausgelöst. Zwei vierjährige Jungen, die unter Aufsicht von Erzieherinnen mit einer Gruppe des evangelischen Olga-Kindergartens unterwegs gewesen waren, waren an jenem Dienstag gegen 11.30 Uhr beim Spielen schwer verunglückt. Beim Hangeln und Balancieren auf zwischen Pfosten gespannten Seilen brach ein morscher, etwa 30 Zentimeter dicker und drei Meter langer Holzbalken ab und stürzte auf die beiden Buben. Einer von ihnen wurde so schwer verletzt, dass er mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden musste. Er erlitt unter anderem Brüche am Schädel, ein geplatztes Trommelfell sowie eine Augenverletzung und musste zunächst auf der Intensivstation behandelt werden.

Laut dem Informanten wurde das Kind erst am 8. Januar nach Hause entlassen. Den Kindergarten könne es noch nicht besuchen, es benötige eine ständige Betreuung durch die Mutter. Auf dem rechten Auge sehe der Bub Doppelbilder, seine linke Gesichtshälfte sei gelähmt. Die Ärzte könnten zurzeit noch nicht sagen, ob es bleibende Schäden seien oder ob sich der Zustand des kleinen Jungen verbessere.

Seine Eltern, ein junges Ehepaar, seien in den vergangenen Wochen aus Sorge um ihr einziges Kind „um Jahre gealtert“, sagt der Mann, der ein Vertrauter der Familie ist. Letztere hätten einen Anwalt eingeschaltet, der ihre Interessen vertrete. Sie hätten der Polizei zudem erlaubt, für die Ermittlungen Einsicht in die Krankenakte ihres Sohnes zu nehmen.

Der Unfall war auf einem eingezäunten Spielplatz der im vergangenen Sommer geschlossenen Kindergartenstätte in der Eugen-Schumacher-Straße in Nellingen passiert. Die Kindergartengruppe und ihre Erzieherinnen hatten diesen schon einige Male besucht und waren der Polizei zufolge dazu „berechtigt gewesen“. Laut der evangelischen Kirchengemeinde Ostfildern-Nellingen, die Trägerin des Kindergartens und des Spielplatzes ist, sind die Spielgeräte im vergangenen März von einem unabhängigen Büro geprüft worden. Für das betroffene Gerät sei angemerkt worden, es müsse binnen eines Jahres – also bis zum kommenden März „ausgetauscht oder stillgelegt“ werden, teilte Peter Brändle, der Pfarrer der Kirchengemeinde, auf Nachfrage mit. Der Prüfbericht des Büros liege der Polizei vor.

Staatsanwaltschaft gibt Gutachten in Auftrag

Diese hat ihre Ermittlungen zu dem Fall noch nicht abgeschlossen, sagt Michael Schaal, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart habe ein Gutachten bei einem Sachverständigen in Auftrag gegeben. Von dessen Ergebnissen hänge ab, „ob und – wenn ja – gegen wen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, beziehungsweise Anzeige erstattet wird“, sagt Schaal.

In jedem Fall stehe der Verdacht einer fahrlässigen Körperverletzung im Raum. Sollte das Kind bleibende körperliche Beeinträchtigungen davontragen, komme auch eine fahrlässige schwere Körperverletzung in Betracht.