Ostfildern-Nellingen Der Verkehr kreiselt früher als vermutet

Von  

Die Ortskernsanierung im Stadtteil Nellingen ist ihrem Zeitplan um zwei Monate voraus. Deshalb rollen die Autos zwischen dem Neckartal und Denkendorf bereits seit einigen Tagen in beiden Richtungen durch den neuen Kreisverkehr.

Seit einigen Tagen rollt der Verkehr durch den neuen Kreisverkehr. Foto: Ines Rudel
Seit einigen Tagen rollt der Verkehr durch den neuen Kreisverkehr. Foto: Ines Rudel

Ostfildern - Gemeinhin werden Baumaßnahmen im öffentlichen Raum später fertig als geplant. Beim Kreisverkehr, der im Ostfilderner Stadtteil Nellingen die Kreuzung der Hindenburg- mit der Denkendorfer Straße ersetzt, ist das Gegenteil der Fall. Seit einigen Tagen rollt der Verkehr zwischen dem Neckartal und Denkendorf in beiden Richtungen durch den neuen Kreisel, der laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung zwei Monate früher fertiggestellt wurde als prognostiziert.

Für Pendler, die sich in den vergangenen Monaten auf Umleitungsstrecken durch Nellingen geschlängelt haben, ist das eine gute Nachricht. Lediglich die Busse müssen wegen der weiteren Baumaßnahmen im Zuge der Nellinger Stadtteilsanierung umgeleitet werden. Die für die Umsetzung zuständige städtische Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft (SEG) ist ihrer „Zeitplanung um zwei Monate voraus“, wie der SEG-Projektleiter Christoph Ruth berichtet. Freie Kapazitäten der mit dem Kreisel-Bau betrauten Firma habe das ermöglicht. Verschiedene Bauabschnitte hätten so zusammengelegt werden können, heißt es in der Mitteilung aus dem Rathaus weiter. Christoph Ruth zufolge sind die Arbeiten aber noch nicht abgeschlossen. Er rechnet damit, dass die Ortsmitte von Nellingen mit der Hauptverkehrsachse Hindenburgstraße bis Herbst nächsten Jahres komplett fertig ist und dann – so das Ziel der Maßnahmen – attraktiver und lebenswerter daherkommt.

Anwohner leiden unter Verkehrsaufkommen

Bis Weihnachten sei der Bauabschnitt in der Hindenburgstraße vom Kreisel bis zur Querung der Bismarckstraße voraussichtlich abgeschlossen. Die Gehwege würden gepflastert, Bäume gepflanzt, Bänke montiert und die Beleuchtung installiert. Anschließend wird laut dem Projektleiter Christoph Ruth bis zum Frühjahr der nächste Abschnitt zwischen der Bismarckstraße und der Otto-Schuster-Straße in Angriff genommen.

Während des Baus des Kreisverkehrs haben Anwohner der als Umleitungsstrecke ausgewiesenen Ludwig-Jahn- und Otto-Schuster-Straße eigenem Bekunden nach stark unter dem Verkehr gelitten. Vor allem zu den Stoßzeiten am Morgen und am frühen Abend hat sich der Verkehr Stoßstange an Stoßstange durch die als Ausweichstrecken genutzten Wohnstraßen gequält. Die Mitglieder einer Initiative befürchten, dieser belastende Zustand halte auch noch an, wenn die Hindenburgstraße – dann abschnittsweise mit Tempo 20 und 30 sowie mit nicht passierbaren Bushaltestellen ausgestattet – wieder für den Verkehr freigegeben ist.

Diese Sorge nehme die SEG ebenso ernst wie die Ostfilderner Stadtverwaltung, sagt Christoph Ruth, der nicht glaubt, dass die beiden Straßen für den Schleichverkehr missbraucht werden. Er gehe davon aus, dass der Verkehr auf der mit dem Kreisverkehr ausgestatteten und künftig ampelfreien Hindenburgstraße zügiger rolle als durch die Wohnstraßen, in denen rechts vor links zu beachten sei und hinter dem Bus ebenfalls gehalten werden müsse. Eine Zeitersparnis bringe die Fahrt über die Nebenstrecke seines Erachtens nicht, sagt Ruth.

Verkehrskonzept „bereits in der Schublade“

Sollte er nicht recht behalten, liege ein entsprechendes „Verkehrskonzept bereits in der Schublade“. Wenn es tatsächlich zu der von Anwohnern prophezeiten Verkehrsverlagerung komme, „könnten wir mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern und die Ausweichstrecken für Autofahrer unattraktiv machen“. Aber letztlich zeige es sich erst in der Praxis, wie sich die Verkehrsströme entwickelten.

Er liegt mit seiner Einschätzung auf einer Linie mit der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister Christof Bolay will ebenfalls abwarten, ob der Verkehr nach der Umgestaltung im Nellinger Zentrum zunehme. Schon im Vorfeld Maßnahmen umzusetzen, halte er auch „aus finanziellen Aspekten für nicht vertretbar“.