Der Parkdruck rund um den Herzog-Philipp-PLatz ist enorm. Foto: MARKUS BRAENDLI / Markus Brändli
Um der Parksiedlung wieder eine echte Mitte zu geben, hat der Gemeinderat Ostfildern die Umgestaltung des Herzog-Philipp-Platzes beschlossen. Für die Pläne gibt es Lob und Kritik.
Ein Problemfall ist der Herzog-Philipp-Platz in der Parksiedlung seit Jahren. Parkende Autos, triste Grünflächen und die veraltete Möblierung machen den Aufenthalt auf dem zentralen Platz im kleinsten Stadtteil Ostfilderns wenig attraktiv. Zeitweise war der Platz sogar ein Brennpunkt. Nun wird er neu gestaltet. In das Projekt sind viele Ideen von Bürgerinnen und Bürgern eingeflossen.
Neben dem russischen Supermarkt und drei anderen Geschäften und einem Automaten-Shop gibt es auf dem Platz vor allem Lokale. Abends und nachts parken da die Gäste, was für die Anwohner wenig angenehm ist. Die soziale Struktur des Stadtteils ist sehr unterschiedlich. Das spiegelt sich auch im Städtebau: Es gibt Villen mit Blick auf das Neckartal, Reihenhäuser und mehrgeschossigen Wohnungsbau. Die Quartiersmanagerin Isabell Fischer tut gemeinsam mit engagierten Menschen viel, um Leben in den Stadtteil zu bringen. Dort wohnen rund 2800 Menschen.
Viele Bürgerideen sind in die Pläne für den Herzog-Philipp-Platz in der Parksiedlung eingeflossen. Foto: MARKUS BRAENDLI / Markus Brändli
Bürgerwunsch: Platz in der Parksiedlung vom Verkehr freihalten
Ein großer Wunsch der Bürgerinnen und Bürger war es, den Platz vom Verkehr freizuhalten. Um der Parksiedlung wieder eine echte Mitte zu geben, hat der Gemeinderat die Umgestaltung des zentralen Herzog-Philipp-Platzes beschlossen. Die angespannte Haushaltslage zwingt die Kommunalpolitiker allerdings dazu, an den Plänen den Rotstift anzusetzen. Der ursprünglich geplante Pavillon auf dem Platz wird nicht gebaut. Ebenso entfällt die Hügellandschaft, die aus Sicht der Planer sehr pflegeintensiv wäre. Mit Wasserfontänen und einem Aktionspfad für Kinder und Erwachsene wollen die Planer die Aufenthaltsqualität steigern.
In ihrer jüngsten Sitzung im Stadthaus im Scharnhauser Park fassten die Stadträtinnen und -räte den Baubeschluss für das Projekt, das die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Ostfildern nun auf den Weg bringt.
Parksiedlung in Ostfildern: Umgestaltung des Platzes soll 2,45 Millionen Euro kosten
2026 müssen zunächst einige alte Bäume gefällt werden, um Platz für den Umbau zu machen. Ende 2026 oder Anfang 2027 könnten die Arbeiten dann beginnen. 2,45 Millionen Euro soll der Umbau insgesamt kosten. Die Stadt Ostfildern rechnet mit 1,3 Millionen Euro Fördermitteln. Der Rest von rund 1,2 Millionen Euro finanziert wird unter anderem durch die Umschichtung von Treuhandmitteln aus den Ortskernsanierungen in Kemnat und Nellingen.
Obwohl die Stadträte den Sparkurs mittragen, justierten sie an einigen Stellen nach. „Es ist gut, dass gespart wird“, sagte Rolf Wieder (Freie Wähler). Die 1,2 Millionen Euro Eigenanteil der Stadt seien „ein harter Brocken“. Er lobte die intensive Bürgerbeteiligung. Dass 33 Parkplätze entfallen, sieht Wieder als ein großes Problem. Wegen des „enormen Parkdrucks“ im Stadtteil plädierte er dafür, die sechs Stellplätze an der Robert-Koch-Straße sofort zu bauen – die SEG hatte vorgeschlagen, diese Plätze aus Kostengründen zunächst auf Eis zu legen. Den Vorschlag der Freien Wähler trug die Mehrheit des Gremiums mit.
Auch an den Spielgeräten auf dem Herzog-Philipp-Platz wird nicht – wie zunächst vorgesehen – gespart. Andreas Futterer (CDU) lobte die Planer, die in die Gestaltung der Spielflächen Jungen und Mädchen der Lindenschule eingebunden haben. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage war es notwendig, auch bei diesem Projekt genau hinzusehen.“
Platz mit wenig Aufenthaltsqualität. Das soll sich mit dem Umbau ändern. Foto: Markus Brändli
Die Parksituation in der Parksiedlung ist und bleibt angespannt
Die 7200 Euro, die bei den Spielgeräten eingespart werden sollten, betrachtet er aber als Sparen an der falschen Stelle. Auch die Parkplätze an der Robert-Koch-Straße hält die CDU – in vereinfachter Form – für unverzichtbar. Um den Parkdruck abzufedern, setzt Futterer auf Gespräche mit den Immobilienfirmen, die für die Geschosswohnungen zuständig sind. Sie sollen zusätzliche Plätze schaffen.
„Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzlage der Stadt war es notwendig, auch bei diesem Projekt ganz genau hinzusehen.“
Andreas Futterer CDU
„Der Platz wird grüner und klimafreundlicher gestaltet“, lobt Anja Raatzsch (Grüne) die Pläne. Für Kinder und Familien ist ein attraktiver Platz wichtig, ist die Stadträtin überzeugt. Dass der Parkraum rund um den Platz künftig geregelt und bewirtschaftet wird, das findet sie gut. Was Anja Raatzsch fehlt, sind Ladesäulen für E-Autos. „Wir brauchen auch in der Parksiedlung eine gute Lade-Infrastruktur.“
Dass verkehrsfreier Platz geschaffen wird, sieht Martina Sandhorst-Schäfer (SPD) positiv. Sie verwies darauf, dass während der Bauzeit und auch danach Parkplätze für den Nahversorger erhalten bleiben müssen. Auch für die Marktbeschicker müsse eine Interimslösung gefunden werden. Den Wochenmarkt im Stadtteil zu erhalten, findet Sandhorst-Schäfer wichtig. „Der Platz gewinnt nachhaltig“, lobt auch Joachim Werner (FDP) die Pläne. Angesichts der Haushaltslage müsse „auf jeden Euro geschaut werden“.