Ostfildern „Wir erhöhen die Sicherheit“ – Hilfe für psychisch kranke Obdachlose

Um psychisch erkrankte Obdachlose will sich die Stadt Ostfildern verstärkt kümmern. (Symbolfoto) Foto: dpa

Sich um psychisch kranke Obdachlose zu kümmern, ist nicht nur eine Sache der Inklusion, sondern auch der Sicherheit. Wie Ostfildern das trotz klammer Kassen schaffen will.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Um psychisch kranke Menschen ohne festen Wohnsitz will sich die Stadt Ostfildern verstärkt kümmern. Für Obdachlose, die in den kommunalen Unterkünften leben, sollen drei betreute Wohngemeinschaften aufgebaut werden. Eine Fachkraft, die neu eingestellt wird, soll sich um die Menschen kümmern. Die Mehrheit des Gemeinderats stimmte für die Pläne.

 

Die psychisch kranken Menschen aufzufangen, ist für Oberbürgermeister Christof Bolay „wichtig für die Stadtgesellschaft“. In den städtischen Unterkünften leben etwa 20 Obdachlose und Geflüchtete, bei denen eine chronische psychische Erkrankung vorliegt. „Der Soziale Dienst und die Fachstelle Wohnungsnot können diese Menschen in der derzeitigen Unterbringung nicht angemessen und ausreichend betreuen“, bringt Pressesprecherin Tanja Eisbrenner das Problem auf den Punkt.

Zwölf Wohnplätze in Ostfildern

Die Fachstelle hat daher ein Konzept mit einem weitreichenderen und intensiveren Ansatz entwickelt, der im Vorfeld an der Lebenssituation der Menschen ansetzt. Dafür sollen in den kommenden zwei Jahren drei betreute Wohngemeinschaften mit insgesamt bis zu zwölf Plätzen eingerichtet werden. Für die Betreuung soll eine weitere Stelle für eine qualifizierte Fachkraft geschaffen werden.

Trotz angespannter Finanzlage stimmte die Mehrheit des Gremiums für die Pläne. „Ein Teil dieser Menschen fällt durch Verhaltensweisen auf, die im öffentlichen Raum als störend wahrgenommen werden“, sagte Markus Kotschner (Freie Wähler). Die Folge sei nicht selten Ausgrenzung, Vereinsamung und ein Leben ohne ausreichende Unterstützung. Das beobachtet der Chef des Polizeipostens Ostfildern in seinem Arbeitsalltag. Das Projekt mit dem Arbeitstitel „E-B-E-S machen“ betrachtet er als Chance, den Menschen „ein niederschwelliges und aufsuchendes Hilfsangebot zu machen.“

CDU will Geld lieber Ostfilderns Polizei verstärken

Gegen die Pläne stimmte dagegen die CDU-Fraktion. „Wir haben aber nicht nur die Aufgabe, uns auf die psychisch kranken Personen zu fokussieren, sondern auch die Allgemeinheit, die sich von einzelnen psychisch erkrankten Personen belästigt und bedroht fühlt und es teilweise auch ist“, sagte Ulrike Berger-Kögler im Gemeinderat. Gerade in Zeiten knapper Kassen sollten die Mittel aus ihrer Sicht aber zum direkten Schutz der Allgemeinheit eingesetzt werden. Da denkt die Kommunalpolitikerin etwa an Verstärkung für die Polizei. Den „Impuls, zu helfen“, findet Joachim Werner (FDP) wichtig und richtig. Dennoch stuft er die Wirksamkeit des Angebots als „fraglich“ ein.

Rückenwind für die Pläne gab es von den Grünen. „Mit diesem Ansatz wird das Problem an der Ursache angegangen und nicht an den Symptomen, wir erhöhen die Sicherheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger“, sagte Oliver Werner-Blum. So zeigten die Gemeinderätinnen und -räte, „dass wir Sicherheit nicht nur plakatieren, sondern uns auch aktiv vor Ort dafür einsetzen.“ Vor allem helfe man den betroffenen Menschen dabei, ihre Lebenssituation in den Griff zu bekommen.“

Jährliche Kosten von rund 90.000 Euro

Aus Sicht der SPD-Fraktion ist die Vorlage „ein wichtiger und richtiger Schritt hin zu mehr sozialer Verantwortung und vor allem Prävention“, ist die Vorsitzende Stefanie Sekler-Dengler überzeugt. Jährliche Kosten von rund 90 000 Euro seien angesichts der aktuellen Lage zwar „eine echte Hausnummer“. Doch Sekler-Dengler will die Menschen „mit sicher schwierigsten Lebens- und Krankheitsverläufen“ als Mitbürger der Stadt gut versorgt wissen. Jutta Zwaschka (Linke) sieht in dem Angebot „die Chance für Integration und Teilhabe.“

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