Die Stadt der Zukunft mit zu entwickeln und zu gestalten, das hat Monika Bader immer gereizt. Acht Jahre lang war die Architektin und Stadtplanerin Baubürgermeisterin in Ostfildern. Dabei hatte die 59-Jährige nicht nur die klassischen Bauprojekte im Blick. Klimaschutz, Mobilitätswende und barrierefreies Bauen hat sie in der Stadt mit 40 000 Einwohnern vorangebracht. Mit ihrem sensiblen Blick für Baukunst hat sie preisgekrönte Bauprojekte mit auf den Weg gebracht.
Was hat Monika Bader am Beruf der Baubürgermeisterin in Ostfildern gereizt? „Das ist vor allem die Vielfalt der Aufgaben.“ Die Gestaltungsspielräume in ihrem Aufgabenbereich haben ihr ebenso gefallen wie die Möglichkeit, die Stadt mit zu entwickeln. „Eine Kommune verantwortet im Rahmen ihrer Planungshoheit und dem strategischen Grunderwerb die städtebauliche Entwicklung, ermöglicht Bauvorhaben und entscheidet auch über die Qualitäten der Projekte, die realisiert werden sollen.“ Dabei gehe es um die „Gestaltung der Lebensräume von Menschen“.
„Eine Kommune in der Metropolregion Stuttgart ist eine besondere Herausforderung“, findet Monika Bader. Wohnen, Gewerbe, Landschaftsschutz und Verkehr in Einklang zu bringen, das sei gerade in Ballungsräumen nicht einfach. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in unterschiedlichen Städten hat sie viele Impulse gesetzt. Nach dem Studium in Stuttgart arbeitete sie in Barcelona, gestaltete dort unter anderem öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Danach war sie als Planerin und Projektleiterin in der Stadt Reichenbach in der Oberlausitz tätig. Nach dem Referendariat, das sie wieder nach Stuttgart führte, wechselte sie nach Erfurt in die Landesbauverwaltung. Achteinhalb Jahre hat sie das Stadtbauamt in Limburg an der Lahn geleitet.
Fachkräftemangel ist das zentrale Problem
Gerade in ihrem Ressort hat sich der Fachkräftemangel drastisch bemerkbar gemacht. „Eine der größten Herausforderungen waren die Steuerung und Realisierung von Projekten mit Stellenvakanzen – und das ohne ausreichende Personalgewinnung.“ Verstärkt wurde die angespannte Situation aus ihrer Sicht von den Krisen, „die sich kontinuierlich verstärkten“. Die Bürgermeisterin hat diese Konflikte gemeistert. Und sie schaffte es dennoch, die Bürgerinnen und Bürger bei der Stadtplanung mitzunehmen. Die Bürgerwerkstatt zur Neukonzeption der Traumfelder-Bürgergärten im Scharnhauser Park hat sie noch im Jahr vor ihrer Pensionierung auf den Weg gebracht. Bei Kaffee und Tee dachte die Expertin mit den Menschen über Perspektiven für die Traumfelder nach.
Im Technischen Rathaus in Ruit hat sie mit ihrem Team gearbeitet. Wenige Schritte entfernt ist die Grüne Mitte. Dieser Naturraum ist zum Zentrum des Stadtteils geworden, den die Menschen mit Leben füllen. „Für mich sind es nicht die Großprojekte, die vordergründig für eine hohe Lebensqualität in unserer Stadt, in allen Stadtteilen stehen.“ Wichtig war der Bürgermeisterin, „den Blick auf die Vielzahl der Bausteine zu lenken, die eine nachhaltige Stadtentwicklung kennzeichnen.“
Projekte, die Monika Bader in ihrer Amtszeit realisiert hat, sind bei Wettbewerben ausgezeichnet worden – wie etwa das Haus für Kinder in Kemnat bei Beispielhaftes Bauen der Architektenkammer und des Landkreises Esslingen. „Die Gestaltung unserer gebauten Umwelt ist Ausdruck der Menschen, die dort leben und der Haltung der Kommunen.“ Diese Vorbildfunktion hat die Architektin immer als Aufgabe gesehen. Mit ihrem ausgeprägten Sinn für Ästhetik hat Bader da immer wieder wertvolle Impulse gegeben. Was bedeuten diese Preise für die Baubürgermeisterin? „Die Auszeichnungen vermitteln der Öffentlichkeit, was gut gebaute Umwelt ist, und dass diese Qualität auch wahrgenommen wird.“
Was ist die Rolle einer Baubürgermeisterin? Die Politikerin hat sich als Moderatorin gesehen. „Es geht darum, zwischen unterschiedlichen Interessen und den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger zu vermitteln.“ In dieser Funktion hat sich die 59-Jährige, deren Wahlheimat der Stadtteil Ruit geworden ist, wohl gefühlt.
Freundliche Kommunitaktion liegt ihr. Jetzt freut sich die engagierte Katholikin darauf, sich noch stärker ins Ehrenamt einbringen zu dürfen. In der Gemeinde ist sie im Kirchengemeinderat aktiv. Besonders freut sie sich darauf, sich nun wieder mehr in der Architektenkammer engagieren zu dürfen. Dort sind ihre jahrzehntelange Expertise und ihr fachkundiger Rat gefragt.
Die erste Frau in der Verwaltungsführung
Werdegang
Monika Bader hat Stadtplanung und Architektur an der Universität Stuttgart studiert. In Stuttgart hat sie auch das zweijährige Baureferandariat absolviert. Weitere berufliche Stationen führten si als Architektin und Raumplanerin nach Barcelona, als Planerin nach Reichenbach (Oberlausitz) und in die Landesbauverwaltung nach Erfurt. In Limburg an der Lahn war sie achteinhalb Jahre lang Baubürgermeisterin.
Ostfildern
Als Baubürgermeisterin (Beigeordnete) war Bader acht Jahre lang in Ostfildern tätig. Damit war sie die erste Frau in der Verwaltungsführung. Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem die Leitung des Bauhofs. Außerdem war sie technische Leiterin der Stadtwerke. In Ostfildern ist Monika Bader unter anderem im katholischen Kirchengemeinderat engagiert.