Ostfilderns französische Partnerstadt Montluel Spielerischer Sprachunterricht im Kanu

Pascal Grand (links), Catherin Couturier und Christof Bolay reichen sich die Hand. Foto: Ines Rudel

Seit 45 Jahren erfüllen die Menschen in Ostfildern und im französischen Montluel ihre Städtepartnerschaft mit Leben. In der Nellinger Halle blickten sie auf viele schöne Erlebnisse zurück.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Mit dem Flixbus sind die 13 französischen Sprachschülerinnen und -schüler aus Montluel nach Ostfildern gereist. „Wir haben hier mit der Volkshochschule die deutsche Sprache gelernt“, sagt der Pädagoge Pascal Grand. Der Deutschlehrer aus Montluel spricht die Sprache perfekt. Dass so viele Franzosen aller Generationen Interesse am Sprachaustausch haben, freut ihn. „Jedes Jahr verlieren wir im Deutschunterricht fünf Prozent Schülerinnen und Schüler.“ Umso schöner fand es der Chef des französischen Partnerschaftskomitees, dass sein Deutschkurs einen Sketch zum 45-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft von Ostfildern und der Stadt bei Lyon aufführte.

 

„Die hatten einfach Spaß dran, mit der Sprache zu spielen“, findet Pascal Grand. Er war stolz auf seine Gruppe: „Manche konnten fast gar kein Deutsch. Aber sie haben zumindest zwei, drei Sätze gesagt.“ Die jüngste Sprachschülerin war gerade mal 13 Jahre alt. Der Nellinger Ralph Aupperle hat mit seiner Frau Anja an der Organisation des Jubiläumsfests mitgewirkt, das die Stadt Ostfildern in der Nellinger Halle feierte. Wie eng die Kontakte gewachsen sind, war bei den entspannten Gesprächen an den schön geschmückten Biertischen zu spüren.

Seit 43 Jahren mit Frankreich vernetzt

Aupperle hat als Schüler zum ersten Mal beim Austausch mitgemacht – das war vor 43 Jahren. Mit seinem damaligen Austauschpartner habe sich „eine Lebensfreundschaft“ entwickelt. Auch seine Frau Anja und eine Tochter sind eng mit den Menschen in der französischen Partnerstadt verbunden: „Wir treffen uns seit Jahrzehnten privat“, sagt Anja Aupperle. Das Ehepaar hat die Feierlichkeiten mitorganisiert, bei denen beide Seiten die Partnerschaft bekräftigten. Der Verein deutsch-französische Freundschaft Ostfildern ist ein Motor des Austauschs.

Wie hat sich die Städtepartnerschaft aus der Sicht der Aupperles entwickelt? „Wir wünschen uns, dass sich wieder mehr Jugendliche aus Ostfildern für den Sprachaustausch interessieren“, sagt Ralph Aupperle. Gerade die jungen Leute aber müsse man mit neuen Angeboten erreichen. Dabei denkt er an den jährlichen Ausflug zum Paddelvergnügen Lyon Kayak, der dieses Jahr am 16. und 17. September stattfindet. Deutsch-französische Tandems paddeln in Zweier-Kanus. „So lernt man die Sprache spielend“, schwärmt Anja Aupperle. Bei der gemeinsamen Aktivität auf den Flüssen Rhone und Sâone ergebe sich Kommunikation leicht.

Viele unterschiedliche Aktivitäten

Dass so viele Menschen in Ostfildern sowie in Montluel und seinen neun Nachbargemeinden den Austausch mit Leben erfüllen, freut Birgitta Wallrauch, die bei der Stadt die internationalen Partnerschaften betreut. „Es sind die vielen unterschiedlichen Aktivitäten, die eine Städtepartnerschaft ausmachen.“ Beim Festakt schwärmte Catherine Couturier, Bürgermeisterin der Gemeinde Dagneux, von den vielen persönlichen Kontakten, „die ein vereintes Europa Wirklichkeit werden lassen“.

Der Kulturaustausch ist ein wichtiger Baustein. Das ist die Leidenschaft von Philippe Robert, der seit Jahrzehnten mit Gaby Woletz und ihrer Familie befreundet ist. Der Franzose organisiert Stadtführungen in der nahe gelegenen Großstadt Lyon, deren Schwerpunkt die Kultur ist. „Wir begegnen uns so offen und selbstverständlich“, schwärmt Woletz, die als Französischlehrerin übersetzt. Über die guten, lange gewachsenen Kontakte zu den Franzosen freut sich die zweifache Mutter sehr. Auch ihr Sohn Simon hat enge Kontakte ins Nachbarland. Über europäische Grenzen hinweg Sprachbarrieren zu überwinden, das findet Gaby Woletz schön. Mit Philippe Robert und mit Jacky Bernard, dem ehemaligen Bürgermeister von Montluel, stieß sie auf die ersten 45 Jahre der Partnerschaft an. Obwohl Bernard längst pensioniert ist, lässt er sich die Besuche in Ostfildern nicht nehmen. Gemeinsam mit OB Christof Bolay (SPD) hat der Sozialist den Austausch gefördert und gepflegt. Wie viel ihm seine deutschen Freunde bedeuten, ließ Bernard in vielen Gesprächen spüren.

Wunden des Kriegs sind kaum noch ein Thema

Sind die Wunden des Zweiten Weltkriegs zwischen Deutschen und Franzosen noch ein Thema? „Für die junge Generation nicht mehr“, sagt Ralph Aupperle. Man spreche über aktuelle Krisen. Dennoch erinnert er sich an einen deutschen und einen französischen Senior, die darüber redeten, wie sie unter dem Krieg gelitten haben: „Das ging allen gleich.“ Die Älteren hätten das Thema schon im Blick, sagt Elisabeth Hartmann. Die 94-jährige fördert die Städtepartnerschaft seit der ersten Stunde. Man habe offen über den Krieg gesprochen, sagt sie, „aber es geht doch darum, gemeinsam etwas zu erleben.“ Deshalb machte sie die französischen Gäste mit dem Nellinger Backhäusle vertraut.

Deutsch-französische Freundschaft

Lange Geschichte
 Initiatoren der Partnerschaft zwischen Montluel mit seinen neun Nachbargemeinden und Ostfildern sind der ehemalige Oberbürgermeister Herbert Rösch und Werner Strobel, ehemaliger Stadtrat. Als Kommandant der Feuerwehr Scharnhausen hat der Kommunalpolitiker Strobel das erste Treffen der Städte initiiert.

Zehn Kommunen
 „Da Montluel im Départemant Ain in Frankreich mit 7000 Einwohnern deutlich kleiner ist als Ostfildern mit seinen 40 000 Menschen, sind neun weitere Kommunen in die Partnerschaft integriert“, erläutert Anja Aupperle vom Verein deutsch-französische Freundschaft. Das sind Dagneux, Balan, Béligneux, Beynost, Bressolles, La Boisse, Niévroz, Pizay und Sainte Croix.

Handschlag über Grenzen
 Mit einem Gastgeschenk hat Pascal Grand, der Vorsitzende des französisch-deutschen Freundschaftskomitees, Ostfilderns OB Christof Bolay überrascht. Der Künstler Franck Berger aus Balan hat zwei Hände geschaffen, die Deutsche und Franzosen einander reichen. „Als ich in sein Atelier kam, hatte er einen Gipsarm“, sagt Pascal Grand lachend.“ Da habe der Künstler den Abdruck gefertigt.

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