Ottmar Hörl im Galerieverein Absurdes in der Kunst und Humor im Spiel

Schwarz zieht sich wie ein roter Faden durch seine Objekte: Ottmar Hörl stellt im Galerieverein aus. Foto: factum/
Schwarz zieht sich wie ein roter Faden durch seine Objekte: Ottmar Hörl stellt im Galerieverein aus. Foto: factum/

Der Konzeptkünstler präsentiert im Galerieverein in Leonberg seine Werke.

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Leonberg - All in“(clusive) sind in Leonberg Kunst- und Tierfreunde gerade gleichermaßen. Während die schwarzen Hundeskulpturen den Marktplatz bevölkern ohne Haufen zu hinterlassen (die Ausstellung läuft noch bis Dienstag, 25. Juni), häufen sich in den Räumen des Galerievereins am Sonntag die Besucher. Anlässlich seiner Installation „Der Leonberger“ auf dem Marktplatz hat die Stadt den Konzeptkünstler Ottmar Hörl auch zu einer Einzelausstellung in den Galerieverein eingeladen. Mit neuen Arbeiten richtet der international anerkannte Bildhauer den Blick auf Fragestellungen zu Kunst im Kontext ihrer gesellschaftlichen Funktion sowie zu Kunst und Skulptur per se. Die Vernissage gerät zur Premiere, von einem gut gelaunten Oberbürgermeister in Jeans und Jackett kunstvoll eingeleitet.

Es herrscht Premierenstimmung

Grundfragen der Kunst gehe Hörl an, sein Konzept ziehe sich mit der Farbe Schwarz wie ein roter Faden durch die in Leonberg gezeigten Objekte. Kunst im öffentlichen Raum ist für ihn von großer Bedeutung. „Der Raum ist wichtig für die Positionierung von Objekten“, erklärt der Künstler Hörl, „im öffentlichen Raum erreicht man Menschen, die sonst nicht so viel mit Kunst zu tun haben.“ Auf dem Marktplatz jedenfalls verwandelt der eine oder andere stolze Leonberger-Besitzer seinen treuesten Freund in ein Fotomodell, das zwischen den hundert schwarzen Kopien gekonnt posiert.

Vor reichlich erschienenem Auditorium konstatiert der redefreudige Hesse, dass er keinesfalls zum Lachen in den Keller geht und doziert in beinahe Vorlesungslänge seine Antworten auf die Fragen von Kulturamtsleiterin Alexa Heyder. „Ich entschied mich als Künstler früh, nicht nur für eine Elite, sondern für die gesamte Gesellschaft zu arbeiten“, sagt Ottmar Hörl. Seine Werkreihe „All in“ ist eine weitere Referenz zum Ideenkomplex einer „Kultur für alle“. Wie chinesische Schriftzeichen auf einem Sockel machen sich die von ihm bearbeiteten Dachlatten aus. „Es war eine Befreiungsaktion, weg von der Festlegung eines bestimmten Materials“, verdeutlicht er sein Anliegen.

Die Befreiung der Dachlatte

Diese neue Werkserie mit dem Titel „Zu Höherem berufen“ bezieht sich auf die Auseinandersetzung mit Grundfragen von Skulptur und Material. Hier kommt ein Material zum Einsatz, das vor allem in der Architektur verwendet wird, im Alltag jedoch kaum Beachtung findet. Der ehemalige Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg hat Stücke auf eine Länge von jeweils circa 25 bis 35 Zentimer geschnitten, schwarz eingefärbt und in verschiedenen Neigungen einzeln auf Sockeln installiert.

Ein Fest für die persönliche Vorstellungskraft sind seine Tafeln, die in asymmetrischer Reihenfolge die Wände der Galerie schmücken, denn sie sollen alle Menschen in seine Kunst mit einbeziehen. Skulpturen für Visionäre, Philosophen, Hausfrauen, Influencer, Spione, Gauner und Psychopaten – hier ist eine Auswahl von etwa 100 Aluminiumschildern im Format von circa 25 auf 20 Zentimer mit drei Worten als Dreizeiler, mittig positioniert, zu bestaunen. Eine Kunst der Imagination also, denn die Tafel ist immer das, was vor dem inneren Auge entsteht. Sie ist quasi die Hefe für die eigene Fantasie. Dahinter steht die philosophische Frage: Wer ist eigentlich „alle“? Der Versuch einer relativ subjektiven Bestandsaufnahme, trägt durch die Umsetzung letztlich auch Momente der Irritation, des Absurden und Ironischen in sich und beweist, „dass die Kraft der Poesie keineswegs unvereinbar mit dem Hang zur Radikalität ist“. Das jedenfalls will der Künstler transportieren, und es ist ihm geglückt.




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