Otto-Brenner-Preis „Die Aufgabe vorbildlich erfüllt“

Von StZ 

Die Otto-Brenner-Stiftung hat dem StZ-Redakteur Andreas Müller am Dienstag in Berlin den ersten Preis der Otto-Brenner-Stiftung für kritischen Journalismus verliehen. Müller wurde für seine hartnäckigen Recherchen zum EnBW-Deal ausgezeichnet.

  Foto: Achim Zweygarth
  Foto: Achim Zweygarth

Berlin - Am 6. Dezember 2010 gab der damalige CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus bekannt, das Land werde die Anteile der Éléctricté der France (EdF) am Stromkonzern Energie Baden-Württemberg für 4,7 Milliarden Euro zurückkaufen. Der Kauf würde auch die „schwäbische Hausfrau“ freuen, lässt er verlauten. Doch diese Bemerkung ist, wie der gesamten Ablauf des EnBW-Deals, von Mappus’ CDU-Freund Dirk Notheis, damals noch Deutschland-Chef der US-Investment-Bank Morgan Stanley und Mitglied im CDU-Landesvorstand, bis ins kleinste Detail vorgeplant worden.

Bekannt wurden diese und viele weitere Details des Aktienrückkaufs durch die intensiven Recherchen von Andreas Müller. Der Investigativ-Reporter, seit 1983 bei der Stuttgarter Zeitung und seit 1995 landespolitischer Korrespondent, klemmte sich von Beginn an hinter die Geschichte und ließ sich – anders als zunächst die damalige Opposition – nicht blenden. In einer Fülle von Berichten, aufklärerischen Artikeln und kritischen Kommentaren durchleuchtet der 50-Jährige bis heute die politisch oft brisanten Ungereimtheiten, Widersprüche und Hintergründe des Handels und ihre Folgen.

Die Zeitung als Wächter

„Es sind genau solche Momente, in denen wir wirklich froh sein können, dass es hierzulande eine Presse gibt, die sich (. . .) an ihre Unabhängigkeit erinnert und ihr Wächteramt wahrnimmt. Und im konkreten Fall müssen wir dankbar sein, dass Andreas Müller und mit ihm die Stuttgarter Zeitung diese Aufgabe vorbildlich erfüllt haben“, sagte Harald Schumann, Investigativ-Reporter beim Berliner „Tagesspiegel“, in seiner Laudatio auf Müller.

Die Otto-Brenner-Stiftung hat dem StZ-Redakteur am Dienstag in Berlin für seine außerordentliche Leistung den ersten Preis der Otto-Brenner-Stiftung für kritischen Journalismus verliehen. Müller habe „eindruckvoll und in erstklassiger Manier“ unterstrichen, dass zu den wichtigsten journalistischen Tugenden Skepsis und Hartnäckigkeit zählten, hieß es zur Begründung.

Weitere Preise

Die Otto-Brenner-Stiftung, eine gemeinnützige Wissenschaftsstiftung der IG Metall, vergibt die Auszeichnung seit 2007. Den zweiten Preis bekam Wilfried Huismann für seinen Film „Der Pakt mit dem Panda“ (WDR), in dem er hinter die Öko-Fassade des World Wide Fund For Nature (WWF) blickt und aufdeckt, wie eine der weltweit größten Naturschutzorganisationen die Interessen von multinationalen Konzernen mitverfolgt.

Stefan Koldehoff (Deutschlandradio) und Tobias Timm (Die Zeit) erhielten den dritten Preis für ihre Langzeitrecherche im von Gier und Skrupellosigkeit getriebenen milliardenschweren Kunstmarkt und ihr Buch „Falsche Bilder – Echtes Geld“. Dem anrührenden Film „Wladim“ von Hauke Wendler und Carsten Rau über einen in Deutschland geborenen Asylbewerber, der in sein „Heimatland“ Lettland ausgewiesen und dort in den Selbstmord getrieben wird, wurde der „Spezial“-Preis zugesprochen.

Anne Lena Mösken, Reporterin der „Berliner Zeitung“, erhielt für ihre Reportage über eine junge Antifaschistin, die sich zur Rechtsradikalen wandelt, den Newcomerpreis. Der Medienprojektpreis für innovative Projekte ging an Toralf Staud und Nick Reimer, die im Internet einen „Klima-Lügendetektor“ installiert haben. Dort decken sie die tägliche Flut von Halbwahrheiten und Desinformationen auf, die sie ebenso kritisch wie humorvoll analysieren und kommentieren.

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