InterviewOtto Dix im Kunstmuseum Stuttgart „Man könnte ihn für zeitgenössisch halten“

Das Kunstmuseum in Stuttgart ist ein beliebter Leihgeber in Sachen Otto Dix. Foto: dpa
Das Kunstmuseum in Stuttgart ist ein beliebter Leihgeber in Sachen Otto Dix. Foto: dpa

Die Otto-Dix-Bestände im Kunstmuseum Stuttgart sind im Moment sehr begehrt, stellt die Direktorin Ulrike Groos fest.

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Stuttgart - Stuttgart - Ob in Düsseldorf, Friedrichshafen oder Colmar – Otto Dix werden derzeit gleich mehrere große Sonderausstellungen gewidmet. Das hat auch Ulrike Groos, die Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart festgestellt. Denn ihr Haus ist ein beliebter Leihgeber in Sachen Dix.

Frau Groos, derzeit gibt es auffallend viele viele Dix-Ausstellungen. Kann es sein, dass er gerade noch mal neu entdeckt wird?
Wir merken an den Leihanfragen, dass gerade ein sehr großes Interesse an Otto Dix besteht. Das ist auffällig und nicht nur auf Europa bezogen. Es gab auch eine große Ausstellung zu Otto Dix in Mexiko. Ich war im vergangenen Jahr in Argentinien und habe viele Museumsdirektoren kennengelernt, die alle interessiert waren, unseren Dix-Bestand zu zeigen.
Liegt das an seinen Themen?
Dix ist ein Künstler, der unglaublich aktuell ist in seinen Darstellungen, den Themen und in seiner Herangehensweise. Wenn man nicht wüsste, wann er gelebt hat, könnte man ihn für einen zeitgenössischen Künstler halten.
Sind die Dix-Werke aus dem Kunstmuseum Stuttgart denn viel unterwegs?
Sie wandern weltweit. Das ist aber nicht unproblematisch, weil ich hier auch unsere Verantwortung darin sehe, dass Besucher, die nach Stuttgart kommen und unsere Dix-Sammlung besuchen wollen, die herausragenden Arbeiten auch sehen können. Das Triptychon „Großstadt“ zum Beispiel darf aus restauratorischen Gründen nicht wandern. Andererseits hätten wir zum Beispiel für unsere Jazz-Ausstellung keine großen Leihgaben bekommen, wenn wir nicht auch unsere großen Werke verleihen würden. Da ist Dix ein wichtiger Faktor.
Viele beanspruchen Otto Dix für sich, ob es Dresden, Hemmenhofen oder Überlingen ist. Warum melden so viele Besitzansprüche an?
Dix war sehr produktiv und ist ein Künstler, der internationales Renommee genießt, deshalb gibt man sich gern das Branding, mit Dix etwas zu tun zu haben. Für viele Museen ist dieser Künstler ein Highlight.
Dabei gehört er natürlich nach Stuttgart ins Kunstmuseum. . .
Wir haben hier im Kunstmuseum ganz wichtige und besondere Arbeiten von Otto Dix, weil Eugen Keuerleber, der ehemalige Direktor der Galerie der Stadt Stuttgart, ihn noch persönlich kannte und sein Werk früh in der Sammlung der Stadt installiert hat. Das war mit den damaligen Gemeinderäten wohl nicht immer lustig. Aber das Engagement ging danach weiter, und auch wir hatten in den vergangenen Jahren Möglichkeiten, weitere Werke von Dix an unser Haus zu binden.
Wie kann man die Stuttgarter Dix-Sammlung bewerten?
Es ist eine Zeit lang behauptet worden, wir hätten die wichtigste Sammlung. Da bin ich zurückhaltend. Es gibt auch andere Museen, die zentrale Werke haben. Für uns ist es aber wichtig, dass wir Arbeiten aus ganz frühen Zeiten besitzen, Hauptwerke aus der Zeit, die als seine wichtigste gilt, aber auch aus dem Spätwerk, dem wir uns auch mal ausführlich widmen müssen. Das Spätwerk ist in vieler Hinsicht spannend, was die Technik, aber auch die Themen betrifft. Da ist noch viel zu tun.



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