Otto-Fahr-Meeting in Bad Cannstatt Kurzarbeit für den Langzeitschwimmer

Der Freiwasserspezialist Niklas Frach nahm am Wochenende an der 47. Auflage des Otto-Fahr-Gedächtnis-Schwimmens teil. Foto: /Holger Strehlow

Niklas Frach, der WM-Siebte im Freiwasserschwimmen über die zehn Kilometer, nutzt das Otto-Fahrgedächtnis-Schwimmen des SV Cannstatt zum Formaufbau. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 steht im Fokus.

Kurz und knapp ist die Antwort, wenn man Niklas Frach fragt, was für ihn neben dem Schwimmen bleibt? „Nix“, sagt der Freiwasserschwimmer und WM-Siebte von Budapest über die zehn Kilometer vom SV Gelnhausen. Für seine Verhältnisse standen am vergangenen Wochenende beim 47. Otto-Fahr-Gedächtnisschwimmen des SV Cannstatt – erstmals durchgeführt im neuen Sportbad Neckarpark – Kurzstrecken auf dem Programm. Sein längster Aufwand führte ihn über 1500 Meter. Natürlich dominierte der deutsche Spitzenschwimmer die Konkurrenz, gewann die Distanz ebenso wie die über 800 Meter.

 

Im Vorjahr, noch im Badezentrum Sindelfingen, stellte der Hesse drei Meetingrekord auf. 100 Euro Prämie gab es für die Leistung, dieses Mal konnte er seine Zeiten nicht verbessern.

Formaufbau im Vordergrund

Für den 24-Jährigen auch nicht überraschend. Den jüngsten Wettkampf in Bad Cannstatt sah er dieses Mal „als Trainingsmaßnahme zum Formaufbau“, wie er sagt, an. So war Frach im Neckarpark als Vielschwimmer unterwegs, absolvierte noch Rennen über fünf andere Distanzen und Stilarten – teilweise Vorläufe und Finals.

Sein Blick richtet sich vielmehr in die Ferne, genauer gesagt ins Jahr 2024, noch genauer gesagt auf die Olympischen Spiele vom 26. Juli bis 11. August in Paris. „Da möchte ich auf jeden Fall dabei sein.“ Für den Traum von Olympia stehen verschiedene Qualifikationsoptionen bereit. Gelingt ihm die Teilnahme an der WM im japanischen Fukuoka im Juli dieses Jahres, „dann müsste ich unter die ersten Drei kommen, um dabei zu sein“, beschreibt er die früheste aller Variante, um das Ticket zu lösen.

Das Thema Olympia will Frach über die zehn Kilometer angehen. „Diese Distanz liegt mir am besten, da stufe ich meine Chancen am höchsten ein.“ Bei der WM in Budapest im vergangenen Jahr benötigte er für die Strecke knapp 1:52 Stunde. Dafür spult er pro Trainingswoche knapp 80 bis 100 Kilometer herunter – je nachdem, ob Grundlagenausdauer oder Schnelligkeit den Trainingskalender bestimmen. Hauptsächlich absolviert der 24-Jährige seine Übungseinheiten im Schwimmbecken, im Sommer ab und an auch mal im Großkrotzenburger See im Main-Kinzig-Kreis.

Ersten Wettkampf wegen Kälte aufgegeben

„Ich liebe das Schwimmen im Freiwasser, da fühle ich mich nicht so eingeengt wie im Bad.“ Dabei konnte am Anfang keineswegs von Liebe zwischen Frach und Freiwasser gesprochen werden. Premiere in der Weite eines Sees hatte er bei einem Wettkampf in Lindau im Jahr 2014. Der Bodensee habe eine Wassertemperatur von 16 Grad gehabt, Neoprenanzüge seien damals noch nicht erlaubt gewesen. Die Folge: zu kalt. „Nach gut der Hälfte der Strecke habe ich gefroren und den Wettkampf im Bodensee aufgegeben“, sagt Frach lachend. Auch mit den Neoprenanzügen, die mittlerweile bei einer Wassertemperatur von unter 20 Grad zulässig sind, wuchs die Begeisterung Frachs für das Schwimmen im Freiwasser.

Zudem merkte der Hesse, seine strategischen Fähigkeiten in der unbeschränkten Umgebung am besten einsetzen zu können. Neben seiner guten Ausdauer und der Schnelligkeitsfähigkeit mache es ihm beim Freiwasserschwimmen während der knapp zwei Stunden unheimlich viel Spaß, die Konkurrenz zu beäugen, auf Fehler oder Formeinbrüche zu lauern und „dann zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen zu treffen, um sich einen Vorteil zu erarbeiten“.

Dass nichts bleibt für Niklas Frach neben dem Schwimmen, stimmt indes nicht ganz: Der angehende Gymnasiallehrer mit den Fächern Chemie und Sport muss sich Zeit freischaufeln, um seine Examensarbeit mit dem Titel „Leitfaden für Lehrkräfte des Kraulschwimmens“ fertig zu bekommen. Gestern hatte er in Bad Cannstatt die Möglichkeit, dem Ende einen Schritt näher zu kommen. Beim Otto-Fahr-Meeting sprang er „nur“ am Freitag und Samstag ins Becken und war vom neuen Sportbad Neckarpark völlig begeistert. „Ein großes Bad mit guter Luft, viel Platz für die Zuschauer und einem Ausschwimmbecken. Da hat die Stadt Stuttgart ganze Arbeit geleistet“, lobt Frach.

Lob gab es generell von vielen Seiten für die gute Organisation des Otto-Fahr-Meetings sowie die Premiere im neuen Bad. „Eine tolle Halle und ein schnelles Becken wurde uns häufig bestätigt“, sagt Matthias Schmitt vom Veranstalter SV Cannstatt und fügt hinzu: „Die Möglichkeiten vereinfachen uns die Organisation des Schwimmmeetings.“ Insgesamt waren 455 Schwimmerinnen und Schwimmer, unter anderem auch aus Italien und Ägypten, am Start.

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