Der Antisemitismusbeauftragte Michael Blume und der ehemalige Pfarrer Hartmut Metzger haben die Otto-Hirsch-Auszeichnung verliehen bekommen. Warum das auch ein Zeichen der Solidarität ist, wurde bei der Ehrung im Stuttgarter Rathaus deutlich.

Sie eint das Eintreten für das Judentum, für Israel und gegen den Antisemitismus, aber auch, dass sie für ihre Haltung angefeindet wurden: Hartmut Metzger, ehemaliger Pfarrer, Kirchenrat a. D. und 28 Jahre lang Leiter der Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf, sowie Michael Blume, Beauftragter der baden-württembergischen Landesregierung gegen Antisemitismus. Nun sind beide mit der Otto-Hirsch-Auszeichnung geehrt worden. Oberbürgermeister Frank Nopper hat die Würdigung dieser Tage im Rathaus übergeben, die gemeinsam von der Stadt Stuttgart, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) verliehen wird.

Seit 1985 werden mit der Auszeichnung Persönlichkeiten, Gruppen und Initiativen geehrt, die sich in besonderer Weise um die interreligiöse Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Die Auszeichnung wurde anlässlich des 100. Geburtstag Otto Hirschs (1885–1941) gestiftet. Der Stuttgarter Jurist und Mitbegründer der Neckar-Aktiengesellschaft hatte 1926 mit seinem Freund Leopold Marx das Jüdische Lehrhaus geschaffen, war Präsident des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und verhalf als Vorsitzender der Reichsvertretung der Deutschen Juden Zehntausenden von verfolgten und bedrohten Schicksalsgenossen zur rettenden Auswanderung. Nur er selbst und seine Frau Martha blieben – „bis auch der Letzte gerettet ist“. Otto Hirsch wurde am 19. Juni 1941 im KZ Mauthausen ermordet.

Feindschaft und Häme hat ihn nicht abgehalten

„Die Otto-Hirsch-Auszeichnung ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Versöhnung und Verständigung, für ein friedliches und tolerantes Miteinander und für den interreligiösen Dialog“, betonte Nopper bei der Feierstunde. Man sei es Hirsch schuldig, sich dem Hass und Ungeist des Antisemitismus mit aller Kraft entgegenzustellen.

Hartmut Metzger (91) war nur durch eine Videobotschaft präsent, seine Frau Doris nahm die Auszeichnung entgegen. Metzger hatte sich „als junger Mensch vom Schicksal der Juden und den Berichten über die Schoah erschüttern lassen“, wie die Bürgermeisterin und GCJZ-Vorsitzende Isabel Fezer sagte. Er suchte und fand die Begegnung mit Juden, wollte nicht schweigen, auch nicht über die Rolle seiner Kirche in der NS-Zeit. Er erfuhr Feindschaft und Häme, wie sein Laudator, IRGW-Vorstandsmitglied Michael Kashi, deutlich sagte, der selbst 2019 die Auszeichnung erhalten hatte: Den „Juden-Metzger“ habe man Hartmut Metzger geschmäht, und dass er sich um Juden mehr kümmere als um seine Kirchengemeinde. Doch er habe sein Lebenswerk unbeirrt der Begegnung und Verständigung gewidmet, würdigte Kashi. Ausdrücklich dankte ihm und seiner Frau der neue evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, der hier seinen „außerkirchlichen Einstand“ gab.

Auszeichnung ein Zeichen der Solidarität

„Wirkmächtig“, heißt es in der Urkunde, sei der Einsatz von Michael Blume (46) seit vielen Jahren gegen Antisemitismus, Intoleranz und Fanatismus. Verheiratet mit einer Muslima, sei der Religions- und Politikwissenschaftler durch sein „interreligiöses und multikulturelles Familienleben besonders sensibilisiert für Religionen“, bescheinigte ihm Rabbiner und Freund Jehoschuah Ahrens. Auch Blume, der im Dienst der Landesregierung das Risiko nicht gescheut hatte, 1150 jesidische Frauen und Kinder aus dem Nordirak nach Deutschland zu holen, ist als unermüdlich aufklärender Beauftragter gegen Antisemitismus das Ziel von Schmähungen und Bedrohungen in den sozialen Medien. „Die Auszeichnung ist auch ein Zeichen unserer Solidarität“, so Fezer.