Otto-Rommel-Realschule in Holzgerlingen Bauen statt büffeln: Schüler helfen auf Berghütte aus

Sogar Richtest haben die Jugendlichen gefeiert: Sieben Tage lang haben sie einen Hühnerstall gebaut. Foto: privat

Ob ihnen das Handwerk liegt, konnten zehn Schülerinnen und Schüler der Holzgerlinger Otto-Rommel-Realschule im September in den Bergen ausprobieren. Dort durften die Jugendlichen Höhenluft schnuppern und einen Hühnerstall errichten.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Direkt nach der Schule einen Beruf wählen – eine schwierige Entscheidung für viele junge Menschen. Die Otto-Rommel-Realschule in Holzgerlingen versucht ihren Schülerinnen und Schülern die Wahl zu erleichtern, indem sie ihnen praxisnahe Berufserfahrungen ermöglicht. In diesem Jahr durften sich zehn Schüler bei einem Projekt auf einer Hütte bei Aschau im Chiemgau handwerklich ausprobieren.

 

Eine Woche lang errichteten die Achtklässler einen Hühnerstall, schliefen im Matratzenlager und verbrachten Zeit in der Natur. Handys durften die Jugendlichen zwar dabei haben, allerdings befand sich die Hütte des Deutschen Alpenvereins in einem Funkloch. Ein Glücksfall, wenn es nach Konrektor Jörg Fuchs geht. Denn das Ziel sei einerseits gewesen, die Schüler ans Handwerk heranzuführen. Außerdem sei den Lehrern aber auch wichtig, ihnen echte Erfahrungen in der Natur zu ermöglichen, erzählt Jörg Fuchs. Mit Erfolg: „Die Kinder hatten Spaß dabei draußen zu sein – da hat keiner das Handy vermisst“, sagt der Lehrer.

Die Stiftung Würth gab jedem Jugendlichen einen Werkzeugrucksack

Über einen Workshop war der engagierte Pädagoge auf das Projekt Handwerkstatt gestoßen, das von der Stiftung Würth gefördert wird. Alle Teilnehmer bekamen einen Werkzeugrucksack geschenkt, um für die bevorstehende Aufgabe ausgerüstet zu sein. Die restliche Organisation übernahm Jörg Fuchs gemeinsam mit einer Kollegin. Auf einer privaten Bergtour hatte der Konrektor Kontakt zu den Inhabern der Priener Hütte im Chiemgau aufgenommen, die bereit waren, die Jugendlichen aufzunehmen. Zunächst war angedacht, Wege nach dem Almabtrieb wieder herzustellen, Zäune zu reparieren und kleine Arbeiten an der Hütte zu erledigen. Dann kam allerdings eine andere Idee auf: Die Schüler sollten einen winterfesten Hühnerstall bauen. Das Baumaterial besorgten die Hüttenbesitzer, die bauliche Anleitung übernahmen Ehrenamtliche des Deutschen Alpenvereins. Von 9 bis 18 Uhr arbeiteten die Schüler täglich an dem Projekt – vom Fundament bis zum Dach.

Neben der Stadt Holzgerlingen und dem Förderverein der Realschule, die das Projekt finanziell unterstützten, halfen auch das Autohaus Maurer und die Firma Drieselmann aus Holzgerlingen aus. Sie stellten Kleinbusse zur Verfügung, sodass es der Realschule gelang, dass jeder Schüler nur 50 Euro für die Woche bezahlen musste.

Rund 20 Jugendliche hatten sich für die Arbeitswoche in den Bergen beworben – sie mussten einen Text verfassen, warum sie gerne an dem Projekt teilnehmen würden. Zehn Glückliche bekamen dann einen Platz. Während der intensiven Arbeitswoche konnten die Lehrer beobachten, wie neue Freundschaften entstanden. „Anfangs saßen die Kinder noch an getrennten Tischen, am dritten Tag haben sie dann die Tische zusammengeschoben“, erzählt Jörg Fuchs. Und auch das Handwerks-Fieber hat ein paar Schüler nach dem Projekt noch fest im Griff: Einige könnten sich nach dieser Erfahrung durchaus vorstellen, später einen handwerklichen Job zu ergreifen und sind so vielleicht einen Schritt weiter, ihren Traumberuf zu finden. Neben dem Handwerkstatt-Projekt betreibt die Otto-Rommel-Realschule außerdem Bildungskooperationen mit Firmen, die den Jugendlichen einmal im Jahr einen Einblick in ihre Arbeit geben.

Zwar wird die Handwerkstatt im nächsten Jahr wohl nicht stattfinden, doch es soll trotzdem nicht das letzte Mal gewesen sein.

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