Outdoorspezialist aus Tübingen Decathlon kauft Bergfreunde

Die Bergfreunde-Geschäftsführer Ronny Höhn und Matthias Gebhard (rechts) wollen den Online-Fachhändler auch unter dem neuen Besitzer voranbringen. Foto: Bergfreunde

Die französische Sportartikelkette Decathlon hat den Outdoorspezialisten Bergfreunde aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen gekauft. Wie Billigkette und Premiumhändler zusammenpassen.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Der Online-Händler Bergfreunde hat einen neuen Besitzer. Das Unternehmen aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen gehört jetzt zum französischen Sportartikelhersteller Decathlon. Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, teilten die Unternehmen mit. Zuvor gehörte Bergfreunde dem US-Outdoorspezialisten Backcountry.

 

Die Bergfreunde GmbH, ein Online-Fachhändler für Bergsport-, Kletter- und Outdoorausrüstung, soll eine 100-prozentige Tochter von Decathlon werden und weiterhin operativ eigenständig agieren.

Die Behörden müssen dem Kauf allerdings noch zustimmen. Grünes Licht wird im ersten Quartal 2024 erwartet.

„Wir werden das Unternehmen auf das nächste Wachstumslevel heben und sind überzeugt, dass wir mit Decathlon einen klugen, finanzstarken und langfristig operierenden Partner an der Seite haben“, so Bergfreunde-Geschäftsführer Matthias Gebhard. Man könne in vielen Bereichen voneinander lernen und profitieren – sei es im Bereich Nachhaltigkeit, Internationalisierung oder Skalierung. Gemeinsam mit Ronny Höhn wird er wie bisher das Unternehmen weiterführen. Auch hinsichtlich Organisationsstruktur und Personal soll es keine Veränderungen bei Bergfreunde geben.

Von 18 auf 242 Millionen Euro Umsatz

Das Unternehmen, dessen Anfänge auf das Jahr 2006, zwei Gründer, einen Hund und die Leidenschaft zum Klettern zurückgehen, hat sich in den letzten Jahren zu einem der europaweit führenden Online-Fachhändler für Bergsport-, Kletter- und Outdoorausrüstung entwickelt. Vor allem hierzulande hat der Online-Händler Erfolgsgeschichte geschrieben und Wettbewerber wie Globetrotter oder Bergzeit überholt und davon überdurchschnittlich profitiert, dass es immer mehr Menschen raus in die Natur zum Outdoorsport zieht.

Das Bergfreunde-Sortiment umfasst rund 40 000 Artikel von über 900 Marken. Am Stammsitz Kirchentellinsfurt und am Logistikstandort Ergenzingen bei Tübingen sind insgesamt 650 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt.

Seit der Übernahme durch Backcountry im Jahr 2013 konnte Bergfreunde den Jahresumsatz von 18 Millionen auf 242 Millionen Euro im Jahr 2022 steigern und war den eigenen Angaben zufolge stets profitabel. Für 2023 erwartet der Mittelständler weiteres Wachstum im zweistelligen prozentualen Bereich.

Während Bergfreunde im Premiumsegment tätig sind, gilt Sportartikelhersteller und -händler Decathlon als Discountkette. Dessen mehr als 35 000 Artikel umfassendes Sortiment – Ausrüstung und Bekleidung für mehr als 75 Sportarten – basiert vor allem auf Eigenmarken. Das französische Unternehmen hat weltweit mehr als 1700 Filialen, davon auch mehrere in Baden-Württemberg. Decathlon beschäftigt weltweit knapp 105 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und machte 2022 rund 15,4 Milliarden Euro Umsatz.

Mit dem Kauf der Bergfreunde erweitert Decathlon nach Angaben von Chefin Barbara Martin Coppola das strategische Portfolio durch ein digital basiertes Geschäftsmodell mit dem Ziel, das Outdoorpremiumsegment weiter zu erschließen. „Mit einer starken Präsenz in mehreren europäischen Märkten, darunter Deutschland, Europas größtem Outdoormarkt, wird Bergfreunde neben Fahrradspezialist Alltricks unser Ökosystem bereichern.“

Backcountry-Chefin Melanie Cox sagte: „Der Abschluss dieser Transaktion wird es Backcountry ermöglichen, sein Engagement für das Wachstum in Nordamerika fortzusetzen und neue Möglichkeiten zur Expansion der Marke Backcountry zu erkunden.“ Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

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