Paar aus Heidelberg Nach fünf Tagen wissen sie: Wir wollen heiraten

Somanadh und Sneha heirateten in ihrer alten Heimat Indien und leben in Heidelberg. Foto: privat

Somanadh glaubt eigentlich nicht an die schnelle Liebe. Dann trifft er Sneha, eine App, indische Horoskope und die Eltern haben sie zusammengeführt. Und damit ändert sich alles.

Psychologie/Partnerschaft: Florian Gann (fga)

Somanadh dachte eigentlich immer, er würde sich Zeit nehmen, um die Frau fürs Leben so richtig kennenzulernen. Mindestens ein paar Monate, bevor über Hochzeit gesprochen wird. Nun, an diesem 14. September 2022, ist er hier mit Sneha am Strand von Chennai in Indien. Vor ein paar Tagen wusste er noch nicht einmal, dass es Sneha gibt, vor ein paar Stunden haben sie sich zum ersten Mal in die Augen geschaut, Liebe auf den ersten Blick. Und jetzt? Ist es schon Zeit für den Antrag kann man diese Chance verstreichen lassen?

 

Die Horoskope: 34 von 36 möglichen Übereinstimmungspunkten

Die Geschichte von Somanadh Ayyalasomayajula und Sneha Vijapurapu, heute 33 und 32 Jahre alt, beginnt eigentlich fünf Tage zuvor. Sie haben über eine App zueinandergefunden, eine Matchmaking-App. Anstatt wie bei Tinder und Co. nach links und rechts zu wischen, treffen sie zusammen mit den Eltern die erste Auswahl, im indischen Alltag ganz normal.

Zudem werden die Horoskope von Somanadh, der damals in Stuttgart wohnt und auf Heimaturlaub ist, und Sneha verglichen, eine hinduistische Tradition. Und die beiden haben 34 von 36 möglichen Punkten an Übereinstimmung. Sterne-mäßig ein perfektes Match. Somanadh erzählt das heute eher belustigt, kennt Vor- und Nachteile dieser Art der Beziehungsanbahnung. Aber er verabredet sich trotzdem mit Sneha zu einem ersten Videotelefonat.

Anfangs sind die Eltern noch dabei, aber die merken bald, dass sie hier nicht gebraucht werden. Eine Stunde vergeht wie im Flug. Filme, Vorlieben, was einem wichtig ist in Beziehungen, sie können kaum aufhören zu reden. Das Gespräch ist im Fluss, niemand muss sich bemühen, die Witze landen, die Beiden sind sich sofort vertraut. „Es war so organisch“, sagt Somanadh heute. Bald wissen sie: Wir müssen uns sehen. Fünf Tage nach dem Videocall sitzt Somanadh im Flugzeug nach Chennai.

Ein Foto aus dem Alltag Foto: privat

In ein paar Stunden müssen sie über ihre Zukunft entscheiden

Vor Ort sollten sie Somanadh und Sneha erst eigentlich noch gar nicht sehen, erst muss gebetet werden. So ist es hinduistischer Brauch, und das ist den Eltern wichtig. Sie marschieren in einen Tempel, erst Sneha und ihre Familie, dann Somanadh. Aber Somanadh erhascht schon am Weg nach drinnen einen Blick auf die Frau im gelben Kurti, einem traditionellen indischem Kleid. Als erstes fällt ihm ihre Art dahinzuschreiten auf, ruhig, elegant. Schon das gefällt ihm.

Im Tempel flitzen Snehas Augen hin und her. „Sieht er her?“, fragt sie sich. Sneha trägt eine Mundmaske, ihre Augen sind alles, was man sehen kann. Und dann trifft sie den Blick von Somanadh, Jeans, cremeweißer Hoodie. Es ist ein Moment mit großen Gefühlen. Aber sie haben nur noch ein paar Stunden, um über ihre Zukunft zu entscheiden.

Heiraten? Sie muss nicht lange darüber nachdenken

Somanadh und Sneha spazieren den Strand entlang, sie reden und reden, mehrere Stunden vergehen, sie wollen den Ort gar nicht mehr verlassen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht. Sie muss bald auf Dienstreise nach Brasilien, er zurück zu seinem Job an der Uni Stuttgart, wo er zu dem Zeitpunkt schon mehrere Jahre arbeitet. Es würde einiges an Zeit vergehen, bis sie sich wieder sehen. Sie reden übers Heiraten. „Ich glaube, ich kann mir nichts besseres als dich wünschen“, sagt Somanadh. „Also, was meinst du?“ Das ist keine Frage, über die sich lange nachdenken muss.

„Wir konnten nicht glauben, was wir beschlossen hatten“, sagt Somanadh heute. „Aber es fühlte sich einfach richtig an.“ Nach der Verlobung beginnt die Zeit, in der sie sich ständig schreiben, auf Schlaf verzichten, um stundenlang miteinander zwischen Stuttgart und Indien zu telefonieren. Seit knapp acht Monaten sind sie nun verheiratet, im April zogen sie gemeinsam nach Heidelberg, wo Sneha in der Entwicklung bei einem Baumaterialhersteller arbeitet.

„Wir waren überrascht, dass wir so viel gemeinsam hatten“, sagt Sneha in einem Burgerladen in Heidelberg. Sneha dreht sich zu Somanadh, und sie lächeln sich an, als könnten sie immer noch nicht glauben, sich tatsächlich gefunden zu haben.

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