Paar im Kreis Ludwigsburg Wenn die Rente nicht mehr zum Leben reicht

Ältere Menschen haben zunehmend Probleme, über die Runden zu kommen Foto: dpa/Armin Weigel

Steigende Nebenkosten bringen ein Paar im Kreis Ludwigsburg in Bedrängnis. Eine Spende und Sozialhilfe würden dessen finanzielle Lage stabilisieren.

Auf Rosen gebettet lebt das Paar in den 60ern aus dem Kreis Ludwigsburg schon länger nicht: Der Mann bezieht bereits Altersrente, seine Frau erhält wegen diverser chronischer Erkrankungen in Erwerbsminderungsrente. Etwa 1000 Euro im Monat haben sie gemeinsam zur Verfügung. Im vergangenen Jahr spitzte sich die finanzielle Lage zu: fast 500 Euro Nachzahlung für Nebenkosten verlangte die Vermieterin. Dazu erhöhte sie die Vorauszahlungen und die Kaltmiete zusammen um gut 100 auf insgesamt 740 Euro. Zu viel, um es noch von dem bisher verfügbaren Geld bezahlen zu können, erzählt Tamara Palmer von der Wohnungslosenhilfe im Landkreis Ludwigsburg. Um die Anonymität des Paares zu wahren, berichtet die Sozialarbeiterin über den Fall. Sie berät das Paar und hilft bei Anträgen.

 

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Zwar gibt es noch keine statistischen Daten darüber, ob sich derartige Fälle häufen angesichts rasant steigender Preise für Energie und Lebensmittel. Aber die Statistik hängt der Entwicklung hinterher: Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Mikrozensus 2020. Damals wurden in Baden-Württemberg rund 13 Prozent der Menschen als armutsgefährdet eingestuft. Ein deutliches Anzeichen, dass das Geld bei vielen knapper wird, sehen die Tafelläden: Sie berichten über zahlreiche neue Kunden. Und auch Tamara Palmer beriet dieses Jahr schon deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren.

Second-Hand-Laden und Sonderangebote

Doch wie können zwei Personen überhaupt mit zusammen 260 Euro im Monat sämtliche Ausgaben jenseits der Miete bestreiten? „Die beiden haben schon immer extrem gespart“, berichtet die Expertin von der Fachstelle Wohnungssicherung. „Vieles kaufen sie im Second-Hand-Laden. Im Supermarkt achten sie stark auf Sonderangebote.“ Neue Vorschläge, wo noch Geld einzusparen wäre, konnte Palmer dem Ehepaar daher kaum machen. „Den Laden der Karlshöhe und ähnliche Angebote kannten sie schon.“ Dort findet man gebrauchte Textilien und Haushaltsgegenstände zum kleinen Preis. Auch die Zweizimmerwohnung ist mit weniger als 60 Quadratmetern nicht überdimensioniert. Lediglich beim Telefon-Anschluss will Palmer mögliches Einspar-Potenzial prüfen. „Bei diesen Verträgen muss man fit sein und immer wieder schauen, ob es sich lohnt, zu kündigen.“

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An die Wohnungslosenhilfe und ihr Beratungspersonal können sich alle wenden, denen die Wohnungslosigkeit droht. Sei es zum Beispiel durch Mietschulden, eine Kündigung der Wohnung oder mietwidriges Verhalten. Etwa jeder Zehnte von Palmers Fällen betrifft Menschen im Rentenbezug.

Rentenerhöhungen werden mit Sozialhilfe verrechnet

Dem Paar aus dem Landkreis riet die Sozialarbeiterin, statt wie bisher 240 Euro Wohngeld nun Sozialhilfe zu beantragen - also das, was für Menschen im Erwerbsalter landläufig „Hartz IV“ genannt wird. Aufstockend zur Rente kann das Ehepaar so mit etwa 120 Euro zusätzlich pro Monat rechnen. Von Rentenerhöhungen – dieses Jahr 5,35 Prozent – profitiert es dann allerdings nicht mehr. Diese werden mit der Sozialhilfe verrechnet. Nur eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes kommt bei den Betroffenen an.

Um die Nebenkosten nachzuzahlen, hoffen Palmer und ihre Klienten zudem auf eine Spende. Wichtig sei, Vermietern zu signalisieren, dass man daran arbeite, die Schulden zu begleichen, rät die Sozialarbeiterin. Dann würden die sich in der Regel gedulden, so auch in diesem Fall. Der Systemwechsel bringt dem Paar gewisse Vorteile: Es kann sich von den Rundfunk- und den Müllgebühren befreien lassen. Psychologisch bedeutet er allerdings einen schwerer Schritt, da im Rentenalter keine anderen Einnahmen mehr zu erwarten sind. Tamara Palmer: „Das Paar wird jetzt sein ganzes Leben lang in der Sozialhilfe bleiben – so etwas ist schade.“

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