Paare beim Sport „Konflikte sollte man nie während des Sports austragen“
Jens Kleinert, Professor an der Sporthochschule Köln, erklärt, wie Paare davon profitieren können, gemeinsam Sport zu treiben – und wann sie es lieber lassen sollten.
Jens Kleinert, Professor an der Sporthochschule Köln, erklärt, wie Paare davon profitieren können, gemeinsam Sport zu treiben – und wann sie es lieber lassen sollten.
Wer mit dem Partner Sport treiben will, steht vor Herausforderungen: Fähigkeiten und Fitnesslevel liegen oft nicht auf dem gleichen Niveau. Wie ist es für Paare trotzdem möglich, gemeinsame Freizeit beim Sport zu verbringen? Jens Kleinert, Professor für Sport- und Gesundheitspsychologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, erklärt, was Paare beachten müssen.
Herr Kleinert, wenn ein Paar gemeinsam Sport treiben will, wie geht man vor?
Erst einmal muss ich leider Wasser in den Wein gießen und fragen, ob das überhaupt sein muss. Ist es wirklich notwendig für die Beziehung, dass wir jetzt auch noch gemeinsam Sport treiben?
Warum denn nicht?
Es ist auch nachvollziehbar, Sport alleine machen zu wollen, um Zeit für sich zu haben. Man sagt: In diesen drei Stunden in der Woche denke ich nicht an den Job, nicht an die Kinder, und auch nicht an die Beziehung. Zusammen können wir außerdem andere Dinge tun, einen Töpferkurs besuchen, tanzen, ins Kino gehen. Grundsätzlich ist es immer gut, wenn Leute anfangen, Sport zu treiben.
Man investiert unter Umständen viel Zeit in den Sport und möchte diese auch mit dem Partner verbringen.
Ja, wenn ein Partner sehr viel Sport treibt, dann fehlt Zeit für die Partnerschaft. Und dann könnte man sagen, lass uns das doch gemeinsam machen.
Schwierig wird es dann wohl durch das Ungleichgewicht der Leistung, oder?
Die Leistungsstärke kann ein Punkt sein, den man besprechen muss. Wenn die Frau schneller und viel mehr läuft als ihr Mann, könnte sie sagen: Okay, dann laufe ich jetzt fünf Kilometer zusammen mit dir in deinem Tempo und danach laufe ich noch fünf Kilometer alleine. Das heißt, wir machen einen Kompromiss, wir überlegen, wie wir beide Bedürfnisse zusammenkriegen. Das kann man beim Work-out genauso machen, dass man mit leichtem Training zusammen beginnt, und einer ein hartes Work-out hinterher macht, während der andere schon duschen geht. Allem voran geht immer, zu besprechen, wie es gemeinsam gelingt.
Welche Fragen sollte man dabei klären?
Zum Beispiel: Warum möchte ich mit dir Sport treiben? Wie viel gemeinsame Zeit wollen wir investieren? Was möchte ich mit dem Sport erreichen? Und was möchtest du erreichen? Wie organisieren wir das genau?
Gibt es Sportarten, die sich besser eignen als andere für Paare zusammen?
Diese Frage höre ich oft, immer antworte ich: Nein. Man kann jede Sportart mit ein bisschen Kreativität und ein paar Ideen so modifizieren, dass es gut zusammen geht. Das funktioniert selbst mit Fußballspielen. Das kann ich auf einer Wiese zwei gegen zwei mit Freunden in einer Art Pärchenkick organisieren. Einer macht dann vielleicht noch Training hinterher. Es geht immer, es so zu planen, dass beide Partner davon profitieren und man eine gewisse Zeit gemeinsam hat. Es muss ja nicht die ganze Zeit sein.
Eine Bekannte hat begonnen, mit ihrem Mann Tennis zu spielen. Sie hatte sich vorgestellt, dass man schön hin und her spielt, er hat ihr die Bälle um die Ohren gehauen. Kann man solche Konflikte lösen?
Konflikte sollte man jedenfalls nie während des Sports ansprechen, das geht nach hinten los, mündet im Streit. Eher kann man sich abends bei einem leckeren Essen besprechen und sagen, wie man sich dabei gefühlt hat und was man anders möchte.
Wenn man da unterschiedliche Ansichten hat, was wären dann Kompromisse?
Wenn er sich das harte Spiel und den Wettkampf wünscht, sie das aber ablehnt, dann muss er sich zum Kämpfen einen anderen Partner suchen. Die Lebensgefährtin ist dann vielleicht jemand, mit der er außer seinem sonstigen Training spielerisch auf dem Platz zusammentrifft und nicht die absolute Leistungsstärke auslotet. Meist ist es aber leider so, dass Paare es dann eher sein lassen, als in einem Gespräch auszuloten, was es bräuchte, damit beide zufrieden sind.
Sollte man einander Tipps geben?
Natürlich nicht ungefragt. Man sollte vorher klären, ob es für den Partner in Ordnung ist, wenn man ihm ab und zu sagt, wie er den Schläger halten muss, um besser zu spielen oder keine Ellenbogenschmerzen zu bekommen. Viele wollen solche Tipps vom Partner aber nicht hören. Wenn man befürchtet, der Partner könnte sich bei falscher Haltung sogar verletzen, ist es das Beste, einen Dritten, etwa einen Trainer, dazu zu holen. Hinter diesen Gedanken steckt oft nicht Besserwisserei, sondern Fürsorge.
Welche Herausforderungen ergeben sich, wenn man als Paar gemeinsam zu einem Team hinzustößt?
Grundsätzlich eine gute Idee, zum Beispiel beim Volleyball ein Mix-Team zu ergänzen. Dann lässt man logischerweise aber zu, dass die Partnerin mit den anderen mindestens genauso viel Kontakt hat wie mit einem selbst. Das ist keine Zweisamkeit, man sollte nicht eifersüchtig sein. Für viele Paare ist es schön, dass man etwas teilt, ohne immer nur zu zweit aneinanderzukleben. Das kann für manche Paare genau das Richtige sein.
Was können langfristig positive Effekte für Paare bei gemeinsamem Sport sein?
Man profitiert von diesen kleinen Kommunikationsdingen, und man kann einander noch besser kennenlernen. Ich erlebe den Partner vielleicht beim Sport ganz anders. Zum Beispiel, wenn mein Mann sonst zurückhaltend ist und auf dem Tennisplatz plötzlich die Sau rauslässt, sich ehrgeizig zeigt, ist das interessant. Das kann unheimlich bereichernd sein, ein Aha-Erlebnis. Vielleicht erlebe ich den Partner beim Sport auch als sehr hilfestellend, was ich sonst von zu Hause gar nicht kenne. Wenn man etwa ein Kompetenzgefälle richtig nutzen kann, ist das eine tolle Ergänzung in der Beziehung.
Und wann sollte man den gemeinsamen Sport lieber wieder sein lassen?
Wenn man trotz mehrerer Gespräche nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt, sondern merkt, wir wollen Dinge, die nicht zusammen gehen, und wir können keine kreative Lösung finden, es kann uns auch niemand dabei helfen. Wenn die Stimmung beim Training häufig nicht positiv ist oder eine Person sogar leidet, dann sollte man etwas anderes finden, was man gemeinsam macht. Es sollte auch nicht so sein, dass einer den anderen immer überreden muss.