InterviewPaarserie „Beziehungsweise“ (3): Maria und René Weller „Er kam wie ein Sturm in mein Leben“

Maria Weller, 64, war Gesellschaftsreporterin in Hannover, bevor sie  vor 13 Jahren zu René zog. Zuvor war sie bereits zweimal verheiratet- Foto: Gottfried Stoppel 2 Bilder
Maria Weller, 64, war Gesellschaftsreporterin in Hannover, bevor sie vor 13 Jahren zu René zog. Zuvor war sie bereits zweimal verheiratet- Foto: Gottfried Stoppel

Warum passen zwei Menschen zusammen? In unserer Serie sprechen besondere Paare über ihr Leben. Heute: Maria und René Weller haben sehr lange gebraucht, um zueinanderzufinden.

Reportage: Frank Buchmeier (buc)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Pforzheim - René Weller ist ein Boxchampion, ein Großmaul und ein Frauenheld gewesen. Nach seiner sportlichen Karriere landete er für viereinhalb Jahre im Gefängnis. Heute führt der 63-Jährige in seiner Heimatstadt Pforzheim eine recht bürgerliche Existenz. Hat ihn seine Frau Maria gezähmt?

Frau Weller, Herr Weller, können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung erinnern?
Maria Weller Und ob! Das war vor 40 Jahren in einer Disco in Hannover. René hatte dort eine Autogrammstunde, und ich saß an der Bar rum. Er sprach mich mit den Worten „Was bist du denn für eine Süße?“ an und betatschte gleich mein Knie – das fand ich voll daneben. Ich hatte gerade mit meinem damaligen Freund Schluss gemacht und von Männern die Nase voll. Und dann sah der René in seinem Lederanzug, mit seiner dicken Goldkette und seiner Rolex auch noch wie ein Zuhälter aus. Aber ich fand ihn dann doch charmant und wurde seine Freundin. Erst nach Monaten wurde mir klar, dass ich nur eine von vielen war.
René Weller Ich kam seinerzeit in ganz Deutschland rum und hatte in fast jeder Stadt eine Liebesbeziehung. Und daheim in Pforzheim war ich fest liiert, wohnte mit der Mutter meiner beiden Kinder unter einem Dach.
Maria W. Das erfuhr ich erst, als mich René nach Pforzheim zu seinem 25. Geburtstag eingeladen hatte. Auf der Party nahm mich seine damalige Partnerin zur Seite und klärte mich über sein abwechslungsreiches Liebesleben auf. Das empfand ich als sehr erniedrigend, ich wollte fortan nichts mehr mit René zu tun haben.
Offenbar fanden Sie doch wieder zusammen.
Maria W. Ja, nach 28 Jahren. René hatte zwar immer wieder versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen, aber ich hatte ihn immer abblitzen lassen. Im November 2003, er war gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, stand er plötzlich vor meiner Haustür in Hannover.
René W. Ich hatte gerade in der Gegend zu tun.
Maria W. Mir imponierte seine Hartnäckigkeit. René ist Sternzeichen Skorpion, und Skorpione sind dafür bekannt, dass sie nicht aufgeben, bis sie das haben, was sie haben wollen. Er kam damals wie ein Sturm in mein ruhiges Leben. Und ich habe schnell gemerkt, dass er sich verändert hatte: Er war sehr lieb zu mir und nicht mehr der Macho von früher, auch wenn er nach außen bis heute so tut, als wenn er noch immer ein Macho wäre.
Herr Weller, helfen Sie im Haushalt?
René W. Nein, ich rühre keinen Finger.
Tragen Sie wenigstens den Müll runter?
René W. Nicht einmal das.
Was treiben Sie den lieben, langen Tag?
René W. Trainieren, lesen und fernsehen.
Maria W. Die ganze Arbeit bleibt an mir hängen. Ich führe den Haushalt, koordiniere unsere Termine, kümmere mich um die Buchhaltung, halte den Kontakt zu unserem Management und betreue unsere Facebook-Seiten. Ich wasche sogar unsere Autos.
René W. Aber ich sorge dafür, dass Geld reinkommt: Wir leben von meinem Namen.
Maria W. Durch mein Plappermaul habe ich mir inzwischen selbst einen Namen gemacht. Natürlich gibt es auch Leute, die mich hassen, aber das gehört dazu, wenn man berühmt ist.
Akzeptiert Sie die Familie Ihres Mannes?
Maria W. Es gab Streitereien, als ich 2004 zu René gezogen war. Ich sage, was ich denke, daran musste sich seine Familie erst gewöhnen. Damals habe ich Renés Leben aufgeräumt. Zunächst mistete ich seinen Freundeskreis aus, was nicht leicht war, denn da war ja auch viel grobes Volk drunter. Dann handelte ich einen Vergleich mit dem Finanzamt zu seinen Steuerschulden aus und verkaufte seine Häuser auf Gran Canaria und schließlich auch seine Pforzheimer Junggesellenbude. Vonseiten seiner Familie wurde mir vorgeworfen, dass ich mich zu sehr einmischen würde. Dabei habe ich mich für René aufgeopfert und dafür gesorgt, dass er heute sauber wie ein Beamter lebt.
Herr Weller, hat Sie Ihre Frau gerettet?
René W. Nee, wovor denn? Ich hatte immer ein gutes Leben.
Maria W. Das stimmt doch gar nicht: Du hattest falsche Freunde, hohe Schulden und hast viereinhalb Jahre wegen Hehlerei im Heimsheimer Knast gesessen!
René W. Davor hatte ich ein superschönes Leben, war auf der ganzen Welt unterwegs.
Maria W. Du willst bis heute nicht zugeben, dass du große Probleme hattest. Vor 13 Jahren standst du wie ein kleiner Junge vor mir und hast gejammert: „Mir wurde alles weggepfändet.“ Seit ich nach deinen Finanzen schaue, geht es wieder bergauf.
Wie ist die aktuelle Kassenlage bei den Wellers?
Maria W. Wir können nicht klagen. Wobei ich ein sparsamer Mensch bin, ich ertrage es nicht, wenn Geld verschwendet wird. Renés Sportwagen habe ich beispielsweise vor dem Winter abgemeldet. Da war René kurz echt mal sauer. Aber die Corvette kostet tausend Euro Versicherung und stand bloß in der Garage rum.
Herr Weller, Ihre großen sportlichen Erfolge liegen drei Jahrzehnte zurück. Es heißt, Ruhm sei vergänglich. Verhilft Ihnen Ihre glorreiche Vergangenheit wirklich noch immer zu einem anständigen Auskommen?
René W. Ja. Ich werde nach wie vor für diverse Veranstaltungen als Stargast gebucht. Außerdem habe ich bei mehreren Reality-Shows mitgemacht, zuletzt gemeinsam mit Maria bei „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“ auf RTL.
Haben Sie Spaß an solchen Auftritten, oder geht es Ihnen dabei vor allem ums Geld?
René W. Sowohl als auch. Ich muss in Reality-Shows ja nur ich selbst sein, verstellen könnte ich mich eh nicht. Bis vor Kurzem habe ich auch noch Show-Boxkämpfe bestritten, das mochte ich am liebsten. Aber Maria verbot mir die Kämpfe, weil sie Angst um mich hatte.
Maria W. Du musst unbedingt erzählen, dass du in der Fortsetzung des Films „Macho Man“ wieder eine Hauptrolle spielst. „Macho Man 2“ kommt im März in die Kinos. Außerdem sind eine Biografie und eine Filmdokumentation über René geplant.



Unsere Empfehlung für Sie