InterviewPaarserie „Beziehungsweise“ „Wir sind beide nicht zimperlich“

Von  

Warum passen zwei Menschen zusammen? In einer Serie sprechen besondere Paare über ihr Leben. Heute: Gwen Weisser und Patrick Allgaier sind dreieinhalb Jahre lang um die Welt gereist.

Gwen Weisser (24) und Patrick Allgaier (33)  touren zurzeit durch deutsche Kinos. Foto: Gottfried Stoppel
Gwen Weisser (24) und Patrick Allgaier (33) touren zurzeit durch deutsche Kinos. Foto: Gottfried Stoppel

Freiburg - Ein paar Reisegewohnheiten haben sie noch immer nicht abgelegt, aber der klapprige VW-Bus aus Mexiko wurde durch einen Wohnwagen ersetzt, und statt per Anhalter durch Pakistan, Indien oder die Mongolei reisen sie jetzt durchs Ländle, um ihren selbst produzierten Film zu zeigen. Sechs Monate ist es nun her, dass Gwen Weisser (24) und Patrick Allgaier (33) aus Freiburg von ihrer Weltreise zurückkamen, nach 97 000 Kilometern und mit kleinem, angespartem Budget. An diesem Sonntag um 19.30 Uhr zeigen sie ihren Film „Weit“ im Stuttgarter Kino Delphi.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, um die Welt zu reisen, ohne dabei ein Flugzeug zu besteigen?
Patrick Allgaier Ich habe es immer bewundert, wenn andere Leute ein Jahr oder länger unterwegs waren. Aber mir hat lange jemand gefehlt, der mitkommt. Dann habe ich irgendwann Gwen kennengelernt . . .
Gwen Weisser Ich habe damals gerade mein Abi gemacht und während dieser Zeit eigentlich nur aus dem Fenster geguckt und überlegt, was ich alles mache, wenn ich fertig bin. Ich hatte den Plan, über Land Richtung Mongolei zu reisen – alleine. Dann haben wir uns kennengelernt, und es war ziemlich schnell klar, dass wir zusammen losgehen.
Patrick A. Es hat dann noch gedauert, bis wir alles vorbereitet und genug Geld gespart hatten. Als wir losgereist sind, waren wir ein Jahr zusammen – und noch frisch verliebt.
War es nicht riskant, nach so kurzer Zeit als Paar zusammen eine lange Reise zu planen?
Gwen W. Wir haben damals gar nicht groß darüber nachgedacht. Man weiß ja eh nie, wie es wird, und so eine Reise kann man ja jederzeit abbrechen.
Patrick A. Wir waren einfach neugierig darauf, die Welt kennenzulernen und Menschen zu begegnen. Dieses Gefühl war viel stärker als irgendwelche Gedanken darüber, was theoretisch alles schiefgehen könnte. Das war vielleicht auch das Besondere.
Sie sind dreieinhalb Jahre gereist, von Süddeutschland bis in den Iran, durch Pakistan, die Mongolei, China und Mittelamerika. Was haben Sie dabei voneinander gelernt?
Patrick A. Gwen ist spontaner als ich. Ich habe den Weg gezeigt, und Gwen ist immer wieder nach rechts und links abgebogen. Ich habe von ihr gelernt, mich einfach treiben zu lassen, nicht immer nur stur geradeaus zu gehen.
Gwen W. Und ich habe von Patrick gelernt, auch mal ruhiger zu sein, mal nur zuzuhören, statt immer gleich vorzupreschen.
Patrick A. Wir haben beide gelernt, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist. Wenn Gwen anders mit Dingen umgeht, meiner Ansicht nach unstrukturierter, dann versuche ich, ihr nicht zu erklären, dass sie es so machen soll, wie ich das mache. Sie hat ihren eigenen Stil und kommt zu einem eigenen, guten Ergebnis.
Gwen W. Diese Unterschiede zu bewahren ist, glaube ich, superwichtig. Also eben auch zu sagen: Ja gut, dann findet er halt Fußball toll. Dieser Prozess ist aber noch in Arbeit (lacht).
Was war auf der Reise die größte Herausforderung für Ihre Beziehung?
Patrick A. Nicht zu einer Person zu werden, auch nach außen hin nicht. Wir sind ja immer zusammen gewesen, 24 Stunden am Tag.
Gwen W. Nach ungefähr einem Jahr, in Indien, wollte ich mal alleine losziehen – um zu sehen, was ich eigentlich selbst kann, was ich mich ohne Patrick traue und wer ich eigentlich alleine bin. Vier Wochen wollten wir getrennt reisen. Nach einer Woche haben wir uns wieder getroffen, zufällig, weil wir beide auf das gleiche Festival wollten – und dann sind wir doch zusammen weiter. Ich hatte schon in dieser einen Woche gemerkt, dass das Reisen genauso gut alleine funktionieren würde. Aber diese Bestätigung zwischendrin habe ich gebraucht, weil es krass ist, wenn man so verschmilzt.
Patrick A. Ich bin nicht der Typ, der alleine reisen würde. Für mich war es extrem schön, wenn wir abends im Zelt lagen und den ganzen Tag noch mal durchdacht haben: wen wir alles getroffen haben, was alles passiert ist. Zu zweit kann man viele Dinge besser verarbeiten und analysieren. Das ist ein wichtiger Prozess auf so einer Reise, weil man viel Input hat.
Gwen W. Ich habe Patrick oft einfach zugehört. Manchmal bin ich dabei eingeschlafen.