Pädagogische Hochschulen Grundschullehrer sollen länger studieren

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Die Grundschullehrer und ihre Ausbilder lassen den Vorwurf nicht auf sich sitzen, die Schulart arbeite schlecht. Sie fordern ein längeres Studium mit drei Fächern. Dann gebe es auch weniger fachfremden Unterricht.

Die Grundschulen sind unter anderem wegen der Rechtschreibung in die Kritik geraten. Foto: dpa
Die Grundschulen sind unter anderem wegen der Rechtschreibung in die Kritik geraten. Foto: dpa

Stuttgart - Die Pädagogischen Hochschulen und die Gewerkschaft Bildung und Erziehung (GEW) machen sich für ein längeres Studium der Grundschullehrer stark. Wie alle anderen Lehrer sollten auch sie zehn Semester studieren. Der Senat der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg regt an, statt der bisher vorgesehenen zwei Semester das Masterstudium auf vier Semester auszudehnen. Dem Master geht ein sechssemestriges Bachelorstudium voraus.

Politik zurückhaltend

Die Rektoren aller sechs Pädagogischen Hochschulen teilen diese Forderung. Werner Knapp, der Rektor der PH Weingarten und Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen sagte dieser Zeitung: „Wir haben das schon 2016 in die Koalitionsverhandlungen eingebracht“. Getan hat sich seither noch nichts. Die Politik hält sich bedeckt. Eine längere Ausbildung würde höhere Gehälter nach sich ziehen, davor schrecke die Regierung zurück, vermuten die Wissenschaftler hinter vorgehaltener Hand.

Wenn das Studium verlängert würde, könnten die angehenden Lehrer drei Fächer studieren. Das hätte Knapp zufolge viele Vorteile. „Es gebe weniger fachfremden Unterricht, die Lehrpersonen könnten besser eingesetzt werden“, sagt der Sprecher der Rektoren. „Das würde die Qualität des Grundschulunterrichts insgesamt verbessern“.

Die Grundschullehrer sind in der Vergangenheit in die Kritik geraten. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat ihnen einen Großteil der Verantwortung für die Schwächen der Schüler in Deutsch und Mathematik zugewiesen.

Mittel gegen fachfremden Unterricht

Als Manko gilt, dass in den Grundschulen viel Unterricht fachfremd erteilt wird. Dem könnte durch ein längeres Studium abgeholfen werden, argumentiert Knapp. Schon jetzt müssen angehende Grundschullehrer Deutsch oder Mathematik als Hauptfach studieren, dazu kommt bisher ein weiteres Fach. Außerdem ist eine Grundbildung in Deutsch vorgesehen, wenn Mathematik das Hauptfach ist und umgekehrt. „Mit einer Verlängerung wären die Grundschullehrer in vier Fächern qualifiziert“, konstatiert Knapp. „Viel mehr Fächer gibt es an der Grundschule gar nicht“.

Die Konzeption eines längeren Studiums wäre kein Problem, sagt Werner Knapp. Die Pädagogischen Hochschulen hätten schon jetzt Veranstaltungen für alle Fächer im Angebot. Zusätzliche Kapazitäten wären seiner Einschätzung nach in Deutsch, Mathematik, den Erziehungswissenschaften und Psychologie notwendig. Für angehende Grundschullehrer, die ihr Studium schon angefangen haben, wollten die PH-Rektoren den Master bereits zum Wintersemester 2018/19 von zwei auf vier Semester verlängern.

Grundsätzlich ist aber die Idee, dass die Studierenden von Anfang an, also schon im Bachelorstudium alle drei Fächer studieren. Das könnte nach Knapps Einschätzung zum Wintersemester 2019/20 möglich sein.

„Die Verlängerung des Studiums wäre eine Aufwertung und Verbesserung des Grundschullehramts“, sagt der Sprecher der PH-Rektoren. Sie würde den Beruf auch für Männer attraktiv machen.

GEW lobt Grundschullehrer

Doro Moritz, die Vorsitzende Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) pflichtet den Hochschulen bei. „Grundschulen brauchen wie die anderen Lehrämter ein Studium von zehn Semestern“, fordert sie. „Wenn die Landesregierung die Schulqualität verbessern will, darf sie nicht länger die Grundschulen links liegen lassen“, sagt Moritz und unterstreicht: „Was die Grundschulen trotz der miserablen Ausstattung mit Unterrichtsstunden, der miserablen Unterstützung und Bezahlung leisten, ist absolut eindrucksvoll“.

Senat stärkt Schulen den Rücken

Das sieht auch der Senat der PH Ludwigsburg so. Viele Lehrer würden trotz der Belastungen Beeindruckendes leisten, betonen die Wissenschaftler in einem Thesenpapier zur Qualität der Grundschule. Darin wenden sie sich gegen Schuldzuweisungen an die Grundschule. Sie schlagen vor, „weitere Reformen erst anzugehen, wenn Modellversuche unter wissenschaftlicher Begleitung einen deutlichen Zugewinn für das Lernen der Kinder erwarten lassen“. Auch sprechen sie sich dafür aus, dass sich Bildungspolitik künftig stärker an der Forschung orientiert und dass „dogmatische Vorgaben über den richtigen Zugang zu einem Lerngegenstand generell vermieden werden“. Damit zielen sie auf die Kritik von Kultusministerin Eisenmann an Methoden zur Vermittlung der Rechtschreibung ab.

Ministerin will abwarten

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigte sich gegenüber dieser Zeitung zwar auch davon überzeugt, dass die Qualität an den Grundschulen gesteigert werden müsse. Die Lehrämter sind im Wintersemester 2015/16 auf die Bachelor-/Masterstruktur umgestellt worden. Die ersten Referendare, die das neue Studium absolviert haben, werden 2019 an den Grundschulen erwartet. Bauer plädiert dafür solange abzuwarten. Dann sehe man, welche Änderungen notwendig seien. Fragen von Gehalt und Studiendauer will Bauer überdies getrennt voneinander diskutieren.

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