Das muss man ihm glauben. Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) weiß zumindest nichts Gegenteiliges, er führt keine Listen, wer wie lange im Geschäft ist. Sicher ist: es gibt kaum noch Discotheken, die in puncto Größe mit dem Palazzo und seinen 800 Quadratmetern vergleichbar sind. In der Region kann man sie an einer Hand abzählen – und der Perkins Park, die einzig verbliebene Großraumdisco in Stuttgart, ist ein paar Jahre jünger.
Eine Disco ohne Türsteher – das war einmal
Menningers Laden ist in einer Zeit groß geworden, als es noch nicht einmal Türsteher brauchte. Heute ist so etwas undenkbar. Auch sonst hat sich über die Jahre viel verändert, das Geschäft ist schwieriger geworden – auch für Menninger. Früher nahmen seine Gäste 60, manche 70 Kilometer Anfahrtsweg mit dem Auto auf sich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Palazzo nicht besonders gut zu erreichen. „Aber die Leute sind inzwischen viel vernünftiger geworden“, sagt Menninger, „heute trinkt eigentlich keiner mehr und fährt danach heim.“ Es ist also nicht alles schlechter geworden. Die Gästezahlen allerdings schon.
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In den 80er und 90er-Jahren kamen an den Wochenenden bis zu 2000 Leute an einem Abend, heute sind es noch 600 bis 700. Nach den Gründen dafür muss der 63-Jährige nicht lange suchen. Zum einen gebe es deutlich weniger junge Leute im Vergleich zu den Hochzeiten der Disco-Kultur. Und Clubs seien „eben nicht mehr so ein zentrales Ding“. Früher war eine Disco ein Treffpunkt und ein Ort zum Kennenlernen. In Zeiten von Social Media, Internet-Communitys und Dating-Plattformen brauchen das viele nicht.
Mit 19 Jahren: jüngster Discobetreiber Deutschlands
Von einem Discosterben will Ekkehard Menninger dennoch nicht sprechen. „Früher hat es die Leute vor allem in die großen Läden gezogen“, sagt er. Der Trend gehe nun eher zu kleineren Clubs. Das bestätigen auch Zahlen des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), an den der BDT angegliedert ist. Er geht davon aus, dass von den derzeitigen Schließungen bundesweit zwischen 500 und 700 Betriebe betroffen sind. Einige davon werden sicherlich nicht mehr öffnen.
Ekkehard Menninger schon, Corona wird ihm nicht das Genick brechen. Mit staatlichen Hilfen kommt das Palazzo bislang gut durch die Pandemie, dass er keine Pacht für seine Disco zahlen muss, ist ein großer Vorteil. Das Gelände, auf dem sie steht, gehörte seinem Vater. Der wollte dort eigentlich einen Supermarkt bauen, aber der Junior hatte andere Pläne. Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann erfüllte er sich mit gerade einmal 19 Jahren seinen Traum von der eigenen Discothek. Im Inneren war vieles Marke Eigenbau, die Möbel, die Lichtanlage – auch das DJ Pult lötete Menninger selbst. „Ich hatte damals aber nicht viel Ahnung“, gibt er zu. Dementsprechend habe er auch Lehrgeld bezahlt. Trotzdem wurde die Discothek immer populärer. Besonders gern erinnert sich der Inhaber an die Wiedereröffnung im Jahr 1990. Zuvor war das Gebäude entkernt und um einen zweiten Stock erweitert worden. Die Schlange reichte einmal um den Block – 5000 Menschen wollten an dem Tag ins Palazzo.
Ein Konzept mit Elektromusik scheiterte grandios
Weil es den Club schon so lange gibt, kommen inzwischen Menschen aller Altersschichten. Die gewachsene Fangemeinde sei einer der Erfolgsfaktoren, sagt Menninger. Mottopartys würden immer noch gut laufen, „aber die kann man nicht jeden Tag machen“. Auf ein bestimmtes Publikum hat sich Menninger ohnehin nie festgelegt. Im Palazzo läuft seit jeher von Rock über Schlager bis Elektro alles. „Nur eine Musikrichtung zu spielen, das geht bei so einer Größe auch gar nicht“, sagt Menninger. Er spricht aus Erfahrung.
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Ende 2008 verpachtete er das Palazzo, weil er die Nase voll hatte. Das strikte Rauchverbot hatte ihm die Lust an der Discothek verdorben. Damals seien geschätzt 80 Prozent der Gäste Raucher gewesen, „von einem auf den anderen Tag hatten wir 50 Prozent Umsatzeinbußen“. Der neue Betreiber setzte auf Elektromusik – lange hielt er sich mit dem eingleisigen Konzept nicht. Nach nur eineinhalb Jahren war wieder Schluss, und Menninger übernahm wieder. „Wenn das anders gelaufen wäre, hätte ich es heute ein bisschen ruhiger“, sagt er mit einem Lächeln. Denn das Disco-Chef-Sein ist er eigentlich nicht überdrüssig. „Zehn Jahre mach’ ich das bestimmt noch. Vielleicht auch länger.“ Er habe als jüngster Discothekenbetreiber Deutschlands angefangen, „jetzt würde ich auch gerne als ältester aufhören“, sagt Menninger. Seine Tochter Patricia (37) hilft inzwischen bei der Organisation und führt die Geschäfte irgendwann vielleicht auch fort.
Das Palazzo öffnet erst einmal als Bar
Erst einmal steht die Wiedereröffnung des Palazzos an – als Kneipe und Bar. Tanzen ist noch nicht wieder erlaubt. Menninger hat eine neue Lichtanlage installiert – „alles LED“, wie er sagt – und das Restaurant wird derzeit aufgehübscht. Und wann wird wieder getanzt? Diese Frage kann Ekkehard Menninger nicht beantworten, eine Weile werde es schon noch dauern. Wer so lange im Geschäft ist, den bringt so etwas aber nicht aus der Ruhe.