Pallotti-Areal in Birkach Im Kreuzfeuer der Anwohner

Von Lisa Wazulin 

Bei einer Info-Veranstaltung zur Zukunft des Pallotti-Areals geht es emotional zu. Die Anwohner sind nach wie vor gegen die Pläne des Siedlungswerks. Sie werden sich wohl daran gewöhnen müssen.

Die Kirche ist dem Abriss geweiht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Kirche ist dem Abriss geweiht. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Birkach - Eigentlich wollten die Verantwortlichen am Dienstag Bürger über den aktuellen Stand zum Neubau des Pallotti-Areals informieren – und Anregungen und Wünsche sammeln. Aber statt über die vorhandenen Baupläne zu diskutieren, geriet nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die katholische Kirche ins Kreuzfeuer der Anwohner.

Es ging positiv los

Schon im Vorfeld hagelte es Kritik an den Plänen für den Abriss der Pallotti-Kirche und den Bau von Wohnungen auf dem Areal in Birkach-Nord zwischen der Aulendorfer Straße, Birkheckenstraße und Im Wiesengrund. Der Bezirksbeirat und der gemeinderätliche Ausschuss für Umwelt und Technik (UTA) hatten dem Projekt zugestimmt – zum Unmut der Anwohner. Gegen diesen konnte auch die fünfköpfige Kommission nichts ausrichten. Zu ihr gehörten am Dienstag Vertreter der Diözese, des Siedlungswerks als Investor, der verantwortliche Architekt Freimut Jacobi sowie die Stadtplanerin Susanne Frucht.

Dabei begann die Veranstaltung am Dienstag positiv. „Wir freuen uns über die große Beteiligung“, sagte die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel zum Einstieg. Christiane Reim, die zweite Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats, war optimistisch: „Wir konnten den Nonnenkonvent der Zisterzienserinnen für das Projekt gewinnen.“ Diese sollen in der auf dem Areal geplanten Kapelle den katholischen Gottesdienst im Bezirk sichern.

Empörte Ausrufe

Neben den Räumen für eine viergruppige Kita sind sechs Wohneinheiten für Asylbewerber, sechs für Flüchtlinge mit Bleiberecht und zwei für Studenten geplant sowie weitere 64 Eigentumswohnungen. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe durch gemischte soziale Quartiere“, sagte Norbert Tobisch, Geschäftsführer des Siedlungswerks.

Erste empörte Ausrufe aus dem Publikum erntete Susanne Frucht bei der Begründung für den Bau des höchsten Gebäudes: „Wir möchten eine offene Bauweise und an der prägnanten Erscheinung des Eckhauses festhalten“, sagte die Stadtplanerin. „Wir halten das für sehr verträglich mit dem Landschaftsbild.“ „Wir aber nicht“, rief jemand. Das Hochhaus, wie es die Bürger nennen, zerstöre das idyllische Landschaftsbild am Ortsrand; eine Anwohnerin von der Straße Im Wiesengrund befürchtet, auf eine Betonwand zu blicken. „Das haben wir in den neuen Plänen berücksichtigt. Das Eckhaus wird zwei Meter schlanker, so wirkt es kleiner“, warf der Architekt Jacobi ein. An der aktuellen Aussicht der Anwohnerin soll sich nichts ändern: Schon jetzt verdecken Bäume den Blick auf die Kirche, an deren Stelle das ebenso hohe Eckhaus stehen soll.

Diese Argumente reichten den Bürgern nicht aus. „Schlanker ist nicht tiefer, wir wollen ein Geschoss weniger“, lautete eine Forderung. Ein Anwohner ergänzte: „Die Baupläne verniedlichen die Höhe, man soll uns endlich mit Ehrlichkeit begegnen.“ Auch zweifelte mancher an der Kompetenz des Architekten und verurteilte die Entwürfe als hässliche Betonklötze.

Die Höhe ist wohl fix

„Es wird darüber hinaus zwei Aufladestationen für Elektroautos geben, auch sind etwas mehr Parkplätze geplant“, versuchte Frucht von der strittigen Höhe abzulenken. Zumal sie bei dieser Forderung nach weniger Stockwerken nichts ausrichten könne: Dazu müssten die aktuellen Baupläne verworfen werden. Ein Stockwerk weniger bedeute teurere Mieten – der Sinn des Baus, günstigen Wohnraum zu schaffen, wäre damit zunichte gemacht. „Warum sind wir dann überhaupt hier?“, fragten die Anwohner, offenbar sei ja alles schon beschlossen.

Matthias Lutz, der Vorsitzende des Bürgervereins, warf der Stadt vor, der Termin sei nur eine Alibi-Veranstaltung. „Wer hat die Macht, uns überhaupt entgegenzukommen?“, fragte die FDP-Bezirksbeirätin Ingrid Tillmanns; die Klage richtete sich gegen die Diözese als Grundstückseignerin. „Wer Geld hat, darf bestimmen“, schlussfolgerte Lutz und warf der Kirche vor, ein Geschäft mit Eigentumswohnungen zu machen, statt Soziales zu leisten. „Wir sind die Bürger, auf uns hat man zu hören“, ertönte es zustimmend aus der Menge. Deutlich verärgert betonte Frucht, dass man den Anwohnern schon entgegengekommen sei, indem man eben nicht auf das Birkacher Feld ausweiche, sondern auf schon bebautes Gebiet. „Es verschlechtert sich nicht alles“, schloss sie. Das Amt für Stadtplanung nimmt noch bis zum 4. Mai Anregungen für den Neubau entgegen.

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