Pallotti-Kirche in Birkach Das letzte Geläut dauert Jahre

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Die katholische Palotti-Kirche gilt als überflüssig. Ein Dekret soll den Abriss ermöglichen, um Platz für die schon seit geraumer Zeit angestrebte Vergrößerung des Pallotti-Kindergartens zu schaffen.

Vielleicht macht die Birkacher Kirche dem Kindergarten Platz. Foto: Judith A. Sägesser
Vielleicht macht die Birkacher Kirche dem Kindergarten Platz. Foto: Judith A. Sägesser

Birkach - Ausgerechnet am 22. Januar. Für die Pallotti-Gemeinde in Birkach ist das kein Datum wie jedes andere. An dem Tag wird der Rat des katholischen Stadtdekanats den Haushalt für 2014 beschließen. Danach dürfte sich weisen, was mit der Kirche an der Aulendorfer Straße passiert. Der 22. Januar ist, wie es der Zufall will, auch der Gedenk- und Festtag des Vincenzo Pallotti, also jenes Mannes, nach dem Gemeinde und Kirche benannt sind.

Dieser Tag Ende Januar hat offenbar das Zeug zum pallottinischen Schicksalstag. Der Geistliche ist am 22. Januar 1850 gestorben, und exakt hundert Jahre danach hat ihn der Papst Pius XII. selig gesprochen. Zum Heiligen ist er indes am 20. Januar 1963 erhoben geworden.

„Zur weiteren Standortentwicklung freigegeben“

Nun soll es also am 22. Januar um die finanzielle Ausstattung des katholischen Stadtdekanats für das Jahr 2014 gehen. Egal wie viel Geld hinterher in der Kasse ist, für die Pallotti-Kirche hat das letzte Geläut sowieso schon begonnen – vor Jahren. Dass das Gotteshaus überflüssig ist, ist keine Neuigkeit. Es ist längst Sitte, dass sich die Katholiken aus den Bezirken Birkach und Plieningen in der Hohenheimer Kirche treffen. Der Pfarrer erspart sich so gleich zweierlei: Wege und leere Kirchenbänke.

Vor Kurzem wurde verkündet, womit die meisten eh gerechnet haben: Das bischöfliche Ordinariat hat den Standort Birkach „zur weiteren Standortentwicklung freigegeben“, wie es in einer Mitteilung steht. Mit anderen Worten: Die Verantwortlichen dürfen sich nun Gedanken machen, was mit dem Gebäude und dem Grundstück passieren soll. Weil diese Nachricht nicht überraschend kommt, haben sie damit natürlich längst begonnen. Auch wenn Alexander Lahl, der Sprecher des Stadtdekanats, sagt: „Es gibt noch keine konkreten Pläne.“ Nach besagtem 22. Januar „kann weiter geplant werden“.

Warten auf ein Dekret des Bischofs

Was recht schwammig klingt, ist es nur bedingt. Der Pallotti-Kindergarten, der am Fuß der Kirche beheimatet ist, besteht bisher aus einer Gruppe. Dass er gern wachsen würde, ist bekannt im Ort. Daher hat das Stadtdekanat Zuschüsse bei der Stuttgarter Verwaltung beantragt. Es gelte nun, den städtischen Etatbeschluss Ende Dezember abzuwarten, sagt Lahl. Ob die Kirche aus den Fünfzigern für einen größeren Kindergarten abgerissen oder ob sie umgebaut werden würde, sei ebenfalls noch unklar, so der Sprecher des Stadtdekanats.

Derzeit wartet die katholische Gemeinde auf ein Dekret des Bischofs. Das ist nötig, um eine Kirche abzureißen oder sie ihrem Zweck zu entfremden. Dies kommt höchst selten vor, sagt Uwe Renz, der Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart: „Nach Informationen des Ordinariats gibt es, was Kirchen anbelangt, bis weit in die Vergangenheit nur zwei Fälle: Niedernhall und Bad Friedrichshall-Kochendorf.“

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