Panamericana Die kranke Rosinante

Von Eva Horn 

Der treuste Reisebegleiter – das Auto – muckt und muss in Reparatur. Bei dieser Gelegenheit kann unsere Autorin Eva Horn auf ihrer Tour durch Mittelamerika viel lernen, am Ende sogar Geduld.

Ein Bild aus glücklichen Tagen. Foto: Horn
Ein Bild aus glücklichen Tagen. Foto: Horn

Mexico City - Seit zwei Wochen sitzen wir in Mexico City fest: Denn unser Auto ist in Reparatur, und in Mexiko, haben wir gelernt, läuft alles etwas anders und dauert gern auch etwas länger.

Rosinante, wie wir unseren roten Grand Caravan, einen richtigen Amischlitten, liebevoll getauft haben, ist seit sechs Monaten unsere treue Begleiterin und hat uns auf bisher mehr als 30 000 zurückgelegten Kilometern als Wohnzimmer, Schlafzimmer und fahrbarer Untersatz gedient. Nach dem Kauf in Vancouver hatten wir ein paar kleine Reparaturen vornehmen lassen und unterwegs sogar an regelmäßigen Ölwechsel gedacht. Für uns zwei Reisende, in oder am Rand von Großstädten aufgewachsen, ist Rosinante das erste eigene Auto. Wir hatten also keine Ahnung. Mittlerweile können wir am Geräusch des Autos erkennen, ob die Batterie leer ist, wissen, wo man welche Flüssigkeit nachfüllt, können mit fast jeder Pumpe Autoreifen befüllen und kennen automechanische Fachbegriffe auf Spanisch und Englisch.

Ein Gartenschlauch wird zum Ersatzteil

Wir sind mit unserem Auto über kanadische Schotterpisten, Abfahrten mit 15 Prozent Neigung und mexikanische Bodenwellen gefahren. Problemlos, bis ich eines Sonntags in einem winzigen mexikanischen Dorf bemerkte, dass uns das Kühlwasser abhanden gekommen war. Wir fragten uns zum einzigen Automechaniker durch, der sonntags geöffnet hatte. Dieser fuhr uns mit seinem Auto zu der havarierten Rosinante zurück, sah kurz unter das Auto und meinte, dass alles „kein Problem“ sei. Zwei Stunden verbrachten wir auf Stühlen vor der Werkstatt des Mechanikers und unterhielten uns mit seiner Frau, während er unsere kaputten Kühlwasserleitungen wegflexte, dass die Funken stoben. Zwischendrin schickte er erfolglos seine Frau zum Ersatzteile-Holen. Da im Dorf keine aufzutreiben waren, behalf er sich nach einigem Überlegen mit einer Art Gartenschlauch, den er in seinem Lager aufgetrieben hatte. Als wir uns schließlich wieder auf den Weg machten, waren wir nicht nur um eine unkonventionelle Erfahrung, sondern auch um zwei Avocados vom Baum neben der Werkstatt reicher.

Als wir eine Woche später inmitten einer katholischen Sonntagsprozession liegen blieben, dämmerte uns, dass wir ohne Reparatur nicht mehr weit kommen würden. In der Autowerkstatt in Mexico City wurden tatsächlich diverse Abnutzungserscheinungen festgestellt. Soweit, so vorhersehbar. Die Reparatur sollte mindestens zwei Wochen dauern, warum, konnte man uns auch nicht erklären. Man tröstete uns, so müssten wir uns wenigstens nicht um einen Parkplatz einer Stadt sorgen, die den Verkehrskollaps quasi erfunden habe.

Auch das haben wir in den letzten Monaten in Mexiko gelernt: Zustände, bei denen in Deutschland schon jeder ausrasten würde, mit Humor und Leichtigkeit zu ertragen. Geht hier ja schließlich allen so.

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