Pandemie in Baden-Württemberg Verreist mit Virus? Mehr Corona-Teststationen für Rückkehrer

Von red/dpa/lsw 

Immer mehr Reisende bringen das Coronavirus mit aus dem Urlaub. Die Landesregierung baut deshalb Testcenter auf, um die Kontrolle über das Geschehen zu behalten. Doch die Infektionszahlen steigen.

Die Covid-19-Teststation am Stuttgarter Hauptbahnhof Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Die Covid-19-Teststation am Stuttgarter Hauptbahnhof Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen baut Baden-Württemberg seine Teststationen für Urlaubsrückkehrer im Land aus. Seit Donnerstagmorgen können sich Reisende am Stuttgarter Hauptbahnhof auf das Coronavirus testen lassen. Von Freitag an sind Tests auch an der Rastanlage Neuenburg-Ost an der A5 möglich. Beide Teststationen könnten je nach Bedarf kurzfristig ausgebaut werden, teilte das Sozialministerium mit.

Abhängig von zur Verfügung stehenden Ärzten sind weitere Stationen an einzelnen Autobahnparkplätzen und Bahnhöfen vorgesehen. Seit vergangenen Samstag sind Teststationen an den drei Flughäfen in Stuttgart, Friedrichshafen und am Airport Karlsruhe/Baden-Baden in Betrieb. „Wer aus einem Risikogebiet in Stuttgart ankommt oder umsteigt, kann und sollte sich testen lassen“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei der Eröffnung der Teststation am Stuttgarter Hauptbahnhof. „Ich hoffe, viele Fahrgäste nutzen diese Gelegenheit: als Vorsorgemaßnahme und zur Vermeidung der Ausbreitung des Virus.“

Denn die Infektionszahlen steigen wieder: Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten seit Beginn der Pandemie ist in Baden-Württemberg bereits auf mindestens 38 165 gestiegen. Das sind 187 mehr als am Vortag, wie das Sozialministerium in Stuttgart am Mittwochabend mitteilte.

Wegen der steigenden Infektionszahlen beschloss die Lenkungsgruppe der Landesregierung am Mittwochabend die Verschärfung verschiedener Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Wer in Bussen und Bahnen keine Maske trägt und dabei erwischt wird, muss künftig mindestens 100 Euro Bußgeld zahlen. Zuvor lag die Untergrenze bei 25 Euro. Die Obergrenze für Maskenverweigerer bleibt bei 250 Euro.

Grund für die Verschärfung sei die „zunehmende und bisweilen mutwilligen Disziplinlosigkeit beim Befolgen der Maskenpflicht im ÖPNV“, teilte das Staatsministerium mit. Das Landesgesundheitsamt wurde gebeten, künftig wieder auch an Wochenenden und Feiertagen tägliche Meldungen über die aktuelle Zahl der Neuinfizierten an das Robert Koch-Institut zu geben.

„Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Donnerstag. „Unser oberstes Ziel ist es, dass wir gerade während der Reisezeit das Coronavirus weiter unter Kontrolle halten können, um eine mögliche zweite Infektionswelle flach zu halten.“ Lucha wies darauf hin, dass die Verantwortung für die Testpflicht bei den Bürgern liege, nicht beim Staat.

Die Einrichtung der neuen Teststationen im Land war nötig, weil Urlauber aus Corona-Risikogebieten - zur Zeit etwa Serbien, Luxemburg oder die USA - sich seit Samstag bei der Rückkehr nach Deutschland auf das Virus testen lassen müssen. Das muss aber nicht direkt nach der Ankunft am Flughafen geschehen. Rückkehrer können den Test aber auch binnen 72 Stunden nach der Ankunft bei einem niedergelassenen Arzt oder einer Corona-Ambulanz nachholen.

Tun sie dies nicht, droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 25 000 Euro. Kontrolliert wird die Einhaltung der Testpflicht aber nicht. Mehrere tausend Reiserückkehrer wurden bereits in den ersten Tagen getestet. Reisende, die nicht aus einem Risikogebiet zurückkehren, können sich ebenfalls kostenlos testen lassen.

Nach dem neuesten Lagebericht des Landesgesundheitsamtes wurden seit der Aufhebung der Reisewarnung für die EU-Länder und einige weitere europäischen Staaten Mitte Juni mehr als 620 Corona-Fälle (Stand: 12.8.) bekannt, deren Ansteckung mutmaßlich im Ausland stattgefunden hat. Das sind rund 21 Prozent aller Corona-Fälle in dem Zeitraum. Die meisten Auslandsfälle kommen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, vor allem aus dem Kosovo und Serbien.

Die bayerische Staatsregierung hatte am Mittwoch eingestehen müssen, dass die Verzögerungen bei der Übermittlung von Testergebnissen in Bayern deutlich dramatischere Ausmaße haben als bisher bekannt:44 000 Reiserückkehrer, die im Ausland im Urlaub waren, warteten nach Tests an bayerischen Autobahnen noch auf ihre Ergebnisse, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete. Wie viele davon aus dem Freistaat und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, konnte Huml zunächst nicht sagen. Sie kündigte allerdings an, dass die Infizierten bis Donnerstagmittag ihr Ergebnis bekommen sollten. Bayern war mit der Ankündigung der Teststationen an Autobahnen bundesweit vorgeprescht.

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