Auswirkungen der Rheintal-Panne 40 Güterzüge rattern täglich durchs Glemstal

Von Arnold Einholz 

Die Anlieger fordern endlich Lärmschutz für diese Ausweichroute der Rheintalstrecke.

Kräftige Lokomotiven, die lange Güterzüge hinter sich her ziehen, gehören seit einigen Wochen auch zum Erscheinungsbild des Foto: factum/Granville
Kräftige Lokomotiven, die lange Güterzüge hinter sich her ziehen, gehören seit einigen Wochen auch zum Erscheinungsbild des Foto: factum/Granville

Leonberg - Um eine Erfahrung, auf die sie lieber verzichtet hätten, sind die Bewohner der Gartenstadt reicher, wenn am Montag, 2. Oktober, wieder alles zur Normalität zurückkehrt. Dann sollen laut der Deutschen Bahn die Güterzüge wieder durch das Rheintal fahren und die verstärkte Nutzung der Gäubahn als Ausweichstrecke für den Lastverkehr ein Ende haben.

Das Fiasko mit dem Tunnelbau zwischen Rastatt und Baden-Baden hat nämlich dazu geführt, wovor die Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL) schon seit Jahren warnt – zusätzlicher Güterzugverkehr verbunden mit mehr Lärm. „Dieser Vorfall hat schlagartig aufgezeigt, dass unsere Befürchtungen, die Strecke über Leonberg könne als Ersatzstrecke für die Rheintalbahn dienen, begründet sind“, sagt der AGVL-Sprecher Ewald Thoma. Bereits heute laufe der gesamte Güterverkehr der Gäubahn über diese „Westliche Güterzugumgehung Stuttgart“ (WeGuS). So bezeichnet nämlich die Bahn die Strecke von Kornwestheim über Leonberg und Renningen nach Böblingen. „Diese Strecke hat sich in den letzten Jahren allmählich von einer lokalen Bahnstrecke zu einer internationalen Güterzugstrecken entwickelt, mit Zielrichtung Schweiz, Österreich und Italien“, sagt Thoma.

Arbeitsgemeinschaft ist nicht gegen Schienenausbau

Unter dem Druck der Ereignisse war es der Bahn Anfang September sogar gelungen, die Bauarbeiten an der Gäubahn zwischen Herrenberg und Böblingen eine Woche früher abzuschließen, damit sie zusätzliche Güterzüge über die Strecke leiten kann. Angekündigt waren bis zu 40 zusätzliche Güterzüge in 24 Stunden. „Sind davor sonntags höchstens fünf Güterzüge, manchmal sogar keiner, gefahren, waren es jetzt bestimmt rund 40“, will der AGVL-Sprecher, der in der Gartenstadt wohnt, gezählt haben. Auch sonst werden tagsüber vermehrt Güterzüge zwischen die Fahrten der S-Bahnen durchgeschleust.

Die AGVL wolle auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass sie gegen den Ausbau der Schiene als Alternative zur Straße sei, stellt Thoma klar. Doch die Arbeitsgemeinschaft, in der verschiedene Bürgervereine und Bürgerinitiativen von Leonberg und Umgebung organisiert sind, trete mit dem Ziel an, den Verkehrslärm und die Luftschadstoffe in diesem Raum zu reduzieren.

Anlieger vor Lärm schützen

Die Arbeitsgemeinschaft richtet sich dabei nicht gegen die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen, sondern will erreichen, dass deren Folgen so minimiert werden, dass die Anlieger vor Gesundheitsschäden bewahrt werden. „Die Anlieger müssen effektiv vor Lärm geschützt werden“, bringt es Thoma auf den Punkt. Dies bedeute, dass die Strecke von Korntal bis Böblingen komplett mit Lärmschutz versehen werden müsse, der auch die Zusatzfunktion als Ersatzstrecke für die Rheintalbahn und als Zulaufstrecke zum neuen Gotthard-Tunnel mit einbezieht. Weil das Verfahren zur Lärmsanierung laufe, sollten sich auch die Kommunen gemeinsam mit den Anliegern für einen möglichst effizienten Lärmschutz gegenüber der Bahn einsetzen.

„Für die Notsituation der Bahn haben wir Verständnis, aber auch bei uns, wie im Rheintal, könnte sie sich vielleicht auch mal mit einem Gutschein für die zusätzliche Lärmbelästigung erkenntlich zeigen“, meint Thoma. Die Anzahl der Bahnlärmgeplagten in Leonberg finde sie ja schließlich punktgenau auf jedes Haus bezogen in den Erhebungen für den Lärmaktionsplan, sagt der AGVL-Sprecher schmunzelnd.




Veranstaltungen